Erziehungsmaßregeln

bestimmte Sanktionen des Jugendstrafrechts aus Anlass der Straftat eines Jugendlichen. E. sind: 1) die Erteilung von Weisungen, die auf die Lebensführung des Jugendlichen Einfluss nehmen sollen (§ 10 Jugendgerichtsgesetz, JGG). Dazu gehören u. a. die Bestimmung des Aufenthaltsorts, das Gebot, eine Ausbildungs- bzw. Arbeitsstelle anzunehmen oder Arbeitsleistungen zu erbringen, an einem sozialen Trainingskurs teilzunehmen oder sich um einen Täter-Opfer-Ausgleich zu bemühen. Der Jugendrichter hat die Möglichkeit, selbst auf den Einzelfall zugeschnittene Weisungen zu entwickeln; 2) die Anordnung, Hilfe zur Erziehung (§ 12 JGG) in Form der Erziehungsbeistandschaft im Sinne des § 30 SGB VIII (Unterstützung durch einen Erziehungsbeistand) oder in einer Einrichtung über Tag und Nacht (Heimerziehung) bzw. in einer sonstigen betreuten Wohnform im Sinne des § 34 SGB VIII in Anspruch zu nehmen. Die E. bezwecken in erster Linie nicht Strafe für eine Tat, sondern die Erziehung des jugendlichen Täters und unterscheiden sich insoweit von Zuchtmitteln und Jugendstrafe. E. können einzeln und nebeneinander angeordnet werden, ferner auch in Verbindung mit bestimmten Zuchtmitteln. Neben der Jugendstrafe sind als E. Weisungen und die Anordnung eines Erziehungsbeistands zulässig. E. werden in das Erziehungsregister eingetragen. Befolgt der Verurteilte nicht die richterliche Weisung, so kann sie durch die Verhängung von Beugearrest erzwungen werden.

Für die Dauer des Wehrdienstes eines Jugendlichen oder Heranwachsenden darf Hilfe zur Erziehung im Sinne des § 12 JGG nicht angeordnet werden. Stattdessen ist für Soldaten die besondere E. der Erziehungshilfe durch den Disziplinarvorgesetzten vorgesehen (§ 112 a JGG).

Quelle: Duden Recht A-Z. Fachlexikon für Studium, Ausbildung und Beruf. 3. Aufl. Berlin: Bibliographisches Institut 2015. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

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