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28.1.2016

Ausblick

Der Blick auf die Veränderungen der deutschen Bevölkerungsgeschichte drängen sich auch Fragen nach zukünftigen Entwicklungen auf. Nimmt das Wachstum weiter zu? Oder sinkt es? Welche gesellschaftlichen Folgen wird das haben? Dieses Kapitel gibt erste Ausblicke.

Die Ausführungen in diesem Kapitel haben gezeigt, dass sich in den beiden letzten Jahrhunderten umwälzende Transformationen der deutschen Bevölkerung und tiefgreifende Wandlungen von Haushalt und Familie ereignet haben. Ein stabiler Zustand bestand weder vor noch nach der demografischen Transition; diese selbst war mit einem außergewöhnlich raschen Bevölkerungswachstum im 19. und 20. Jahrhundert verbunden. Ende des 20. Jahrhunderts zeigte sich, dass dieser Prozess langsam an sein Ende gekommen war, und dass die Bevölkerung in Deutschland ohne positive Zuwanderung (oder Nettomigration) von ihrem Höchststand von etwas mehr als 80 Millionen wieder zurückgeht. Das Wachstum der Bevölkerung ist demnach nach oben begrenzt. Man kann sich mit Rostow[1]  fragen, ob dieser Great Population Spike in der bisherigen Menschheitsgeschichte einmalig war und wie die Entwicklung im 21. Jahrhundert weitergehen wird.

Eine Folge der demografischen Transition mit Sterblichkeits- und Geburtenrückgang ist eine Umschichtung der deutschen Gesellschaft von einer jüngeren und jungen zu einer älteren und alten. Dies stellt eine der größten jetzigen und zukünftigen Herausforderungen dar, da Wirtschaft und Gesellschaft sich in vielen ihrer Institutionen (Schulen, Krankenhäuser etc.) an diesen Wandel anpassen müssen. Eine erneute Anpassung wird nötig werden, wenn nach 2050 der Bevölkerungsaufbau sich einer stationären Bevölkerung annähert, mit kleinen, aber bis ins 50. und 60. Lebensjahr etwa gleich starken Alterskohorten.

Haushalt und Familie haben sich seit 1800 fundamental verändert, wobei die Änderungen für Haushalte stärker waren als für Familien. Man kann insgesamt sagen, dass in der Gegenwart "Haushalt" und "Familie" zusammengefallen sind, wogegen sie 1800 noch zwei völlig verschiedene Dinge waren. Die Kernfamilie war in der Vergangenheit nur – der zwar zentrale – Teil eines Haushalts, um den herum sich weitere Bestandteile anlagerten. Dies ist das Konzept des "ganzen Hauses", welches bei der damaligen sozialen und wirtschaftlichen Organisationsstufe die fundamentale soziale Einheit bildete. Haushalt und Familie sind heute kleine soziale Einheiten, welche nicht krisenbeständig sind, aber bei Funktionsproblemen durch ausgebaute wohlfahrtsstaatliche Instrumente aufgefangen werden können.
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Fußnoten

1.
Walt Whitman Rostow: The Great Population Spike and After: Reflections on the 21st Century, New York/Oxford 1998.

Franz Rothenbacher, Georg Fertig

Franz Rothenbacher

Dr., Mannheimer Zentrum für Europäische Sozial­forschung (MZES), Universität Mannheim - Bevölkerung, Haushalte und Familien


Georg Fertig

Prof. Dr., Institut für Geschichte, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg - Bevölkerung, Haushalte und Familien


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