zurück 
counter 26.11.2019

Armutsgefährdungsquote

Armutsgefährdungsquote vor und nach Sozialleistungen in Prozent, Deutschland, 2017

Quelle: Statistisches Bundesamt: Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC)
Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Mehr Infos in der WWW-Version

Im Jahr 2017 galt rund jede sechste Person in Deutschland als armutsgefährdet: 16,0 Prozent der Bevölkerung bezogen ein Einkommen, das weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens entsprach. Ohne die umverteilende Wirkung von Sozialleistungen wäre sogar knapp jede vierte Person in Deutschland armutsgefährdet. Überdurchschnittlich häufig sind Arbeitslose betroffen – sieben von zehn waren 2017 armutsgefährdet. Ebenso besteht bei Alleinlebenden und Alleinerziehenden ein erhöhtes Armutsrisiko – jeweils etwa ein Drittel dieser Personen galten 2017 als armutsgefährdet.

Fakten

Im Einkommensbezugsjahr 2017 waren in Deutschland 16,0 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet (2007: 15,2 Prozent / 2014: 16,7 Prozent). Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bzw. Ergebnissen der Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC) lag dabei der Schwellenwert für Armutsgefährdung in Deutschland für Alleinlebende bei 13.628 Euro pro Jahr. Zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren waren armutsgefährdet, wenn sie zusammen und nach Einbeziehung staatlicher Transferleistungen ein Einkommen von weniger als 28.618 Euro pro Jahr zur Verfügung hatten.

Wie in den vorangehenden Jahren war die Armutsgefährdungsquote der Männer auch im Jahr 2017 etwas niedriger als die der Frauen (15,2 gegenüber 16,8 Prozent). Mit Ausnahme des Jahres 2009 sind die Unterschiede zwischen den Altersgruppen seit 2007 nicht auffallend groß. Im Jahr 2017 lag die Armutsgefährdungsquote der unter 18-Jährigen mit 14,5 Prozent lediglich 3,7 Prozentpunkte unter der der 65-Jährigen und Älteren (18,2 Prozent). Die Quote der 18- bis unter 65-Jährigen lag bei 15,7 Prozent.

Am stärksten erhöht Arbeitslosigkeit die Armutsgefährdung. 2017 waren wie schon 2009 bis 2016 mehr als zwei Drittel aller Arbeitslosen in Deutschland armutsgefährdet (69,3 Prozent). 2007 lag der entsprechende Wert noch bei 56,8 und 2008 bei 61,9 Prozent. Bei den Erwerbstätigen waren im Jahr 2017 lediglich 9,1 Prozent von Armut betroffen – also jeder Elfte. Die Armutsgefährdung von Personen im Ruhestand lag mit 18,7 Prozent leicht über dem Wert der Gesamtbevölkerung.

Auch der Bildungsabschluss hat Auswirkungen auf die Armutsgefährdung. So lebten im Jahr 2017 lediglich 9,6 Prozent der Personen mit einem hohen Bildungsstand in Armut (Bildungsstand nach der Klassifikation ISCED – International Standard Classification of Education). Bei Personen mit einem mittleren Bildungsstand waren es im selben Jahr 16,2 Prozent. Schließlich lag die Armutsgefährdungsquote der Personen mit niedrigem Bildungsstand bei 30,5 Prozent. Der Zusammenhang zwischen niedrigem Bildungsstand und hohem Armutsrisiko wurde bisher in allen Erhebungsjahren festgestellt.

Im Jahr 2017 waren 33,8 Prozent aller Personen in Haushalten von Alleinerziehenden armutsgefährdet. In den Jahren 2007 bis 2016 lag der Wert zwischen 29,4 Prozent (2013) und 43,0 Prozent (2009). Und auch bei Alleinlebenden ist das Armutsrisiko – mit 30,4 Prozent im Jahr 2017 – auffallend hoch. Hingegen waren im Jahr 2017 in Haushalten von zwei Erwachsenen mit zwei Kindern lediglich 8,1 Prozent der Personen armutsgefährdet.

Wird die Umverteilungswirkung von Sozialleistungen nicht berücksichtigt, erhöht sich die Armutsgefährdungsquote der Gesamtbevölkerung auf 24,0 Prozent im Jahr 2017. Bei den unter 18-Jährigen war die Armutsgefährdungsquote vor Sozialleistungen dabei mehr als doppelt so hoch wie danach (31,1 gegenüber 14,5 Prozent). Bei Personen, die 65 Jahre oder älter waren, lag die Armutsgefährdungsquote vor Sozialleistungen hingegen nur einen Prozentpunkt höher als die Quote nach Sozialleistungen (19,2 gegenüber 18,2 Prozent).

Bei allen Armutsrisikoquoten ist zu beachten, dass diese keine Erkenntnis darüber liefern, wie weit das Einkommen der armutsgefährdeten Bevölkerung unter der Armutsrisikoschwelle liegt. Diesen Aspekt berücksichtigt die sogenannte relative Armutslücke: Nach der Statistik EU-SILC lag im Einkommensbezugsjahr 2017 der Median der Nettoäquivalenzeinkommen der armutsgefährdeten Personen 22,0 Prozent unter dem Schwellenwert für die Armutsgefährdung.

Wird die finanzielle Situation der privaten Haushalte in Deutschland betrachtet, so wurde 2018 von 13,1 Prozent der Haushalte angegeben, dass die Wohnkosten im Jahr 2017 eine große Belastung waren (2007: 23,8 Prozent / 2011: 19,2 Prozent). Unerwartete Ausgaben (mindestens 1.000 Euro) aus eigenen Mitteln zu bestreiten, stellte für deutlich mehr als ein Viertel aller Haushalte ein Problem dar (28,1 Prozent). Insgesamt kamen 1,7 bzw. 4,2 Prozent der Haushalte "sehr schlecht" bzw. "schlecht" mit ihrem monatlichen Einkommen zurecht. Weitere 9,0 Prozent gaben an, "relativ schlecht" zurechtzukommen.

Datenquelle

Statistisches Bundesamt: Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC), www.destatis.de

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Die Armutsgefährdungsquote gibt an, wie hoch der Anteil der armutsgefährdeten Personen an einer Gesamtgruppe ist. Als armutsgefährdet gelten Personen, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens beträgt. Dabei berücksichtigt die Einkommensberechnung sowohl die unterschiedlichen Haushaltsstrukturen als auch die Einspareffekte, die durch das Zusammenleben – durch gemeinsam genutzten Wohnraum, beim Energieverbrauch pro Kopf oder bei Haushaltsanschaffungen – entstehen. Die Einkommen werden also gewichtet.

Zur Ermittlung des Einkommens wird zunächst das von allen Haushaltsmitgliedern tatsächlich erzielte Haushaltseinkommen zusammengefasst. Dieses setzt sich zusammen aus dem Einkommen aus selbstständiger und unselbstständiger Erwerbstätigkeit, dem Einkommen aus Vermögen, Renten und Pensionen sowie empfangenen laufenden Sozialtransfers – wie zum Beispiel Arbeitslosengeld, Sozialhilfe oder Kindergeld. Direkte Steuern und Sozialbeiträge werden abgezogen.

Anschließend wird das verfügbare Einkommen gewichtet bzw. das sogenannte Äquivalenzeinkommen ermittelt. Dazu wird das verfügbare Haushaltseinkommen unter Berücksichtigung eines Gewichtungsschlüssels (Äquivalenzskala) geteilt. Die Äquivalenzskala weist dabei der ersten erwachsenen Person stets das Gewicht 1 zu. Weitere Erwachsene und Kinder ab 14 Jahren erhalten das Gewicht 0,5, Kinder unter 14 Jahren das Gewicht 0,3.

Ein Beispiel: Eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren hat nach der Äquivalenzskala das Gesamtgewicht 2,1 (1 plus 0,5 plus 0,3 plus 0,3). Zu Berechnung des Äquivalenzeinkommens muss das verfügbare Haushaltseinkommen demnach durch 2,1 – und nicht durch die Anzahl der Personen – geteilt werden. Bei einem verfügbaren Haushaltseinkommen von beispielsweise 2.100 Euro hat jedes der vier Haushaltsmitglieder ein Äquivalenzeinkommen von 1.000 Euro.

Um das mittlere Einkommen zu berechnen, wird der Median (Zentralwert) verwendet. Dabei werden hier alle Personen ihrem gewichteten Einkommen nach aufsteigend sortiert. Der Median ist der Einkommenswert derjenigen Person, die die Bevölkerung in genau zwei Hälften teilt. Das heißt, die eine Hälfte hat ein höheres, die andere ein niedrigeres gewichtetes Einkommen. 60 Prozent dieses Medianwertes stellen die Armutsgefährdungsgrenze dar.

Ausgewählte Armutsgefährdungsquoten

In Prozent, 2018 1

nach Sozialleistungen
(außer Renten
und Pensionen)
Bevölkerung insgesamt 16,0
Männer 15,2
Frauen 16,8
unter 18-Jährige 14,5
18- bis unter 65-Jährige 15,7
65-Jährige und Ältere 18,2
Erwerbstätige 2 9,1
Arbeitslose 2 69,3
Personen im Ruhestand 2 18,7
niedriger Bildungsstand 3 30,5
mittlerer Bildungsstand 3 16,2
hoher Bildungsstand 3 9,6
Alleinlebende 30,4
Alleinlebende (< 65 Jahre) 4 36,1
Alleinlebende (≥ 65 Jahre) 5 25,0
Personen in Haushalten mit
2 Erwachsenen (< 65 Jahre), ohne Kinder 6
11,4
Personen in Haushalten mit
2 Erwachsenen und 2 Kindern 6
8,1
Personen in Haushalten mit
2 Erwachsenen und 1 Kind 6
8,2
Personen in Haushalten von
Alleinerziehenden 6
33,8
Eigentümer 7 8,8
Mieter 7 24,6
vor Sozialleistungen
(außer Renten und
Pensionen)
Bevölkerung insgesamt 24,0
unter 18-Jährige 31,1
18- bis unter 65-Jährige 23,7
65-Jährige und Ältere 19,2

1 Berechnungsgrundlagen: 60%-Median, modifizierte OECD-Skala / Einkommensbezugsjahr: 2017, Erhebungsjahr: 2018, Veröffentlichung: Ende 2019

2 Personen ab 18 Jahren. Erwerbsstatus, der über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten im Einkommensbezugsjahr (2017) galt.

3 Personen ab 18 Jahren. Bildungsstand nach der Klassifikation ISCED (International Standard Classification of Education).

4 Einkommensbezugsjahr: 2010

5 Einkommensbezugsjahr: 2012

6 Kind(er) bis 18 Jahre. Eine Person zwischen 18 und 24 Jahren zählt dann als Kind, wenn sie nicht erwerbstätig beziehungsweise arbeitsuchend ist und mit mindestens einem Elternteil zusammen lebt.

7 Einkommensbezugsjahr: 2016 / Eigentümer: In Wohneigentum und mietfrei; Mieter: Zur Miete und reduzierte Miete.


Quelle: Statistisches Bundesamt: Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC)

Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.

Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln