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counter 31.8.2016

In der Praxis: CO in Berlin und Hamburg

(© cinematic/photocase.de)

Wir sind da! Bürgerplattform Berlin Wedding/Moabit



Nach einer zweijährigen Vorlaufzeit wurde 2008 die Bürgerplattform Wedding/Moabit gegründet. Etwa 40 Gruppen mit unterschiedlichen religiösen, kulturellen und sozialen Hintergründen arbeiten dort zusammen. Als Teil dieser Bürgerplattform wird aktuell eine "Junge Bürgerplattform" aufgebaut. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus den Mitgliedergruppen werden stärker in das Geschehen involviert und können ihre Interessen besser vertreten. Die erste Kampagne der Jungen Bürgerplattform findet zum Thema Sicherheit und Diskriminierung im öffentlichen Raum statt.

Vertreter/-innen aller Gruppen treffen sich alle 6-8 Wochen im sogenannten Kernkreis und treffen die wichtigen Entscheidungen der Bürgerplattform - jede Mitgliedsgruppe hat dabei eine Stimme. Innerhalb des Kernkreises koordiniert ein aus 10-12 Personen bestehendes Strategieteam die Arbeit. Ein bis zweimal jährlich gibt es Vollversammlungen aller beteiligten Gruppen mit meist über 500 Mitgliedern.

Die jährlichen Gesamtkosten für das Mentoring der Organizer durch DICO, Bürobedarf, Telefon, Seminare, Reisen und öffentliche Aktionen von etwa 100.000 € werden durch Firmen und Stiftungen sowie durch private Spenden getragen. 20% des Etats versuchen die beteiligten Gruppen selbst aufzubringen. Die Bürgerplattform beantragt bewusst keine öffentlichen Mittel "um die Unabhängigkeit zu bewahren und die damit einhergehende Abrechnungsbürokratie zu vermeiden".[1]

Weitere Informationen: www.wirsindda.com

Bürgerengagement in Hamburg-Wilhelmsburg



Der Stadtteil Hamburg-Wilhelmsburg ist eine große Insel zwischen zwei Elbarmen. Das Viertel ist geprägt von Bahngleisen und Autobahnen, Industrie, viel Lärm und Abgasen. Die Bewohner/-innen des Viertels sind im Durchschnitt ärmer, aber auch jünger und internationaler als anderswo in der Stadt. Es gibt im Viertel eine jahrzehntelange Tradition engagierter Wilhelmsburger/-innen, die sich für Verbesserungen eingesetzt und Widerstand gegen unliebsame Bauvorhaben, wie z.B. eine Müllverbrennungsanlage oder Autobahnen, geleistet haben. In ihr Engagement haben sie Aspekte des Community Organizing übernommen.

Im Jahr 2002 gründete sich aus einer Zukunftskonferenz heraus der Verein "Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg". Er sorgt für eine breite Vernetzung unterschiedlicher Gruppen im Stadtteil. Aus "eigener Tradition", so Vereinsmitglied Michael Rothschuh, habe sich "eine dauerhafte Community Organization entwickelt"[2]. Die Instrumente des Vereins sind regelmäßige öffentliche Veranstaltungen, Stellungnahmen, Bürgerversammlungen und Aktionen. Ein zentrales Thema des Vereins war über mehrere Jahre die Öffnung der Zoll-Zäune des Spree-Hafens, damit die Menschen die idyllischen Ufer erleben können. Nach mehrjährigem Engagement wurde den Bewohner/-innen der Hafen zugänglich gemacht.

Der Verein arbeitet eng mit weiteren Gruppierungen wie den "Engagierten Wilhelmsburgern" zusammen. Er wurde mehrfach beraten durch das Forum Community Organizing (FOCO e.V.), etwa zur Vereinsgründung, zur inneren Struktur des Vereins und zu seiner Arbeitsweise ebenso wie zur Strategieentwicklung. Zwar versteht der Verein seine Aktivitäten nicht explizit als Community Organizing[3], er arbeitet jedoch mit vielen CO-Elementen.

Weitere Informationen: http://zukunft-elbinsel.de

Mehr Beispiele aus der Praxis:

www.buergergesellschaft.de/praxishilfen/community-organizing/beispiele-aus-der-praxis

Fußnoten

1.
Quelle: www.wirsindda.com
2.
Michael Rothschuh: Wie ein schwacher Stadtteil stark wird: Die Macht der Selbstorganisation. Community Organizing in Hamburg-Wilhelmsburg, in: FOCO und Stiftung Mitarbeit (Hrsg): Handbuch Community Organizing. Theorie und Praxis in Deutschland, Bonn 2015, S. 101.
3.
Vgl. ebd., S. 104.
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