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Mehrebenensystem

1) Föderale Staaten verfügen zumindest über zwei staatliche Ebenen: die Ebene des Gesamtstaates (z. B. den Bund) und die Ebene der Gliedstaaten (die Länder, die Provinzen etc.). Manchmal bilden die Städte und Gemeinden eine weitere eigenständige Ebene (in DEU gelten die Kommunen verfassungsrechtlich nicht als dritte bundesstaatliche Ebene). In der Europäischen Union bilden sie eine eigenständige politische Ebene. Charakteristisch für solche M. ist, dass die Kompetenzverteilung zwischen den Ebenen (i. d. R. verfassungsrechtlich) eindeutig geklärt wird, dass es aber in der politischen Praxis oft notwendig wird, dass mehrere Ebenen zusammenarbeiten müssen, um die beschlossenen Ziele tatsächlich zu erreichen ( Politikverflechtung).

2) Als M. werden auch jene politischen Strukturen bezeichnet, die nicht nur über verschiedene vertikale Ebenen (von der lokalen, über die regionalen und gesamtstaatlichen, zu der suprastaatlichen und letztlich der globalen Ebene), sondern auch über verschiedene horizontale entscheidungsrelevante Einrichtungen oder Vereinbarungen verfügen (z. B. die intergouvernementalen Beziehungen in der EU). Die Formulierung und insbesondere die Durchsetzung politischer Ziele sind in solchen komplexen Strukturen sehr schwierig, verlangen üblicherweise hohe Kooperationskompetenzen sowie strategisches Verhandlungsgeschick und stoßen oft auf vielfältige Vetospieler.

Siehe auch:
Staat
Stadt
Gemeinde
Kommune
Europäische Union (EU)
Politikverflechtung
Vetospieler
Föderalismus
Kompetenz-Kompetenz

Quelle: Schubert, Klaus/Martina Klein: Das Politiklexikon. 7., aktual. u. erw. Aufl. Bonn: Dietz 2018. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

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