Antragsdelikt

strafbare Handlung, die nur auf Antrag des Verletzten verfolgt wird, z. B. die Beleidigung (§§ 185, 194 StGB). Der Staat stellt in diesen Fällen leichterer Kriminalität seinen Strafanspruch zugunsten des Verletzten zurück, der mit dem Verzicht auf die Stellung des Strafantrags mögliche eigene anerkennenswerte Motive verfolgen kann (Frieden, Schadensersatz). In manchen Fällen können auch andere antragsberechtigt sein, z. B. nach dem Tod des Berechtigten seine Angehörigen, bei Amtsträgern die vorgesetzte Dienstbehörde (§§ 77 ff. StGB). Das Recht, den Antrag zu stellen, erlischt nach drei Monaten, beginnend mit dem Tag, an dem der Berechtigte von der Handlung und der Person des Täters Kenntnis erlangt hat (§ 77 b StGB). Der Antrag kann bis zum rechtskräftigen Abschluss des Strafverfahrens zurückgenommen werden (§ 77 d StGB), sodass das Verfahren eingestellt werden muss. Einige A., wie die einfache Körperverletzung, können auch ohne Strafantrag des Verletzten verfolgt werden, wenn an der Strafverfolgung ein besonderes öffentliches Interesse besteht (§ 230 StGB).

Quelle: Duden Recht A-Z. Fachlexikon für Studium, Ausbildung und Beruf. 3. Aufl. Berlin: Bibliographisches Institut 2015. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

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