Schule und Europa

Das Verhältnis von S. ist von einer über 2.500 Jahre alten Geschichte abendländischer Bildung geprägt. Ihre philosophischen, kulturellen, religiösen, sozialen, wirtschaftlichen und politischen Wurzeln beeinflussen seit Jahrhunderten die zivilisatorische Entwicklung in der EU und tragen wesentlich zu deren Identität bei. Gelehrte wie Sokrates, Aristoteles und Erasmus von Rotterdam sowie wichtige Geistesströmungen (Renaissance, Aufklärung) haben weite Teile Europas beeinflusst und Bildungslandschaften dauerhaft geprägt. Im Laufe der Zeit entstanden länderspezifische Schulsysteme und Lehrpläne. Die Lerninhalte sind mit Blick auf den Europa-Gedanken nicht selten zwischen den beiden Polen »Nationalstaat« und »entgrenzte Phänomene« (Globalisierung, Verlauf und Gestalt des europ. Einigungsprozesses) angesiedelt. Die konkreten Maßnahmen sind unterschiedlich: So sollen z. B. innereurop. Begegnungen zwischen Schülerinnen und Schülern zur Völkerverständigung beitragen und identitätsstiftend wirken. Des Weiteren ist beabsichtigt, Auswirkungen der europ. Politik auf die kommunale oder regionale Ebene zu veranschaulichen. Um dies zu erreichen, liegt vielen Schulen besonders daran, das komplexe Thema »Europa« im Unterricht durch klassenübergreifende Projekte und Wettbewerbe erfahrbar zu machen. Auch die Erkundung europ. Institutionen (z. B. Europäisches Parlament) dient der Erweiterung des individuellen Lern- und Erfahrungshorizonts. Eine besondere »Lernbrücke« zwischen EU-Institutionen und Schulen wurde während der dt. Ratspräsidentschaft 2007 erfolgreich erprobt: Repräsentanten der EU stellten sich der Diskussion mit Jugendlichen und riefen dadurch einen direkten Dialog ins Leben. Als weiteren Aspekt umfasst das Begriffspaar S. die Frage nach angemessenen Methoden zur Vermittlung von Kenntnissen über die EU und nach konkreten Beteiligungs- und Partizipationsmöglichkeiten von Unionsbürgern. Herausforderungen bilden dabei die Besonderheiten der EU als politisches System, die Diskussion über die Ziele des Einigungsprozesses (»Finalität«) und Formen der politischen Teilhabe (»Demokratiedefizit«). Beim Thema S. fehlt bis heute ein allgemein anerkannter didaktischer Ansatz. Erst seit wenigen Jahren lassen sich auf diesem Gebiet größere Anstrengungen erkennen.

Literatur


aus: Große Hüttmann / Wehling, Das Europalexikon (3.Auflage), Bonn 2020, Verlag J. H. W. Dietz Nachf. GmbH. Autor des Artikels: G. Weinmann

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