Todesstrafe

die schwerste der Kriminalstrafen; ihre Berechtigung und Zweckmäßigkeit wurden bis zur Mitte des 18. Jh. im Allg. nicht bezweifelt. In der Praxis wurde die T. im 17. und 18. Jh. durch die aufkommende Freiheitsstrafe allmählich zurückgedrängt und nach und nach zu einer umstrittenen Institution. Während noch I. Kant (1724–1804) davon sprach, dass dem höchsten Verbrechen die höchste Strafe entsprechen müsse, formulierte G. W. F. Hegel (1770–1831) seine Bedenken in der Betrachtung, das primäre Empfinden bei einer Hinrichtung sei, dass einem Menschen sein Recht, sich für sein Leben zu wehren, entzogen sei. Zum entschiedenen Gegner der T. wurde C. Beccaria (1738–1794).

Das Für und Wider der Meinungen betrifft sowohl die Frage nach dem sittlichen Recht des Staates, das Leben eines Menschen um der Gesamtheit willen zu fordern, als auch die Frage, ob zum Schutz gegen schwerste Verbrechen die T. nötig und geeignet ist. Die Gegner der T. verneinen beide Fragen. Sie berufen sich auf die Möglichkeit und die nicht wenigen tatsächlichen Fälle eines nicht wieder gutzumachenden Justizirrtums, sie bestreiten besonders auch die abschreckende Wirkung der T., indem sie darauf hinweisen, dass in den Staaten, die die T. abgeschafft haben, die Mordkriminalität nicht nachweisbar zugenommen hat. Die Verteidiger der T. berufen sich darauf, dass nur die T. eine dem allgemeinen Gerechtigkeitsempfinden entsprechende Vergeltung schwerster Tötungsdelikte darstelle. Ferner sei die T. nicht nur das wirksamste Abschreckungsmittel, sondern gewährleiste auch allein eine Sicherung der Gesellschaft vor dem Täter.

In der Bundesrepublik Deutschland wurde die T. 1949 durch Art. 102 GG abgeschafft.



Zu den Staaten, in denen die T. häufig vollstreckt wird, gehören die meisten Bundesstaaten der USA (oftmals nach jahrelangem Verharren in der »Todeszelle«, Weißrussland sowie verschiedene Staaten Afrikas und Asiens (z. B. China, Iran).

Quelle: Duden Recht A-Z. Fachlexikon für Studium, Ausbildung und Beruf. 3. Aufl. Berlin: Bibliographisches Institut 2015. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

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