Wirtschaftskriminalität

Gesamtheit der Straftaten, die wirtschaftliche Bezüge aufweisen, weil der Täter seine wirtschaftlich-berufliche Stellung ausnutzt, Instrumente des Wirtschaftslebens missbraucht oder weil sich die Tat gegen überindividuelle Rechtsgüter des Wirtschaftslebens (staatliche Finanzwirtschaft, private Volkswirtschaft) richtet.

W. umfasst Straftaten aus dem sogenannten Nebenstrafrecht (u. a. Wettbewerbs-, Steuer-, Embargo-, Börsen-, Warenfälschungs-, Bilanz- und sonstige Buchführungsdelikte) und aus dem StGB (Wechsel- und Scheckdelikte, Insolvenzstraftaten, Kredit-, Subventions-, Kapitalanlagebetrug und weitere Fälle des Betrugs, der Untreue, der Bestechung sowie der Computerkriminalität, Abschreibungs- und Zertifikatsschwindel). Die polizeiliche Kriminalstatistik erfasst die amtlich bekannte W. mit wechselnden Definitionen und unvollständig, weil ein Teil der Wirtschaftsstraftaten unmittelbar von Schwerpunktstaatsanwaltschaften und Steuerbehörden verfolgt wird. Deshalb lassen sich Umfang, Struktur und Entwicklung der verfolgten W. mit der Polizeistatistik nicht exakt ermitteln.

Um sozialschädliches Verhalten des Wirtschaftslebens umfassender verfolgen zu können, wurden mit dem 1. (1976) und 2. (1986) Gesetz zur Bekämpfung der W. Gesetzeslücken im Wirtschaftsstrafrecht geschlossen und die Gesetze veränderter Realität angepasst. Neben Schwerpunktstaatsanwaltschaften wurden bei den Landgerichten Wirtschaftsstrafkammern gebildet, um die Effektivität bei der Aufklärung von Wirtschaftsdelikten zu steigern.

Quelle: Duden Recht A-Z. Fachlexikon für Studium, Ausbildung und Beruf. 3. Aufl. Berlin: Bibliographisches Institut 2015. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

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