Kriminologie

interdisziplinäre Erfahrungswissenschaft von der Kriminalität als Massenerscheinung und von der Straftat als individuellem Phänomen; Teilgebiet der Kriminalwissenschaften. Die K. wird weitgehend, aber nicht umfassend von den Strafnormen bestimmt, die Verhaltensweisen als kriminell definieren und innerhalb der Kriminalwissenschaften Gegenstand der Strafrechtswissenschaft sind. Die Forschungsmethoden der K. sind ihren Primärwissenschaften (Medizin, Soziologie, Psychologie u. a.) entlehnt, denen sie den Forschungsbereich Kriminalität entnimmt. Die Vielfalt der K. zeigt sich in der Vielzahl ihrer Grund- und Teildisziplinen, ihren zahlreichen Forschungsrichtungen und der bisher nicht bewältigten Schwierigkeit, einen näheren und allgemein anerkannten Begriff der K. zu bestimmen. Breitere Zustimmung kann die an eine US-amerikanische Beschreibung angelehnte Begriffsbestimmung finden, nach der sich die K. mit den Realitäten der Gesetzesentstehung, den Rechtsbrüchen, den Rechtsbrechern und den Reaktionen auf Gesetzesverletzungen befasst. Als Teildisziplin der K. widmet sich die Kriminalphänomenologie vornehmlich den Erscheinungsformen, die Kriminalätiologie anthropologischen und sozialen Erklärungen der Kriminalität (Kriminalanthropologie, Kriminalsoziologie), die Kriminalstatistik v. a. der Analyse amtlich registrierter Kriminalitätsdaten, die Viktimologie (mit in der K. neuerer Blickrichtung) der Situation und Rolle des Straftatopfers, die Pönologie den strafrechtlichen Sanktionen. Die angewandte K. verfolgt das Ziel, Erkenntnisse der K. für die Praxis der Strafrechtspflege nutzbar zu machen.

Quelle: Duden Recht A-Z. Fachlexikon für Studium, Ausbildung und Beruf. 3. Aufl. Berlin: Bibliographisches Institut 2015. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

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