Rechtsanwalt

Jurist, der aufgrund der Zulassung durch die Landesjustizverwaltung zur Wahrnehmung fremder Interessen tätig wird. Einschlägige Bestimmungen enthält die Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) vom 1. 8. 1959 mit späteren Änderungen.

Berufsbild: Der Rechtsanwalt ist ein unabhängiges und selbstständiges Organ der Rechtspflege, er übt einen freien Beruf, aber kein Gewerbe aus. Er kann insbesondere handeln als Prozessbevollmächtigter, Verteidiger, Beistand, Vertreter oder Berater in allen Rechtsangelegenheiten. In der Praxis überwiegt die vorsorgende, auf außergerichtliche Streitbeilegung gerichtete Tätigkeit. Zum Rechtsanwalt kann grundsätzlich nur zugelassen werden, wer die Befähigung zum Richteramt (also das 2. juristische Staatsexamen) besitzt. Wirksam sind auch nach dem Beitritt der neuen Bundesländer nach dem Rechtsanwaltsgesetz vom 13. 9. 1990 erfolgte Zulassungen zur Rechtsanwaltschaft. Die Zulassung darf nur aus besonderen, gesetzlich geregelten Gründen versagt werden; eine Bedürfnisprüfung findet nicht statt (Grundsatz der »freien Advokatur«). Rechtsanwälte , die auf bestimmten Gebieten Spezialkenntnisse nachweisen können, dürfen nach Verleihung durch die Rechtsanwaltskammer die Bezeichnung Fachanwalt (zulässig für Arbeits-, Familien-, Insolvenz–, Sozial-, Steuer-, Straf-, Versicherungs– und Verwaltungsrecht) führen. In einigen Gebieten üben Rechtsanwälte zugleich das Amt des Notars (Anwaltsnotar) aus. Örtlich ist der Rechtsanwalt bei einem bestimmten Gericht der ordentlichen Gerichtsbarkeit zugelassen, in dessen Bezirk er seine Kanzlei errichten muss (»Lokalisierungsprinzip«). Unabhängig davon dürfen R. seit 1. 1. 2000 unter Aufhebung der früheren Zulassungsbeschränkungen nunmehr bundeseinheitlich in allen Bundesländern vor den dortigen Amts- und Landgerichten auftreten. Nur noch die Zulassung zu einem OLG und die ausschließliche Zulassung zum BGH sind an besondere Voraussetzungen gebunden. Wer an einem OLG zugelassen ist, kann auch an anderen OLG auftreten.

Das Rechtsverhältnis des Rechtsanwalts zu seinen Mandanten beruht auf einem Geschäftsbesorgungsvertrag. Zur Annahme eines Mandats ist ein Rechtsanwalt nicht verpflichtet. In bestimmten Fällen ist ihm die Annahme des Mandats verwehrt, besonders bei Interessenkollision oder wenn von ihm erwartet würde, seine Berufspflichten zu verletzen. Für seine Tätigkeit erhält der Rechtsanwalt eine Vergütung, die sich nach dem am 1. 7. 2004 in Kraft getretenen Rechtsanwaltsvergütungsgesetz richtet, das die Bundesgebührenverordnung für Rechtsanwälte (BRAGO) abgelöst hat (Rechtsanwaltsvergütung).

Organisation: Die Rechtsanwälte eines jeweiligen OLG-Bezirks gehören der Rechtsanwaltskammer, einer Körperschaft des öffentlichen Rechts, an; auf Bundesebene sind die Kammern zur Bundesrechtsanwaltskammer zusammengeschlossen.

Der Rechtsanwalt kann seinen Beruf allein, in einer Sozietät, einer Partnerschaftsgesellschaft, einer Rechtsanwaltsgesellschaft, einer Bürogemeinschaft oder als Angestellter ausüben. Er unterliegt keiner Dienst-, wohl aber einer Standesaufsicht in Form eines Rügerechts durch die Rechtsanwaltskammer sowie einer eigenen Berufsgerichtsbarkeit (Anwaltsgerichte). Das gesetzliche Berufsrecht der BRAO, besonders die Generalklausel des § 43, ist durch eine Berufsordnung ergänzt und präzisiert worden.

In den Mitgliedsstaaten der EG hat der Beruf des Rechtsanwalts nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) teil an der Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit (Art. 52, 60 EWG-Vertrag). Die Tätigkeit von Rechtsanwälten aus anderen Ländern der EG ist in den jeweiligen Mitgliedsstaaten zumeist nach Maßgabe der europarechtlichen Vorgaben gesetzlich geregelt. Im Rahmen vorübergehender Dienstleistungen können Rechtsanwälte aus anderen EG-Ländern in Deutschland uneingeschränkt rechtsberatend und -vertretend tätig werden.

Quelle: Duden Recht A-Z. Fachlexikon für Studium, Ausbildung und Beruf. 3. Aufl. Berlin: Bibliographisches Institut 2015. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

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