Handwerk


Handwerk: der Handwerksbegriff

im Sinne des Gesetzes zur Ordnung des Handwerks (Handwerksordnung, HandwO) vom 17. 9. 1953 ein (selbstständig betriebenes) stehendes Gewerbe, das handwerksfähig ist und handwerksmäßig betrieben wird.

Handwerksfähigkeit und handwerksmäßiger Betrieb: Die Handwerksfähigkeit setzt voraus, dass der Betrieb entweder vollständig ein Gewerbe umfasst, das in der Anlage A zur HandwO aufgeführt ist, oder jedenfalls Tätigkeiten ausgeübt werden, die für dieses Gewerbe wesentlich sind. Anlage A zählt die Gewerbe auf, die als zulassungspflichtige Handwerke betrieben werden können. Im Zug der Gesetze zur Reform der HandwO vom 24. 12. 2003 wurde deren Zahl auf 41 reduziert. Die übrigen 53 in Anlage B aufgeführten Handwerke und die 57 handwerksähnlichen Gewerbe sind zulassungsfrei.

Sind die ausgeübten Tätigkeiten für das betreffende Gewerbe nicht wesentlich, so spricht man von einem Minderhandwerk, für das die Vorschriften der HandwO nicht gelten. Vom Minderhandwerk zu unterscheiden ist der handwerkliche Nebenbetrieb, für den wiederum die Vorschriften der HandwO gelten. Ein solcher Nebenbetrieb liegt grundsätzlich dann vor, wenn er entweder mit einem Versorgungs- oder sonstigen Betrieb einer öffentlich-rechtlichen Stelle oder mit einem Unternehmen des H., der Industrie, des Handels, der Landwirtschaft oder sonstiger Wirtschafts- und Berufszweige verbunden ist und in ihm Waren zum Absatz an Dritte handwerksmäßig hergestellt oder Leistungen für Dritte handwerksmäßig bewirkt werden.

Das Merkmal des handwerksmäßigen Betriebs dient v. a. der Abgrenzung des H. von der Industrie.

Handwerksrolle und Befähigungsnachweis: Nur solche juristischen Personen und Personengesellschaften, die in die Handwerksrolle eingetragen sind, dürfen einen selbstständigen Betrieb eines zulassungspflichtigen H. führen (§ 1 Abs. 1 HandwO). Die Handwerksrolle ist ein von der Handwerkskammer geführtes Verzeichnis, in welches die selbstständigen Handwerker des Kammerbezirks mit den von ihnen zu betreibenden H. einzutragen sind (§ 6 HandwO). Die Eintragung in die Handwerksrolle setzt voraus, dass der Betreffende in dem von ihm zu betreibenden H. oder in ein diesem verwandten H. die Meisterprüfung bestanden hat (sogenannter großer Befähigungsnachweis).

Bei juristischen Personen muss der Betriebsleiter die Voraussetzungen für die Eintragung in die Handwerksrolle erfüllen, bei Personengesellschaften der für die technische Leitung verantwortliche persönlich haftende Gesellschafter, seit dem 1. 1. 2004 ersatzweise auch ein angestellter Betriebsleiter. In Ausnahmefällen kann die Eintragung in die Handwerksrolle aufgrund einer Ausnahmebewilligung nach § 8 HandwO erfolgen. Über die Eintragung in die Handwerksrolle wird von der Handwerkskammer als Bescheinigung die Handwerkskarte ausgestellt. Bei Löschung der Eintragung (auf Antrag oder von Amts wegen) muss diese zurückgegeben werden.

Ohne die sich hierauf erstreckende Eintragung in die Handwerksrolle können Arbeiten in einem anderen H. ausgeführt werden, wenn sie mit dem Leistungsangebot des eingetragenen H. technisch oder fachlich zusammenhängen oder dieses wirtschaftlich ergänzen.

Durch die Reform des Handwerksrechts wurde der Meisterzwang auf die 41 zulassungspflichtigen H. beschränkt und bis auf wenige Ausnahmen (sechs Berufe) können sich seit 1. 1. 2004 erfahrene Gesellen auch ohne bestandene Meisterprüfung in den zulassungspflichtigen Handwerken selbstständig machen, wenn sie stattdessen sechs Jahre praktische Tätigkeit in dem Handwerk vorweisen können, davon vier Jahre in leitender Position. Im Übrigen können auch Personen in die Handwerksrolle eingetragen werden, die der Meisterprüfung mindestens gleichwertige staatliche oder staatlich anerkannte Prüfungen erfolgreich absolviert haben.

Ausbildung: Der Erwerb des Meistertitels in einem H. setzt i. d. R. die Absolvierung eines geordneten Ausbildungsgangs voraus. Die Ausbildung von Lehrlingen (Auszubildenden) richtet sich nach für die einzelnen H. erlassenen Ausbildungsordnungen, die Ausbildungsdauer und -programm sowie die Prüfungsanforderungen festlegen (Weiteres: Berufsausbildungsverhältnis). Die Ausbildung von Handwerkslehrlingen darf nur durch persönlich und fachlich geeignete Personen erfolgen. Fachlich geeignet ist, wer die Meisterprüfung in dem H., in dem ausgebildet werden soll, bestanden hat oder über eine besondere Ausbildungsberechtigung (§ 21 HandwO) verfügt. An die Ausbildungsstätte werden bestimmte Anforderungen gestellt.

Für anerkannte Ausbildungsberufe (H.) führt die Handwerkskammer ein Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse, in das der wesentliche Inhalt des Berufsausbildungsvertrags einzutragen ist (Lehrlingsrolle). Die Gesellenprüfung wird vor einem Prüfungsausschuss der Kammer nach einer von ihr erlassenen Prüfungsordnung abgelegt. Spätestens nach drei Jahren Berufstätigkeit ist der Geselle zur Meisterprüfung zuzulassen. Durch sie wird festgestellt, ob der Prüfling befähigt ist, einen Handwerksbetrieb selbstständig zu führen und Handwerkslehrlinge ordnungsgemäß auszubilden. Die Prüfung wird durch Meisterprüfungsausschüsse abgenommen, die als staatliche Behörden am Sitz der Handwerkskammern errichtet werden.

Organisation: Zur Vertretung der Interessen des H. werden von der obersten Landesbehörde Handwerkskammern als Körperschaften des öffentlichen Rechts errichtet, denen alle selbstständigen Handwerker, Inhaber handwerksähnlicher Betriebe sowie deren Lehrlinge und Gesellen im entsprechenden Handwerkskammerbezirk angehören und die unter Staatsaufsicht eine Reihe von Selbstverwaltungsaufgaben zu erfüllen haben. Ebenfalls Körperschaften des öffentlichen Rechts sind die Handwerksinnungen, die von den selbstständigen Handwerkern des gleichen H. oder solcher H., die sich fachlich oder wirtschaftlich nahe stehen, zur Förderung ihrer gemeinsamen gewerblichen Interessen innerhalb eines bestimmten Bezirks gebildet werden können. Die Mitgliedschaft in den Innungen ist freiwillig.

Quelle: Duden Recht A-Z. Fachlexikon für Studium, Ausbildung und Beruf. 3. Aufl. Berlin: Bibliographisches Institut 2015. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

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