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counter 26.6.2020

Öffentlicher Schuldenstand EU-28

In Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), Europäische Union, 1996 bis 2019

Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Defizit/Überschuss, Schuldenstand des Staates und damit zusammenhängende Daten (Stand: 04/2020)
Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

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Die öffentlichen Schulden der EU-27 sanken zwischen 1996 und 2007 von 69,9 auf 58,2 Prozent des BIP. In den Jahren 2008 bis 2010 erhöhte sich infolge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise in allen EU-Staaten der Schuldenstand. Insgesamt stiegen in der EU-28 die Schulden in diesen zwei Jahren von 61,3 auf 79,6 Prozent des BIP und bis 2014 weiter auf 87,0 Prozent. Zwischen 2014 und 2019 ging der Schuldenstand EU-weit jedoch fünf Mal in Folge zurück – dabei war der Schuldenstand im Verhältnis zum BIP in 27 EU-Mitgliedstaaten rückläufig und lediglich in Frankreich nahm er moderat zu. Die Schuldenkrise in Europa ist damit jedoch noch nicht überstanden. Auf der Ebene der einzelnen Staaten waren die öffentlichen Schulden im Jahr 2019 in Griechenland besonders hoch (176,6 Prozent des BIP). Darauf folgten Italien (134,8 Prozent des BIP), Portugal (117,7 Prozent), Belgien (98,6 Prozent) und Frankreich (98,1 Prozent). Zudem wird die Corona-Pandemie erheblichen Einfluss auf die Entwicklung der Schuldenstände der Staaten haben, da diese zahlreiche Investitionen tätigen, um die ökonomischen Folgen der Krise zu mildern.

Fakten

Hinweis: Nach gegenwärtigem Stand wird die Corona-Pandemie erheblichen Einfluss auf die Entwicklung der Schuldenstände der EU-Mitgliedstaaten haben. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat im April 2020 eine Prognose zur Entwicklung der Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP veröffentlicht:
https://www.imf.org/external/datamapper/G_XWDG_G01_GDP_PT@FM/ADVEC/FM_EMG/FM_LIDC


In Artikel 126 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) ist festgelegt, dass die Mitgliedstaaten der EU übermäßige öffentliche Defizite vermeiden sollen. Dabei überprüft die Europäische Kommission die Entwicklung der Haushaltslage und die Höhe des öffentlichen Schuldenstands. Insbesondere zwei Kriterien stehen im Mittelpunkt der Überprüfung. Erstens darf das jährliche öffentliche Defizit nicht mehr als 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entsprechen. Zweitens darf der gesamte öffentliche Schuldenstand nicht mehr als 60 Prozent des BIP betragen. Allerdings bestehen für beide Kriterien Ausnahmen. So darf der öffentliche Schuldenstand mehr als 60 Prozent des BIP entsprechen, wenn er hinreichend rückläufig ist und sich rasch genug dem Referenzwert nähert.

Bezogen auf das BIP sanken die öffentlichen Schulden der EU-27 von 69,9 Prozent im Jahr 1996 auf 58,2 Prozent im Jahr 2007. Nachdem sich der Schuldenstand von 2007 auf 2008 leicht auf 61,4 Prozent des BIP erhöhte, stieg der entsprechende Wert – vor allem bedingt durch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise – auf 74,1 Prozent im Jahr 2009 bzw. 79,7 Prozent im Jahr 2010. Gegenüber dem Jahr 2008 war das auf EU-Ebene ein Plus von 18,3 Prozentpunkten. Auch wenn die Entwicklungen in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten unterschiedlich waren, hat sich der Schuldenstand In den Jahren 2008 bis 2010 in allen EU-Staaten erhöht. Am stärksten in Irland (+43,6 %-Punkte), Griechenland (+36,8 %-Punkte), Lettland (+29,5 %-Punkte), dem Vereinigten Königreich (+25,2 %-Punkte) und Portugal (+24,6 %-Punkte).

In den Folgejahren weitete sich die Schuldenkrise Europas weiter aus: Zwischen 2010 und 2014 erhöhte sich der Schuldenstand der EU-28 von 79,6 auf 87,0 Prozent des BIP – ein Plus von 7,4 Prozentpunkten. In diesem Zeitraum stiegen die öffentlichen Schulden in 23 der 28 EU-Staaten. Während in Zypern (+52,8 %-Punkte), Slowenien (+42,0 %-Punkte), Spanien (+40,2 %-Punkte) sowie Griechenland und Portugal (+32,7 %-Punkte) die Schuldenstände am stärksten stiegen, konnten Deutschland, Lettland, Malta, Ungarn und Polen ihre Schuldenlast relativ zum BIP verringern.

Seit 2014 ist der relative Schuldenstand der EU-28 fünf Mal in Folge gesunken. 2019 lag er bei 79,3 Prozent des BIP bzw. bei 13.054 Milliarden Euro. Dabei war der Schuldenstand im Verhältnis zum BIP in 27 EU-Mitgliedstaaten rückläufig und lediglich in Frankreich (+3,2 %-Punkte) nahm er moderat zu. Bezogen auf das BIP verringerten sich die Schuldenstände zwischen 2014 und 2019 am stärksten in Irland (-45,6 %-Punkte), Malta (-20,3 %-Punkte), den Niederlanden (-19,2 %-Punkte), Deutschland (-15,9 %-Punkte) und Portugal (-15,2 %-Punkte).

Trotz der positiven Entwicklung in den Jahren 2014 bis 2019 war die Schuldenkrise in Europa auch vor der Corona-Pandemie nicht überstanden: In Griechenland lag der öffentliche Schuldenstand im Jahr 2019 bei 176,6 Prozent des BIP – wobei der Wert ohne den Schuldenschnitt im Jahr 2012 noch höher läge (von 2011 auf 2012 reduzierte sich der Schuldenstand von 172,1 auf 159,6 Prozent des BIP bzw. um rund 51 Mrd. Euro). Die nächsthöheren Schuldenstände hatten im Jahr 2019 Italien (134,8 Prozent des BIP), Portugal (117,7 Prozent), Belgien (98,6 Prozent) und Frankreich (98,1 Prozent). Weitere sieben Staaten verfehlten die 60-Prozent-Marke ebenfalls – Spanien, Zypern, das Vereinigte Königreich, Kroatien, Österreich, Ungarn und Slowenien. In Deutschland entsprach der Schuldenstand 59,8 Prozent des BIP (2.053 Mrd. Euro) und lag damit das erste Mal seit 2002 unterhalb der 60-Prozent-Marke.

In Estland lag der Schuldenstand im Jahr 2019 bei lediglich 8,4 Prozent des BIP – der mit Abstand niedrigste Wert aller EU-Staaten. Darauf folgten Bulgarien (20,4 Prozent), Luxemburg (22,1 Prozent), Tschechien (30,8 Prozent) und Dänemark (33,2 Prozent). In Schweden, Rumänien, Litauen und Lettland lag der Schuldenstand zwischen 35,1 und 36,9 Prozent des jeweiligen BIP und damit weit unter dem Referenzwert von 60 Prozent.

Durch die Schuldenstände entstehen vor allem dann Probleme, wenn Staaten trotz hoher Schuldenquote zusätzliche Kredite aufnehmen. Laut der Deutschen Bundesbank gehören dazu "die potenzielle Verdrängung privater Investitionen, Unsicherheiten und Verzerrungen durch erwartete oder tatsächliche künftige Erhöhungen der Abgabenlast oder merkliche Risikoprämien auf den Kapitalmärkten infolge verstärkter Sorgen um die Zahlungsfähigkeit des Schuldners. Darüber hinaus dürfte bei hohen Schuldenquoten die Wirksamkeit gezielter kreditfinanzierter Maßnahmen zur Abwehr von besonders schweren Krisen zunehmend begrenzt sein. Zudem erhöht sich die Gefahr von Konflikten zwischen Finanz- und Geldpolitik, die gravierende gesamtwirtschaftliche Kosten zur Folge haben, während umgekehrt solide Staatsfinanzen eine stabilitätsorientierte Geldpolitik erleichtern" (Deutsche Bundesbank: Monatsbericht April 2010). Weiter führt die Staatsverschuldung zu Zinsausgaben und damit zu einer Verengung des staatlichen Handlungsspielraums.

Datenquelle

Eurostat: Online-Datenbank: Defizit/Überschuss, Schuldenstand des Staates und damit zusammenhängende Daten (Stand: 04/2020), abweichende Quelle bei: Europäische Union (EU-27) und Dänemark bis einschließlich 1999: Eurostat: Online-Datenbank: Defizit/Überschuss, Schuldenstand des Staates und damit zusammenhängende Daten [gov_dd_edpt1] (Stand: 07/2013); Amtsblatt der Europäischen Union: Konsolidierte Fassung des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (26. Oktober 2012); Deutsche Bundesbank: Monatsbericht April 2010; Statistische Bundesamt: www.destatis.de

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Informationen zum öffentlichen Finanzierungssaldo erhalten Sie hier...

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst den Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen (Wertschöpfung), soweit diese nicht als Vorleistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden. Das BIP ist gegenwärtig das wichtigste gesamtwirtschaftliche Produktionsmaß.

Als EU-27 werden die Staaten bezeichnet, die vom 1. Januar 2007 bis zum 1. Juli 2013 die EU bildeten: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Vereinigtes Königreich und Zypern. Diese Bezeichnung wird auch verwendet, wenn Daten dieser Staatengruppe vor oder nach dieser Zeit betrachtet werden. Zur EU-28 gehört neben der EU-27 (2007-2013) noch Kroatien (Beitritt am 01.07.2013). Die EU-27 (ab 2020) bezieht sich auf die Zeit nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU-28 ("Brexit").

Euroraum (19 Länder): Belgien, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Portugal, Slowakei, Slowenien, Spanien und Zypern.

Weitere Informationen zur Entwicklung des Euroraums erhalten Sie hier…

Öffentlicher Schuldenstand

In Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), Mitgliedstaaten der Europäischen Union, 1995 bis 2019

2010 2011 2012 2014 2016 2018 2019
EU-27 (ab 2020) 80,5 81,8 84,7 86,6 84,0 79,6 77,8
Europäische Union
(EU-28)
79,6 82,0 84,4 87,0 83,8 80,4 79,3
EU-27 (2007-2013) 79,7 82,1 84,4 87,0 83,8 80,4 79,4
Euroraum
(19 Länder)
85,8 87,7 90,7 92,8 90,0 85,8 84,1
Belgien 100,3 103,5 104,8 107,0 104,9 99,8 98,6
Bulgarien 15,4 15,2 16,7 27,1 29,3 22,3 20,4
Tschechien 37,4 39,8 44,5 42,2 36,8 32,6 30,8
Dänemark 42,6 46,1 44,9 44,3 37,2 33,9 33,2
Deutschland 82,4 79,8 81,1 75,7 69,2 61,9 59,8
Estland 6,6 6,1 9,8 10,6 10,2 8,4 8,4
Irland 86,0 111,1 119,9 104,4 73,8 63,5 58,8
Griechenland 146,2 172,1 159,6 178,9 178,5 181,2 176,6
Spanien 60,5 69,9 86,3 100,7 99,2 97,6 95,5
Frankreich 85,3 87,8 90,6 94,9 98,0 98,1 98,1
Kroatien 57,8 64,4 70,1 84,7 80,8 74,7 73,2
Italien 119,2 119,7 126,5 135,4 134,8 134,8 134,8
Zypern 56,4 65,9 80,3 109,2 103,4 100,6 95,5
Lettland 48,1 43,9 42,4 41,6 40,9 37,2 36,9
Litauen 36,3 37,2 39,8 40,6 39,7 33,8 36,3
Luxemburg 20,2 19,0 22,0 22,7 20,1 21,0 22,1
Ungarn 80,6 80,8 78,6 76,8 75,5 70,2 66,3
Malta 67,5 70,2 67,8 63,4 55,5 45,6 43,1
Niederlande 59,2 61,7 66,2 67,8 61,9 52,4 48,6
Österreich 82,7 82,4 81,9 84,0 82,9 74,0 70,4
Polen 53,5 54,5 54,1 50,8 54,3 48,8 46,0
Portugal 100,2 114,4 129,0 132,9 131,5 122,0 117,7
Rumänien 29,6 34,0 37,0 39,2 37,3 34,7 35,2
Slowenien 38,3 46,5 53,6 80,3 78,7 70,4 66,1
Slowakei 41,0 43,5 51,8 53,5 52,0 49,4 48,0
Finnland 46,9 48,3 53,6 59,8 63,2 59,6 59,4
Schweden 38,1 37,3 37,6 45,1 42,2 38,8 35,1
Vereinigtes
Königreich
74,6 80,1 83,2 86,2 86,8 85,7 85,4
1995 1998 1 2001 2004 2007 2008 2009
EU-27 (ab 2020) 65,5 66,9 62,2 64,9 75,7
Europäische Union
(EU-28)
59,9 61,7 58,1 61,3 74,0
EU-27 (2007-2013) 66,4 59,9 61,7 58,2 61,4 74,1
Euroraum
(19 Länder)
71,4 72,6 68,0 69,6 65,9 69,6 80,2
Belgien 131,3 119,2 108,2 97,2 87,3 93,2 100,2
Bulgarien 67,5 64,5 35,7 16,3 13,0 13,7
Tschechien 13,7 14,0 22,8 28,5 27,5 28,3 33,6
Dänemark 72,6 61,4 48,5 44,2 27,3 33,3 40,2
Deutschland 54,9 59,5 57,9 65,0 64,0 65,5 73,0
Estland 8,0 5,9 4,8 5,1 3,8 4,5 7,2
Irland 78,5 51,5 33,2 28,2 23,9 42,4 61,5
Griechenland 99,0 97,4 107,1 102,9 103,1 109,4 126,7
Spanien 61,5 62,3 54,0 45,4 35,8 39,7 53,3
Frankreich 56,1 61,3 58,3 65,9 64,5 68,8 83,0
Kroatien 22,6 22,8 36,7 40,3 37,4 39,3 48,7
Italien 119,4 114,1 108,9 105,1 103,9 106,2 116,6
Zypern 49,0 55,7 57,3 64,8 54,0 45,6 54,3
Lettland 13,9 9,0 13,9 14,7 8,5 18,6 36,9
Litauen 11,5 16,5 22,9 18,7 15,9 14,6 28,0
Luxemburg 9,8 9,1 7,7 7,9 8,2 15,4 16,1
Ungarn 84,1 60,5 52,3 58,9 65,7 71,8 78,2
Malta 34,4 51,2 65,2 71,9 62,3 62,6 67,6
Niederlande 73,1 62,7 49,4 50,3 43,0 54,7 56,8
Österreich 68,3 63,9 66,7 65,2 65,0 68,7 79,9
Polen 47,6 38,4 37,3 45,1 44,5 46,7 49,8
Portugal 62,2 55,6 57,4 67,1 72,7 75,6 87,8
Rumänien 6,6 16,8 25,9 18,9 11,9 12,3 21,8
Slowenien 18,2 22,7 26,1 26,9 22,8 21,8 34,5
Slowakei 21,6 33,9 51,1 41,7 30,3 28,6 36,4
Finnland 55,2 46,8 40,9 42,6 33,9 32,6 41,5
Schweden 69,2 66,3 52,2 48,8 39,2 37,7 40,9
Vereinigtes
Königreich
44,5 41,0 34,0 38,4 41,5 49,4 63,3

1 öffentlicher Schuldenstand entspricht Bruttoschuld des Staates (konsolidiert). Abweichende Quelle bei: Europäische Union (EU-27) und Dänemark bis einschließlich 1999: Eurostat: Online-Datenbank: Defizit/Überschuss, Schuldenstand des Staates und damit zusammenhängende Daten [gov_dd_edpt1] (Stand: 07/2013).


Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Defizit/Überschuss, Schuldenstand des Staates und damit zusammenhängende Daten (Stand: 04/2020)

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