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Versuch

die Verwirklichung des Entschlusses, eine Straftat zu begehen, durch Handlungen, die einen Anfang der Ausführung (im Unterschied zur bloßen Vorbereitungshandlung) der Straftat bilden. Einen Anfang der Ausführung nimmt vor, wer nach seiner Vorstellung von der Tat unmittelbar zur Verwirklichung des Tatbestandes ansetzt (§ 22 StGB). Bei einem Verbrechen ist der V. stets strafbar, doch kann er milder bestraft werden als die vollendete Tat. Bei einem Vergehen ist der V. nur in den Fällen strafbar, in denen das Gesetz es ausdrücklich bestimmt (§ 23 Abs. 1 und 2 StGB).

Der freiwillige Rücktritt vom V. bewirkt Straflosigkeit (§ 24 StGB). Hat der Täter noch nicht alles getan, was aus seiner Sicht zur Herbeiführung des Erfolges nötig war (hat er z. B. die Pistole noch nicht abgedrückt), so genügt es zur Straflosigkeit, dass er die weitere Ausführung der Tat freiwillig aufgibt (unbeendeter V.). Hat er dagegen nach seiner Vorstellung alle zur Erfolgsherbeiführung erforderlichen Handlungen vorgenommen (z. B. die Zeitbombe schon gelegt), so wird er nur straffrei, wenn er tätige Reue übt, d. h. den Erfolg freiwillig verhindert (beendeter V.). Das Gesetz kennt etliche Sondervorschriften für die tätige Reue (z. B. §§ 31, 83 a, 129 Abs. 6, 239 a Abs. 4, 306 e, 314 a StGB). Sind an der Tat mehrere beteiligt, so wird wegen V. nicht bestraft, wer freiwillig die Vollendung verhindert. Zur Straflosigkeit genügt auch das freiwillige und ernsthafte Bemühen, die Vollendung der Tat zu verhindern, wenn sie ohne sein Zutun nicht vollendet oder unabhängig von seinem früheren Tatbeitrag begangen wird.

Beim untauglichen V. wird die Ausführungshandlung entweder mit untauglichen Mitteln unternommen (z. B. jemand betätigt in Tötungsabsicht ein ungeladenes Gewehr, das er für geladen hält) oder gegen ein untaugliches Objekt gerichtet (z. B. jemand versucht einen vermeintlich schlafenden Menschen zu töten, der kurz zuvor einem Herzschlag erlegen war). Der untaugliche V. ist generell strafbar, doch kann das Gericht die Strafe mildern oder von Strafe absehen, wenn der Täter aus grobem Unverstand verkannt hat, dass der V. nicht zur Vollendung kommen konnte (§ 23 Abs. 3 StGB).

Quelle: Duden Recht A-Z. Fachlexikon für Studium, Ausbildung und Beruf. 3. Aufl. Berlin: Bibliographisches Institut 2015. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

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