Kirchensteuer

eine öffentlich-rechtliche Zwangsabgabe, die die als Körperschaften des öffentlichen Rechts anerkannten Religionsgemeinschaften zur Finanzierung ihrer Aufgaben von ihren Mitgliedern erheben. Rechtsgrundlagen für die Erhebung der Kirchensteuer sind Art. 140 GG in Verbindung mit Art. 137 Abs. 6 Weimarer Reichsverfassung, die Verfassungen und Kirchensteuergesetze der Länder und die Konkordate und Kirchenverträge auf Bundes- und Landesebene. Kirchliche Rechtsquellen der Kirchensteuer (einschließlich der Steuersätze) sind v. a. die (staatlich anerkannten bzw. genehmigten) Kirchensteuergesetze und Verordnungen der Landeskirchen und Diözesen. Die Kirchensteuer wird fast durchweg als Zuschlag zu staatlichen Steuern (Maßstabsteuern) erhoben, und zwar in erster Linie als Zuschlag zur Einkommen- bzw. Lohnsteuer in Höhe von 8 % oder 9 % (je nach Bundesland). Meist wird die Kirchensteuer (z. T. nur auf Antrag des Steuerpflichtigen) auf einen bestimmten maximalen Prozentsatz (5–7 %) des zu versteuernden Einkommens gekappt (Kirchensteuerkappung).

Die gezahlte Kirchensteuer ist bei der Einkommensteuer als Sonderausgabe unbegrenzt abzugsfähig. Besonderheiten gelten mit Rücksicht auf den Kinderfreibetrag und die Versteuerung von Dividenden.

Bei konfessionsverschiedenen Ehen wird für die Berechnung der jeweiligen Kirchensteuer eine dem einkommensteuerlichen Splitting entsprechende Halbteilung des ehelichen Einkommens vorgenommen. Das bedeutet, dass bei Ehepartnern, von denen nur einer einer steuererhebenden Kirche angehört, die Kirchensteuer sich nur nach dem Einkommen des kirchensteuerpflichtigen Ehepartners richtet. Häufig führt dies zum Kirchenaustritt des allein verdienenden Ehepartners, um die Kirchensteuer zu sparen, während die übrige Familie zum Nulltarif Mitglied der Kirche bleibt. Die evangelischen Landeskirchen in den meisten Bundesländern und einige katholische Bistümer erheben daher bei glaubensverschiedenen Ehen ein besonderes, von der Höhe der Einkommensteuer unabhängiges Kirchgeld .

Quelle: Duden Recht A-Z. Fachlexikon für Studium, Ausbildung und Beruf. 3. Aufl. Berlin: Bibliographisches Institut 2015. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

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