Züchtigungsrecht

Recht zur Anwendung körperlicher Gewalt zur Bestrafung von Personen, die dem jeweiligen Herrschaftrecht unterworfen sind. Das BGB gestattete ursprünglich in § 1631 Abs. 2 dem Vater die Anwendung angemessener Zuchtmittel gegen das Kind. Diese Ermächtigung wurde 1957 durch das Gleichberechtigungsgesetz gestrichen, blieb jedoch als Gewohnheitsrecht gültig. Soweit das Züchtigungsrecht anerkannt wurde, wurde es nur Eltern und Personen mit elternähnlicher Funktion (Vormund, Pfleger usw.) zuerkannt. Lehrer und Lehrherren hatten und haben demgemäß kein Züchtigungsrecht mehr. Das Züchtigungsrecht rechtfertigte im Übrigen nur dann eine Körperverletzung, wenn es maßvoll und angemessen und mit erzieherischer Absicht angewendet wurde. Das Gesetz zur Ächtung der Gewalt in der Erziehung vom 2. 11. 2000 hat nunmehr dem elterlichen Züchtigungsrecht endgültig den Boden entzogen. § 1631 Abs. 2 hat jetzt folgende Fassung erhalten: »Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig«.

Quelle: Duden Recht A-Z. Fachlexikon für Studium, Ausbildung und Beruf. 3. Aufl. Berlin: Bibliographisches Institut 2015. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

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