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28.1.2016

Zentralnotenbankpolitik

Die Institution einer Zentralbank entwickelte sich in Deutschland erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ihr übergeordnetes Ziel: Die Bankenkreditgabe je nach Konjunkturlage zu bremsen oder zu fördern – und so die Währung zu stabilisieren.

Abbildung 7: M1 und Zentralbankgeld Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Seit Jahrzehnten haben in vielen Ländern die Zentralnotenbanken eine bedeutsame Rolle als Regulator und Stabilisator des Geld- und Kreditsystems gespielt. Im 19. Jahrhundert waren diese Institutionen in nur wenigen Ländern präsent. Für Deutschland werden erst in den 1860er Jahren bei der Preußischen Bank Ansätze eines Zentralbankverhaltens erkennbar, dann gegen Ende des Jahrhunderts bei der Reichsbank deutlicher – als Hüter der Gold- und Devisenreserven des Landes, Kontrolleur des Geldmarktes und Nothelfer in Krisenzeiten (Lender of Last Resort). An dieser Stelle kann allerdings der schwierige Nachweis dieses Zusammenhangs nicht versucht werden. Hier müssen die folgenden Hinweise genügen: In den beiden Kriegszeiten wurde die Reichsbank zum Diener der Staatsfinanzen umfunktioniert, was zweimal zur Entwertung der Währung führte. Im langfristigen Trend jedoch entwickelte sich das Zentralbankgeld im Gleichschritt mit der Geldschöpfung im Bankensystem insgesamt. Die Abbildung 7 zeigt beide Aspekte auf. (siehe Abb 7)

Tabelle 3: Zentralnotenbank (ZNB) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

In "normalen" Friedenszeiten (im 19. Jahrhundert und bis zur Wirtschaftskrise der 1930er Jahre) bestand Zentralbankpolitik aus Veränderungen des Diskontsatzes im Geldmarkt, wobei als Kriterien sowohl die Lage der Zahlungsbilanz als auch die Binnenwirtschaftskonjunktur dienten. Nach 1945 kamen weitere Instrumente hinzu, aber das Ziel, die Bankenkreditgabe je nach Konjunkturlage zu bremsen bzw. zu fördern, blieb dasselbe. Die relative Stabilität der deutschen Währung seit den 1950er Jahren ist unter anderem ein Erfolg der deutschen Zentralbankpolitik.[1] (siehe Tab 3)
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Fußnoten

1.
Zeitweise galt die Deutsche Bundesbank sogar als "Quasizentralbank" der EG und die D-Mark als ihre Leitwährung. Siehe die Beiträge in Deutsche Bundesbank (Hrsg.): 50 Jahre Deutsche Mark, Frankfurt a. M. 1998.

Richard Tilly

Richard Tilly

Professor emeritus Dr., Lehrstuhl für Wirtschafts- und ­Sozialgeschichte, Westfälische Wilhelms-Universität Münster - Geld und Kredit


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