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17.2.2016

Datengrundlage

Religiöse Verwurzelung ist statistisch kaum abbildbar. Formale Religionszugehörigkeit kann da schon besser nachvollzogen werden. Hierzu sind die Statistiken der Religionsgemeinschaften selber eine wichtige Quelle.

Religion ist statistisch schwer greifbar, da keine allseits akzeptierte Erhebung oder Erhebungsmethode zur Erfassung religiöser Zugehörigkeiten, Überzeugungen und Praktiken existiert. Die Quellenlage ist dementsprechend disparat. Am ehesten ist die Mitgliedschaft in religiösen Organisationen greifbar, wie sie von staatlicher Seite erhoben wurde. So sind für die beiden großen christlichen Konfessionen seit dem Kaiserreich die Daten der staatlichen Verwaltung eine wichtige Quelle.

Für Fragen des kirchlichen Lebens sind darüber hinaus – ohne zu verkennen, dass es sich um interessengeleitete Daten handelt und dies quellenkritisch zu würdigen [1] – die Selbstauskünfte der Religionsgemeinschaften unerlässlich (das "Kirchliche Jahrbuch" für die evangelische und das "Kirchliche Handbuch" für die katholische Seite, aber auch andere offizielle Publikationen [2]). Ergänzend wurden auch weitere, von verschiedenen kirchlichen Stellen betriebene Datensammlungen hinzugezogen.[3] Hinsichtlich der Studierendenzahlen wurde neben den Statistischen Jahrbüchern auch das Datenhandbuch zur deutschen Bildungsgeschichte genutzt.[4] Daten zur Produktion religiöser Literatur lieferten die Erhebungen des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler bzw. des Deutschen Buchhandels.

Für nichtchristliche Religionen wie den Islam, den Hinduismus und den Buddhismus, kleinere christliche Religionsgemeinschaften, alternative Formen von Religiosität oder auch Gruppen mit dezidiert atheistischer oder agnostischer Orientierung liegen oftmals keine oder nur unzureichende Zahlen vor. Um mittels einer Momentaufnahme wenigstens punktuell die religiöse Struktur auszuloten, wurde auf Daten des Zensus 2011, des Religionswissenschaftlichen Medien- und Informationsdienstes (REMID) in Marburg und eine im Auftrag des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge herausgegebene Studie zur Zahl der Muslime in Deutschland zurückgegriffen.[5]

Zum Weiterlesen empfohlen



Karl Gabriel: Zur Bedeutung der Religion für Gesellschaft und Lebensführung in Deutschland, in: Hans Günter Hockerts (Hrsg.): Koordinaten deutscher Geschichte in der Epoche des Ost-West-Konflikts, München 2004, S. 261– 276.

Karl Gabriel: Entkirchlichung und (neue) Religion, in: Thomas Raithel (Hrsg.): Auf dem Weg in eine neue Moderne? Die Bundesrepublik Deutschland in den siebziger und achtziger Jahren, München 2009, S. 99 –111.

Karl Gabriel/Christel Gärtner/Detlef Pollack (Hrsg.): Umstrittene Säkularisierung. Soziologische und historische Analysen zur Differenzierung von Religion und Politik, Berlin 2012.

Thomas Großbölting: Der verlorene Himmel. Glaube in Deutschland seit 1945, Göttingen 2013.

Thomas Großbölting/Klaus Große Kracht/Jan-Holger Kirsch (Hrsg.): Religion in der Bundesrepublik Deutschland (= Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History 7, Heft 3), Göttingen 2010.

Hubert Knoblauch: Populäre Religion. Auf dem Weg in eine spirituelle Gesellschaft, Frankfurt a.M. 2009.

Hugh McLeod: The Religious Crisis, New York 2008.

Gert Pickel/Kornelia Sammet (Hrsg.): Religion und Religiosität im vereinigten Deutschland. Zwanzig Jahre nach dem Umbruch, Wiesbaden 2011.

Detlef Pollack: Rückkehr des Religiösen?, Tübingen 2009.

Detlef Pollack/Gergely Rosta: Religion in der Moderne. Ein internationaler Vergleich, Frankfurt a.M. 2015.

Zweites Vatikanisches Konzil
Die Zusammenkunft von Verantwortlichen der katholischen Kirche vom 11. Oktober 1962 bis zum 8. Dezember 1965. Bedeutung erlangte das Konzil durch die Aktualisierung katholischer Positionen.
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Fußnoten

1.
Benjamin Ziemann: Katholische Kirche und Sozialwissenschaften 1945 –1975, Göttingen 2007, S. 36 –75.
2.
Verwendet wurden etwa die Statistischen Beilagen des Amtsblatts der Evangelischen Kirche in Deutschland.
3.
Paul Troschke: Evangelische Kirchenstatistik Deutschlands, Heft 8 /9: Kirchliche Statistik III. Die Äußerungen des kirchlichen Lebens, Berlin-Charlottenburg 1932; Franz Groner (Hrsg.): Kirchliches Handbuch. Amtliches statistisches Jahrbuch der katholischen Kirche Deutschlands, Bd. XXVI: 1962 –1968, Köln 1969.
4.
Hartmut Titze: Datenhandbuch zur deutschen Bildungsgeschichte: Das Hochschulstudium in Preußen und Deutschland 1820 –1944, Köln 1987.
5.
Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Zensus 2011. Ausgewählte Ergebnisse, Wiesbaden 2013, online unter www.destatis.de/DE/PresseService/ (6.1.2015). Von REMID wurden folgende Datensätze berücksichtigt: "Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften in Deutschland", "Kirchenmitgliedschaft in Deutschland", "Mitglieder jüdischer Gemeinden in Deutschland ab 1950", "Muslime in Deutschland". Sonja Haug u.a.: Muslimisches Leben in Deutschland, S. 11, online unter www.bmi.bund.de/cae/ (6.1.2015).

Thomas Großbölting

Thomas Großbölting

Prof. Dr., Historisches Seminar, Westfälische ­Wilhelms-Universität Münster - Religion


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