Gewohnheitsrecht

eine Rechtsquelle, die im Unterschied zum gesetzten Recht nicht im Wege eines formalisierten Rechtsetzungsverfahrens, besonders der Gesetzgebung, entsteht, sondern durch stetige, von Rechtsüberzeugung getragene Übung in einer Rechtsgemeinschaft hervorgebracht wird. Gewohnheitsrecht spielt eine Rolle, wo eine zentralisierte und staatlich garantierte Rechtserzeugung nicht oder noch nicht zur Wirksamkeit gelangt ist, wie besonders in älteren Kulturstufen vor Ausbildung der neuzeitlichen europäischen Staaten. Dadurch, dass Gewohnheitsrecht aufgezeichnet wird, etwa in einem Rechtsbuch wie dem Sachsenspiegel, oder einer Anerkennung durch die Gerichte bedarf wie im englischen Common Law, verliert es seine besondere Eigenschaft als ungeschriebenes Recht nicht. Der sich mit dem Gewohnheitsrecht verbindende Begriff der Observanz bezeichnet eine nur örtlich geltende Norm des Gewohnheitsrechts , z. B. über die Rechtslage an einer älteren Straße. Im Völkerrecht, das weitgehend ohne eine institutionalisierte (staatlich bestimmte) Rechtserzeugung auskommen muss, sind Vertrag und Gewohnheitsrecht die wesentlichen Rechtsquellen. Im Strafrecht spielt Gewohnheitsrecht aufgrund des strengen Gesetzlichkeitsprinzips keine Rolle.

Quelle: Duden Recht A-Z. Fachlexikon für Studium, Ausbildung und Beruf. 3. Aufl. Berlin: Bibliographisches Institut 2015. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

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