zurück 
counter 7.7.2019

Öffentlicher Schuldenstand EU-28

In Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), Europäische Union, 1996 bis 2018

Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Defizit/Überschuss, Schuldenstand des Staates und damit zusammenhängende Daten (Stand: 04/2019)
Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Mehr Infos in der WWW-Version

Die öffentlichen Schulden der EU-27 sanken zwischen 1996 und 2007 von 69,9 auf 57,6 Prozent des BIP. In den Jahren 2008 bis 2010 erhöhte sich infolge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise in allen EU-Staaten der Schuldenstand. Insgesamt stiegen in der EU-28 die Schulden in dieser Zeit von 60,7 auf 79,0 Prozent des BIP und bis 2014 weiter auf 86,6 Prozent. Zwischen 2014 und 2018 ging der Schuldenstand EU-weit jedoch viermal in Folge zurück – dabei war der Schuldenstand im Verhältnis zum BIP in 25 Mitgliedstaaten rückläufig und in drei nahm er moderat zu. Die Schuldenkrise in Europa ist damit jedoch noch nicht überstanden. Auf der Ebene der einzelnen Staaten waren die öffentlichen Schulden im Jahr 2018 in Griechenland besonders hoch (181,1 Prozent des BIP). Darauf folgten Italien (132,2 Prozent des BIP), Portugal (121,5 Prozent), Zypern (102,5 Prozent), Belgien (102,0 Prozent) und Frankreich (98,4 Prozent).

Fakten



In Artikel 126 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) ist festgelegt, dass die Mitgliedstaaten der EU übermäßige öffentliche Defizite vermeiden sollen. Dabei überprüft die Europäische Kommission die Entwicklung der Haushaltslage und die Höhe des öffentlichen Schuldenstands. Insbesondere zwei Kriterien stehen im Mittelpunkt der Überprüfung. Erstens darf das jährliche öffentliche Defizit nicht mehr als 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entsprechen. Zweitens darf der gesamte öffentliche Schuldenstand nicht mehr als 60 Prozent des BIP betragen. Allerdings bestehen für beide Kriterien Ausnahmen. So darf der öffentliche Schuldenstand mehr als 60 Prozent des BIP entsprechen, wenn er hinreichend rückläufig ist und sich rasch genug dem Referenzwert nähert.

Bezogen auf das BIP sanken die öffentlichen Schulden der EU-27 von 69,9 Prozent im Jahr 1996 auf 57,6 Prozent im Jahr 2007. Nachdem sich der Schuldenstand von 2007 auf 2008 leicht auf 60,8 Prozent des BIP erhöhte, stieg der entsprechende Wert – vor allem bedingt durch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise – auf 73,4 Prozent im Jahr 2009 bzw. 79,1 Prozent 2010. In den Folgejahren weitete sich die Schuldenkrise Europas weiter aus: Zwischen 2010 und 2014 erhöhte sich der Schuldenstand der EU-28 von 79,0 auf 86,6 Prozent des BIP. Seitdem ist er jedoch viermal gesunken und lag 2018 bei 80,0 Prozent des BIP (12.715 Milliarden Euro). In den 19 Ländern des Euroraums entsprach der Schuldenstand 2018 85,1 Prozent des BIP (9.860 Mrd. Euro).

In Griechenland lag der öffentliche Schuldenstand im Jahr 2018 bei 181,1 Prozent des BIP – wobei der Wert ohne den Schuldenschnitt im Jahr 2012 noch höher läge (von 2011 auf 2012 reduzierte sich der Schuldenstand von 172,1 auf 159,6 Prozent des BIP bzw. um rund 51 Mrd. Euro). Die nächsthöheren Schuldenstände hatten im Jahr 2018 Italien (132,2 Prozent des BIP), Portugal (121,5 Prozent), Zypern (102,5 Prozent), Belgien (102,0 Prozent), Frankreich (98,4 Prozent) und Spanien (97,1 Prozent). Weitere sieben Staaten verfehlten die 60-Prozent-Marke ebenfalls – das Vereinigte Königreich, Kroatien, Österreich, Ungarn, Slowenien, Irland und Deutschland. In Deutschland entsprach dabei der Schuldenstand 60,9 Prozent des BIP (2.063 Mrd. Euro).

In Estland lag der Schuldenstand im Jahr 2018 bei lediglich 8,4 Prozent des BIP – der mit Abstand niedrigste Wert aller EU-Staaten. Darauf folgten Luxemburg (21,4 Prozent), Bulgarien (22,6 Prozent), Tschechien (32,7 Prozent), Dänemark (34,1 Prozent) und Litauen (34,2 Prozent). In Rumänien, Lettland und Schweden lag der Schuldenstand zwischen 35,0 und 38,8 Prozent des jeweiligen BIP und damit weit unter dem Referenzwert von 60 Prozent.

Nach der Schuldenreduzierung im Zeitraum 1996 bis 2007 führte vor allem die globale Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 dazu, dass sich der Schuldenstand von 2008 bis 2010 in allen EU-Staaten erhöhte. EU-28-weit stiegen die Schulden – im Verhältnis zum BIP – in nur zwei Jahren um 30,1 Prozent. Dabei hat sich der relative Schuldenstand in Lettland (plus 159,9 Prozent), Litauen (plus 147,9 Prozent), Rumänien (plus 140,3 Prozent) sowie Irland (plus 102,8 Prozent) mehr als verdoppelt. In Slowenien stieg er um 76,1 Prozent. In Spanien, dem Vereinigten Königreich, Kroatien sowie Estland erhöhte sich der Schuldenstand im Verhältnis zum BIP zwischen 2008 und 2010 um etwa die Hälfte. In Deutschland entsprach der Schuldenstand 2008 65,2 Prozent des BIP, 2010 waren es 81,8 Prozent – das entspricht einem Plus von 25,5 Prozent. Auch zwischen 2010 und 2014 ist der relative Schuldenstand der EU-28 gestiegen – mit 9,6 Prozent im gesamten Zeitraum allerdings deutlich langsamer als in den Jahren 2008 bis 2010 (plus 30,1 Prozent). In lediglich fünf EU-Staaten reduzierte sich der Schuldenstand in den Jahren 2010 bis 2014 – darunter auch Deutschland (minus 7,9 Prozent).

Im Verhältnis zum BIP ging der Schuldenstand EU-weit zwischen 2014 und 2018 viermal in Folge zurück. Dabei war der Schuldenstand in 25 EU-Mitgliedstaaten rückläufig – am stärksten in Irland (minus 37,8 Prozent), Malta (minus 27,4 Prozent), Dänemark (minus 23 Prozent), den Niederlanden (minus 22,8 Prozent), Tschechien (minus 22,5 Prozent), Estland (minus 20 Prozent) und Deutschland (minus 19,1 Prozent). Lediglich in Frankreich (plus 3,7 Prozent), Griechenland (plus 1,2 Prozent) und Italien (plus 0,3 Prozent) erhöhte sich der Schuldenstand zwischen 2014 und 2018.

Durch die Schuldenstände entstehen vor allem dann Probleme, wenn Staaten trotz hoher Schuldenquote zusätzliche Kredite aufnehmen. Laut der Deutschen Bundesbank gehören dazu "die potenzielle Verdrängung privater Investitionen, Unsicherheiten und Verzerrungen durch erwartete oder tatsächliche künftige Erhöhungen der Abgabenlast oder merkliche Risikoprämien auf den Kapitalmärkten infolge verstärkter Sorgen um die Zahlungsfähigkeit des Schuldners. Darüber hinaus dürfte bei hohen Schuldenquoten die Wirksamkeit gezielter kreditfinanzierter Maßnahmen zur Abwehr von besonders schweren Krisen zunehmend begrenzt sein. Zudem erhöht sich die Gefahr von Konflikten zwischen Finanz- und Geldpolitik, die gravierende gesamtwirtschaftliche Kosten zur Folge haben, während umgekehrt solide Staatsfinanzen eine stabilitätsorientierte Geldpolitik erleichtern" (Deutsche Bundesbank: Monatsbericht April 2010). Weiter führt die gestiegene Staatsverschuldung zu einer Erhöhung der Zinsausgaben und damit zu einer Verengung des staatlichen Handlungsspielraums. Beispielsweise lagen die Zinsausgaben in Deutschland (Bund, Länder, Gemeinden und Gemeindeverbände, Sozialversicherung) im Jahr 2018 bei 40,2 Milliarden Euro. Bei bereinigten Ausgaben von insgesamt 1.429 Milliarden Euro entsprach das 2,8 Prozent (2010: 5,7 Prozent).

Datenquelle

Eurostat: Online-Datenbank: Defizit/Überschuss, Schuldenstand des Staates und damit zusammenhängende Daten (Stand: 04/2019), abweichende Quelle bei: Europäische Union (EU-27) und Dänemark bis einschließlich 1999: Eurostat: Online-Datenbank: Defizit/Überschuss, Schuldenstand des Staates und damit zusammenhängende Daten [gov_dd_edpt1] (Stand: 07/2013), abweichende Quelle bei: Luxemburg bis einschließlich 1999: Eurostat: Online-Datenbank: Defizit/Überschuss, Schuldenstand des Staates und damit zusammenhängende Daten (Stand: 04/2018); Amtsblatt der Europäischen Union: Konsolidierte Fassung des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (26. Oktober 2012); Deutsche Bundesbank: Monatsbericht April 2010; Statistische Bundesamt: www.destatis.de

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Informationen zum öffentlichen Finanzierungssaldo erhalten Sie hier...

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst den Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen (Wertschöpfung), soweit diese nicht als Vorleistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden. Das BIP ist gegenwärtig das wichtigste gesamtwirtschaftliche Produktionsmaß.

Als EU-27 werden die Staaten bezeichnet, die vom 1. Januar 2007 bis zum 1. Juli 2013 die EU bildeten: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Vereinigtes Königreich und Zypern. Diese Bezeichnung wird auch verwendet, wenn Daten dieser Staatengruppe vor oder nach dieser Zeit betrachtet werden.
EU-28: EU-27 plus Kroatien (Beitritt am 01.07.2013)

Euroraum (19 Länder): Belgien, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Portugal, Slowakei, Slowenien, Spanien und Zypern.

Weitere Informationen zur Entwicklung des Euroraums erhalten Sie hier…

Öffentlicher Schuldenstand

In Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), Mitgliedstaaten der Europäischen Union, 1995 bis 2018

2008 2009 2010 2012 2014 2016 2018
Europäische Union
(EU-28)
60,7 73,3 79,0 84,0 86,6 83,4 80,0
Europäische Union
(EU-27)
60,8 73,4 79,1 84,0 86,6 83,4 80,1
Euroraum
(19 Länder)
68,7 79,2 84,8 89,9 92,0 89,2 85,1
Griechenland 109,4 126,7 146,2 159,6 178,9 178,5 181,1
Italien 102,4 112,5 115,4 123,4 131,8 131,4 132,2
Portugal 71,7 83,6 96,2 126,2 130,6 129,2 121,5
Zypern 45,6 54,3 56,8 80,1 108,0 105,5 102,5
Belgien 92,5 99,5 99,7 104,3 107,5 106,1 102,0
Frankreich 68,8 83,0 85,3 90,6 94,9 98,0 98,4
Spanien 39,5 52,8 60,1 85,7 100,4 99,0 97,1
Vereinigtes
Königreich
49,7 63,7 75,2 84,1 87,0 87,9 86,8
Kroatien 39,0 48,3 57,3 69,5 84,0 80,5 74,6
Österreich 68,7 79,9 82,7 81,9 84,0 83,0 73,8
Ungarn 71,6 77,8 80,2 78,4 76,7 76,0 70,8
Slowenien 21,8 34,6 38,4 53,8 80,4 78,7 70,1
Irland 42,4 61,5 86,0 119,9 104,1 73,5 64,8
Deutschland 65,2 72,6 81,8 80,7 75,3 68,5 60,9
Finnland 32,7 41,7 47,1 53,9 60,2 63,0 58,9
Niederlande 54,7 56,8 59,3 66,2 67,9 61,9 52,4
Slowakei 28,5 36,3 41,2 52,2 53,5 51,8 48,9
Polen 46,3 49,4 53,1 53,7 50,4 54,2 48,9
Malta 62,6 67,6 67,5 67,7 63,4 55,5 46,0
Schweden 37,7 41,3 38,6 38,1 45,5 42,4 38,8
Lettland 18,2 36,3 47,3 41,6 40,9 40,3 35,9
Rumänien 12,4 21,9 29,8 37,0 39,2 37,3 35,0
Litauen 14,6 28,0 36,2 39,8 40,5 40,0 34,2
Dänemark 33,3 40,2 42,6 44,9 44,3 37,2 34,1
Tschechien 28,3 33,6 37,4 44,5 42,2 36,8 32,7
Bulgarien 13,0 13,7 15,3 16,7 27,1 29,6 22,6
Luxemburg 14,9 15,7 19,8 22,0 22,7 20,7 21,4
Estland 4,5 7,0 6,6 9,7 10,5 9,2 8,4
1995 1997 1999 1 2001 2003 2005 2007
Europäische Union
(EU-28)
59,3 60,4 61,5 57,5
Europäische Union
(EU-27)
68,3 65,8 59,4 60,4 61,6 57,6
Euroraum
(19 Länder)
70,9 72,3 70,7 67,1 68,2 69,3 65,0
Griechenland 99,0 99,5 98,9 107,1 101,5 107,4 103,1
Italien 116,9 113,8 109,7 104,7 100,5 101,9 99,8
Portugal 58,3 55,2 51,0 53,4 58,7 67,4 68,4
Zypern 49,0 54,1 55,8 57,3 63,8 63,4 54,0
Belgien 130,5 123,2 114,4 107,6 101,1 94,7 87,0
Frankreich 56,1 61,4 60,5 58,3 64,4 67,4 64,5
Spanien 61,7 64,4 60,9 54,2 47,6 42,3 35,6
Vereinigtes
Königreich
44,7 43,4 39,8 34,3 35,6 39,8 41,7
Kroatien 22,6 24,9 29,1 36,5 38,1 41,2 37,3
Österreich 68,3 63,5 66,7 66,7 65,9 68,6 65,0
Ungarn 84,0 62,0 59,9 51,9 57,9 60,5 65,5
Slowenien 18,3 22,1 23,7 26,1 26,7 26,3 22,8
Irland 78,5 61,6 46,6 33,2 29,9 26,1 23,9
Deutschland 54,8 58,7 60,0 57,7 63,1 67,0 63,7
Finnland 55,1 52,2 44,1 41,0 42,8 40,0 34,0
Niederlande 73,1 65,8 58,6 49,5 50,0 49,8 43,0
Slowakei 21,7 33,0 47,1 48,3 41,6 34,1 30,1
Polen 47,6 42,3 39,0 37,3 46,6 46,4 44,2
Malta 34,4 46,6 62,1 65,2 69,0 70,0 62,3
Schweden 69,5 67,5 61,2 52,2 49,7 49,1 39,2
Lettland 13,9 10,6 12,1 13,8 13,7 11,4 8,0
Rumänien 6,6 15,1 21,7 25,9 22,1 15,9 12,0
Litauen 11,5 15,4 22,7 22,9 20,4 17,6 15,9
Dänemark 72,6 65,4 58,1 48,5 46,2 37,4 27,3
Tschechien 13,7 12,3 15,3 22,8 28,3 27,9 27,5
Bulgarien 97,1 75,9 65,0 43,7 26,8 16,3
Luxemburg 9,6 9,3 7,8 7,3 6,9 7,4 7,7
Estland 8,2 7,0 6,5 4,8 5,6 4,5 3,7

1 öffentlicher Schuldenstand entspricht Bruttoschuld des Staates (konsolidiert). Abweichende Quelle bei: Europäische Union (EU-27) und Dänemark bis einschließlich 1999: Eurostat: Online-Datenbank: Defizit/Überschuss, Schuldenstand des Staates und damit zusammenhängende Daten [gov_dd_edpt1] (Stand: 07/2013) sowie Luxemburg 1995 bis 1999 (Stand: 04/2018)


Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Defizit/Überschuss, Schuldenstand des Staates und damit zusammenhängende Daten (Stand: 04/2019)

Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.

Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln