Bürger/Bürgertum

In der Antike eine durch Geburt erworbene Zugehörigkeit zu den mit politischer Entscheidungsgewalt ausgestatteten Personen; im Mittelalter die freien, vollberechtigten Bewohner einer Stadt (zunächst Gewerbetreibende, Kaufleute), die (neben Adel und Klerus) einen eigenen sozialen und politischen Stand bildeten.

Die Zugehörigkeit zum B. war mit bestimmten Privilegien verbunden, das B.-Recht war erblich (keine B.-Rechte besaßen z. B. Juden, Arme, Gesinde). Während des Absolutismus wandelte sich der Begriff des Bs., der nun u. a. auch Verleger, Bankiers und Angehörige gelehrter Berufe einschloss und zum Träger der technischen und wirtschaftlichen Entwicklung wurde. Mit der Unabhängigkeitserklärung der USA, der Französischen Revolution und der Anerkennung der allgemeinen Menschen- und Bürgerrechte begann das klassische Zeitalter des Bürgertums (Bourgeoisie). Die Entwicklung der Nationalstaaten und der Niedergang des Bürgertums als sozialem Stand führten zur schrittweisen Ablösung des Begriffes B. durch die Bezeichnung Staatsbürger. Ugs. verweist der Begriff auch heute noch auf die soziale Mittelschicht.

Siehe auch:
Absolutismus
Französische Revolution
Anerkennung
Nationalstaat
Menschenrechte
Staatsangehörigkeit/Staatsbürgerschaft

Quelle: Schubert, Klaus/Martina Klein: Das Politiklexikon. 7., aktual. u. erw. Aufl. Bonn: Dietz 2018. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

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