Jugendkriminalität

Gesamtheit des strafrechtlich missbilligten Verhaltens Jugendlicher (nach dem deutschen Jugendstrafrecht zur Tatzeit 14- bis 17-Jähriger) und Heranwachsender (18- bis 20-jähriger Erwachsener), in Abgrenzung zur Kriminalität strafunmündiger Kinder und strafrechtlich sogenannter Vollerwachsener (ab vollendetem 21. Lebensjahr). Weiter gefasst ist der in Anlehnung an den angelsächsischen Sprachgebrauch verwendete Begriff Jugenddelinquenz, in den z. T. auch die Kriminalität über 21-Jähriger bis ins 3. Lebensjahrzehnt einbezogen wird, da die starren, nach Zeit und Ort unterschiedlichen gesetzlichen Altersgrenzen entwicklungspsychologisch und soziologisch nicht zwingend sind und auch Taten älterer Täter jugendtypisch sein können.

In absoluten Zahlen gemessen und auch in Relation zur statistisch erfassten Gesamtkriminalität ist in den letzten Jahrzehnten insgesamt ein Anstieg der amtlich registrierten Jugendkriminalität (Hellfeld) zu verzeichnen, wenngleich sich dieser keinesfalls kontinuierlich vollzog und auch Perioden des Rückgangs zu erkennen sind. Etwa jeder fünfte der polizeilichen Tatverdächtigen ist 14 bis 21 Jahre alt.

Während die Kriminalitätsbelastung bei Männern im Alter von 18 bis 21 Jahren ihren Höchststand erreicht, nimmt sie mit zunehmendem Alter stetig ab. Die Kriminalität junger weiblicher Tatverdächtiger stellt eine geringe Quote ( 26 % der Jugendlichen, rund 20 % der Heranwachsenden) der Jugendkriminalität und ist weniger schwer. Vor Straßenverkehrsdelikten bilden Diebstähle (oft Laden-, Kfz-Diebstahl) den weit überwiegenden Teil der Jugendkriminalität. Der Anteil der Gewaltkriminalität ist dagegen zahlenmäßig von geringerer Bedeutung. Vergleichsweise hoch und in den letzten Jahren noch gestiegen ist der Anteil von jungen Tätern an den registrierten Raubdelikten (rund 50 % aller Raubdelikte).

Als Beweggründe werden von den jungen Tätern selbst Leichtsinn, Übermut, Abenteuerlust, Neugier, Sport, Rauflust u. Ä. genannt; bewusst oder unbewusst spielen oft Konsumorientierung, Streben nach Prestige, Statussymbolen, Anerkennung, Zugehörigkeit zu einer (Bezugs-)Gruppe von Gleichaltrigen (Peergroups) eine Rolle. Letzteres weist darauf hin, dass Jugendkriminalität häufig eine Kriminalität von Gruppen ist, ohne die bestimmte Formen der Jugendkriminalität kaum vorstellbar erscheinen und die auch die Deliktsbegehung vielfach eine gemeinschaftliche sein lässt. Jugendkriminalität ist in Ausführungsart und Folgen insgesamt weniger schwer als Erwachsenenkriminalität; sie ist zumeist spontan, auf Nachahmung professioneller Verbrechen angelegt.

Die Dunkelfeldforschung hat als Kennzeichen der Jugendkriminalität ihre Ubiquität (Allgegenwart) ermittelt, wobei die Begehung harmloser Delikte eine normale, auch ohne strafende Eingriffe vorübergehende Erscheinung in der Entwicklung eines jungen Menschen sei, wie überhaupt Jugendkriminalität selbst bei Mehrfachtätern oft nur episodenhaften Charakter habe. Daraus folgt, dass es nicht bei jeder Verletzung einer Strafnorm einer erzieherischen oder gar strafenden staatlichen Einwirkung, sondern oftmals lediglich einer Normverdeutlichung bedarf. Dieser Erkenntnis tragen Rechtslehre und -praxis bei jungen Tätern mit einer möglichst frühzeitigen und informellen Verfahrensbeendigung (Diversion) Rechnung. Obwohl im Bereich der Jugendkriminalität wenige für einen großen Teil der Delikte verantwortlich sind, bedeutet auch mehrfache Straffälligkeit nicht zwangsläufig, sondern nur für eine Minderheit der jungen Täter das Abgleiten in eine kriminelle (Lebens-)Karriere.

Die Frage nach den Ursachen der Jugendkriminalität lässt sich nicht eindeutig beantworten. Kriminologische Untersuchungen halten das Zusammenwirken vieler Faktoren für möglich; gestörte oder unvollständige Familien (Broken Home), Wertewandel in einer übersättigten Konsumgesellschaft, Sozialisationsdefizite infolge schulischer Unterqualifikation, Fehlentwicklungen des modernen Städtebaus, kulturelle Entwurzelung (besonders bei jungen Ausländern der zweiten Generation), Arbeitslosigkeit und Fehlen sinnvoller Freizeitbeschäftigung (Jugendstrafrecht).

Quelle: Duden Recht A-Z. Fachlexikon für Studium, Ausbildung und Beruf. 3. Aufl. Berlin: Bibliographisches Institut 2015. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

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