Vorkaufsrecht

das Recht, in einen von dem Verpflichteten mit einem Dritten abgeschlossenen Kaufvertrag über einen bestimmten Gegenstand zu den gleichen Bedingungen, die der Verpflichtete mit dem Dritten vereinbart hat, einzutreten. Das Vorkaufsrecht entsteht durch Vertrag zwischen dem, der es einräumt (dem Verpflichteten), und dem, der zum Vorkauf berechtigt sein soll. Der Vertrag unterliegt denselben Formerfordernissen wie ein Kaufvertrag über den betreffenden Gegenstand. Das Vorkaufsrecht kann dinglich (§§ 1094 ff. BGB) oder schuldrechtlich gestaltet werden (§§ 463 ff. BGB). Bei Letzterem besteht das Vorkaufsrecht nur gegenüber dem ursprünglich Verpflichteten. Das dingliche Vorkaufsrecht , dessen Begründung Eintragung im Grundbuch erfordert und das nur an Grundstücken und grundstücksgleichen Rechten (z. B. Erbbaurecht) möglich ist, kann dagegen so gestaltet werden, dass es für mehrere Verkaufsfälle gilt und gegenüber dem jeweiligen Eigentümer wirkt; es kann ferner auch zugunsten des jeweiligen Eigentümers eines anderen Grundstücks bestellt werden. Das Vorkaufsrecht wird durch Erklärung gegenüber dem Verpflichteten ausgeübt, der dem Berechtigten unverzüglich Abschluss und Inhalt des Kaufvertrags mit dem Dritten mitteilen muss; damit kommt der Kaufvertrag zwischen dem Berechtigten und dem Verpflichteten unter den Bedingungen zustande, die in dem von dem Verpflichteten mit dem Dritten abgeschlossenen Vertrag enthalten sind. – Gesetzliche Vorkaufsrechte kennt das Erbrecht zugunsten von Miterben, ferner das öffentliche Recht z. B. zugunsten von Siedlungsunternehmen (§§ 4 ff. Reichssiedlungsgesetz) und Gemeinden (§§ 24 ff. Baugesetzbuch).

Quelle: Duden Recht A-Z. Fachlexikon für Studium, Ausbildung und Beruf. 3. Aufl. Berlin: Bibliographisches Institut 2015. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

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