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28.1.2016

Die Geldmenge und ihre Komponenten

Historische Zahlenreihen zeigen einen eindeutigen Trend: Auf der einen Seite sank die Menge des Bargeldes, auf der anderen Seite stieg die Bedeutung des Buchgeldes (und nimmt weiter zu). Diese Entwicklung steht auch für eine wachsende Präsenz der Banken in der deutschen Geldwirtschaft.

Abbildung 1: Jährliche Zuwachsraten der Geldmenge (M1) und des Bruttoinlandsprodukts (BIP) - in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Die hier beschriebenen Zeitreihen sollen die langfristige Entwicklung des Finanzsektors in Zusammenhang mit der Wirtschaftsentwicklung veranschaulichen. Abbildung 1 zeigt die Reihen zur Entwicklung der Geldmenge (M1), Abbildung 2 zeigt die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, also die Geldmenge im Verhältnis zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die Umlaufgeschwindigkeit gibt an, wie oft eine Geldeinheit pro Periode durchschnittlich zur Bezahlung von Gütern eingesetzt wird. (siehe Abb 1 und Abb 2)


Abbildung 2: Umlaufgeschwindigkeit (V) - BIP/M1, M2, M3 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Offensichtlich tendierte die Geldmenge, langfristig stärker zu wachsen als das Bruttoinlandsprodukt. Dahinter birgt sich allerdings Verschiedenes: zum einen eine mit dem langfristigen Wachstum einhergehende Verlängerung der Wertschöpfungskette – eine wachsende Zahl von Markttransaktionen, die Geldeinsatz voraussetzten aber von der Größe BIP nicht erfasst werden – und zum anderen eine mit dem Einkommen steigende Bereitschaft, Geld zu halten. Indirekt lässt sich an Abbildung 2 eine weitere langfristige Tendenz erkennen:

Abbildung 3: Anteile des Bargeldes und des Metallgeldes an M1 - in Pozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

der Wandel der Zusammensetzung der Geldmenge. Das Buchgeld nimmt zu und umfasst sogar ein wachsendes Spektrum von Finanzinstrumenten von Sichteinlagen (M1) über Sicht- und Spareinlagen (M2) zu Sicht-, Spar- und Geldfondseinlagen (M3). Nicht weniger wichtig im 19. Jahrhundert war allerdings die Schrumpfung des Anteils des Metall- und Bargeldes an der Gesamtgeldmenge (M1). Abbildung 3 zeigt diese Entwicklung auf. (siehe Abb 3)



Tabelle 1: Geldmenge und deren Komponenten Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Die Eindeutigkeit des Strukturwandels der Geldmenge lässt einige Ungenauigkeiten der Geldmengeschätzung (besonders für das Metallgeld im frühen 19. Jahrhundert) relativieren. Dieser Wandel hat auch eine weitere Konsequenz: Die wachsende Bedeutung des Buchgeldes im deutschen Geldumlauf reflektiert die wachsende Präsenz der Banken in der Geldwirtschaft. Es lohnt sich daher, die Entwicklung dieser Präsenz näher zu beschreiben. (siehe Tab 1)
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Richard Tilly

Richard Tilly

Professor emeritus Dr., Lehrstuhl für Wirtschafts- und ­Sozialgeschichte, Westfälische Wilhelms-Universität Münster - Geld und Kredit


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