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Täter-Opfer-Ausgleich

die zunächst im Jugendstrafverfahren erfolgreich erprobte, dann seit 20. 12. 1999 in der StPO geschaffene Möglichkeit, dass der Straftäter nach der Tat zu einem Ausgleich mit dem Opfer kommt.

Durch die Konfrontation mit dem Opfer soll einerseits dem Täter sein Unrecht unmittelbar bewusst gemacht werden und seine Fähigkeit zum Mitleiden gefördert werden; andererseits kann die Versöhnung mit dem Täter auch dem Opfer bei der Verarbeitung der Tat helfen und Ängste abbauen.

Für den TOA geeignet sind v. a. Fälle, in denen es sich um Ersttäter handelt und durch die Tat ein individuelles Opfer geschädigt wurde. Taten mit schweren Schäden für das Opfer sind für den TOA ungeeignet. Verbrechen leichterer Art, wie z. B. der Handtaschenraub oder das räuberische Erpressen von Sachen geringeren Werts, können dem TOA durchaus zugeführt werden.

Im Bereich des Jugendstrafrechts ist der TOA in den Katalog der Weisungen (§ 10 Abs. 1 Satz 3 Nr. 7 Jugendgerichtsgesetz, JGG, Erziehungsmaßregeln) aufgenommen worden, doch hat diese Bestimmung keine Praxisrelevanz erreicht, weil das richtige Stadium für den freiwilligen TOA das noch nicht angeklagte Ermittlungsverfahren ist. Der TOA wird daher in geeigneten Fällen von der Staatsanwaltschaft – u. U. auf Anregung der Polizei, des Opfers, des Täters oder der Jugendgerichtshilfe – eingeleitet.

Einigen sich Täter und Opfer unter Leitung der TOA-Organisation (§ 155 b StPO) und scheint die erzielte Einigung der Staatsanwaltschaft akzeptabel, so wird das Ermittlungsverfahren im Erwachsenenstrafrecht nach § 153 a Abs. 1 Nr. 5 StPO und im Jugendstrafverfahren nach § 45 Abs. 2 JGG eingestellt.

Einen ersten Eingang in das Erwachsenenstrafrecht hat der TOA bereits durch den 1994 geschaffenen § 46 a StGB gefunden. Hier kann das Gericht die Strafe mildern (§ 49 StGB) oder bei einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen von Strafe ganz absehen, wenn der Täter seine Tat ganz oder zum überwiegenden Teil wiedergutgemacht hat oder dies ernsthaft erstrebt oder er das Opfer unter erheblichen persönlichen Leistungen oder persönlichem Verzicht entschädigt. Die Nichtberücksichtigung von TOA-Bemühungen des Angeklagten bei der Strafzumessung kann zur Revision des Strafurteils führen.

Quelle: Duden Recht A-Z. Fachlexikon für Studium, Ausbildung und Beruf. 3. Aufl. Berlin: Bibliographisches Institut 2015. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

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