Herausforderung Salafismus

Radikalisierungsprävention



Newsletter Dezember 2017

Neu im Infodienst Radikalisierungsprävention

Neu bei der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb

Veranstaltungshinweise und Fortbildungen

Terminübersicht


Termindetails und weitere Termine finden Sie in der Terminübersicht des Infodienst Radikalisierungsprävention.

Dezember Januar Februar

Aktuelle Meldungen

Dokumentation der Tagung "Grenzenloser Salafismus – Grenzenlose Prävention?"



Über 300 Fachkräfte haben sich Anfang Dezember auf der bpb-Fachtagung: "Grenzenloser Salafismus – Grenzenlose Prävention? Radikalisierung, politische Bildung und internationale Ansätze der Prävention" in Mannheim zu aktuellen Entwicklungen ausgetauscht und die internationale Vernetzung in den Blick genommen. Die Dokumentation der Tagung wird in Kürze veröffentlicht werden und im News-Bereich des Infodienstes zur Verfügung stehen.

Hessen: Diskussion über Rolle des Verfassungsschutzes in der Prävention



Die hessische Landesregierung hat Eckpunkte für ein neues Verfassungsschutzgesetz vorgestellt. Demnach erhält das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) den Auftrag, Prävention und "mehr Aufklärung" zu leisten.

Wie der Verfassungsschutz den Präventionsauftrag versteht, hat LfV-Präsident Robert Schäfer gegenüber hr-INFO erläutert. Beispielsweise will das LfV in Gesprächen mit extremistischen Moscheen Akteure zum Nachdenken anregen und die Position von Personen stärken, die an Demokratie interessiert sind.

Für Kritik von Opposition und Akteuren der Bildungs- und Präventionsarbeit sorgte hingegen die geplante anlasslose „Überprüfung der Zuverlässigkeit“ von Personen, die in Projekten arbeiten, die mit Landesmitteln gefördert werden. So hat der Landesverband Hessen der Deutschen Vereinigung für politische Bildung eine öffentliche Stellungnahme veröffentlicht, in der es unter anderem heißt: „Eine kritische Auseinandersetzung mit abweichenden politischen Positionen im Rahmen der Präventions‐ und Bildungsarbeit wäre damit nicht mehr möglich.“ Die Frankfurter Rundschau berichtet über weitere kritische Stimmen.

Als Reaktion auf die heftige Kritik hat das hessische Innenministerium inzwischen eingelenkt: Die Hessenschau berichtet, dass von einer solchen Überprüfung künftig nur Projektträger betroffen sein sollen, die erstmals Fördermittel beantragen. Bisherige Träger seien demnach nicht betroffen.

Beitrag auf hessenschau.de

Stellungnahme der Deutschen Vereinigung für politische Bildung, Landesverband Hessen

Beitrag auf hessenschau.de zum Einlenken der Landesregierung

"Call for Proposals" der EU für Online-Kampagnen gegen Radikalisierung



Zivilgesellschaftliche Organisationen können bis zum 11. Januar 2018 Vorschläge für Online-Kampagnen gegen Radikalisierung bei der EU-Kommission einreichen. Die Kampagnen sollen sich an Gruppen richten, die empfänglich für Online-Radikalisierung und terroristische Inhalte sind oder die bereits als radikalisiert gelten. Die Kampagnen sollen glaubwürdige Alternativen und positive Narrative vermitteln oder terroristische und extremistische Propaganda im Internet infrage stellen. Gleichzeitig sollen sie Resilienz und kritisches Denken stärken. Insgesamt stehen sechs Millionen Euro zur Unterstützung der Kampagnen zur Verfügung.

Informationen im Newsletter des Radicalisation Awareness Network (RAN)

Call for Proposals

Bremen: Beratungsnetzwerk kitab sucht Berater/-innen



Zum nächstmöglichen Zeitpunkt sucht das Beratungsnetzwerk kitab des VAJA e. V. aus Bremen mehrere Mitarbeiter/-innen für die beratende Tätigkeit im Bereich der Auseinandersetzung mit islamistischen Haltungen junger Menschen. Frist für die Bewerbung ist der 15. Januar 2018.

Ausschreibung auf der Website von VAJA Bremen

Abu Adam: "Imam unter Verdacht"



Seit April 2017 befindet sich der Leipziger Imam Abu Adam in Spanien in Untersuchungshaft. Die spanischen Behörden werfen ihm unter anderem vor, den IS unterstützt zu haben. Zeit-Journalist Yassin Musharbash berichtet im seinem Recherche-Blog ausführlich über den Fall. Die Vorwürfe sorgen für Aufsehen, weil Abu Adam in Deutschland in die Arbeit von Deradikalisierungsinitiativen eingebunden war.

Der Fall weist über den Einzelfall hinaus, so Musharbash. Es geht um die Frage, wie Extremisten deradikalisiert werden können, und wer für diese Aufgabe geeignet ist.

Zeit-Blog "Radikale Ansichten"

Hinwendungs- und Radikalisierungsprozesse im Themenfeld "gewaltorientierter Islamismus": Studien im Rahmen von "Demokratie leben!" abgeschlossen



Wie und warum werden Jugendliche zu gewaltbereiten Islamisten? Zu diesen Fragen haben das Institut für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (Bielefeld), das Deutsche Jugendinstitut (Halle) und das Institut für Islamische Theologie (Osnabrück) zwei Jahre lang geforscht. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat erste Erkenntnisse zusammengefasst. Demnach bestätigen die Studien, dass Radikalisierungsprozesse sehr komplex sind. Individuelle und soziale Faktoren spielen vor allem in der Anfangsphase eine größere Rolle als ideologische Gründe. Die Studien der Institute fanden im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben" statt. Detaillierte Ergebnisse sollen in den nächsten Monaten veröffentlicht werden.

Meldung bei "Demokratie leben"

Rückkehrer-Diskussion: Bundesregierung will Kinder deutscher "IS"-Anhänger nach Deutschland zurückholen



Die Frage nach dem Umgang mit sogenannten IS-Rückkehrerinnen und -Rückkehrern beschäftigt nach den militärischen Niederlagen des "IS" verstärkt Medien und Präventionsakteure. Dabei gebe es "viele Fragezeichen" bei Sicherheitsbehörden, Politik und Pädagogen, heißt es in einem ausführlichen Beitrag im Hamburger Abendblatt. Verstärkt geht es in der Diskussion um die Familien von Rückkehrern. Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass die Bundesregierung Kinder von deutschen Kämpfern und Anhängern des sogenannten Islamischen Staates nach Deutschland zurückholen möchte. Mindestens ein halbes Dutzend deutscher Minderjähriger befindet sich demnach in Haftanstalten und Verhörzentren im Irak – die meisten von ihnen Klein- und Kleinstkinder.

Bericht in der Süddeutschen Zeitung

Anzahl der Salafisten in Deutschland auf 10.800 gestiegen



Nach Angaben von Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen ist die Zahl der Salafisten in Deutschland auf 10.800 gestiegen. Das sind rund 1.000 Personen mehr als im Vorjahr. Allein seit September seien 500 Salafisten hinzugekommen.

Meldung in der Rheinischen Post

G20-Fachtagung zur Radikalisierungsprävention hat in Berlin stattgefunden



Auf der G20-Fachtagung "Preventing Radicalisation – Towards Resilient Societies" in Berlin haben Experten und Expertinnen vom 13. bis 15. November präventiv-pädagogische Maßnahmen zur Verhinderung von Radikalisierung und Terrorismus erörtert. Im Fokus stand die Kinder- und Jugendarbeit.

Dokumentation der Tagung

Agenda der Tagung

Schweiz: Bund stellt Nationalen Aktionsplan gegen Radikalisierung und gewalttätigen Extremismus vor



Anfang Dezember wurde in der Schweiz der Nationale Aktionsplan (NAP) vorgestellt. Mit ihm wollen die Behörden präventiv gegen gewalttätigen Extremismus vorgehen. Vor allem soll die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen föderalistischen Ebenen sowie zwischen unterschiedlichen Institutionen gefördert werden. Der Plan sieht dezentrale und niedrigschwellige Maßnahmen vor – wie die Schulung von Lehrkräften, Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeitern oder Sporttrainern und Sporttrainerinnen. In Gemeinden oder Kantonen sollen Fachstellen eingerichtet werden, an die sich Behörden mit Fragen richten können. Außerdem sollen Abläufe etabliert werden, wie bei Alarmzeichen zu reagieren ist. Der Bund wird sich mit 5 Millionen Franken (rund 4,2 Millionen Euro) am Aktionsplan beteiligen.

Meldung des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements

Bericht in der Neuen Züricher Zeitung

Universität Bern will mit Testverfahren religiös motivierten Extremismus erkennen



Wie die Neue Züricher Zeitung (NZZ) berichtet, hat die Universität Bern ein Testverfahren für die Zulassung zu einem Lehrgang für Seelsorger entwickelt. Mithilfe des Verfahrens soll vermieden werden, dass Personen mit einer sogenannten "radikalen Grundhaltung" an dem Kurs "Religious Care in Migration Contexts" teilnehmen.

Die Professorin für Seelsorge und Religionspsychologie, Isabelle Noth, erklärte der NZZ, dass Personen mit extremen Ansichten in herkömmlichen Interviews häufig erwünschte Antworten geben und kritischen Fragen ausweichen würden. Das Verfahren der Universität Bern setzt daher auf ein mehrstufiges Assessment, mit dem Haltungen auf indirekte Weise ermittelt werden können. So kommt unter anderem ein sogenannter impliziter Assoziationstest zur Anwendung – dies ist ein auf der Reaktionszeit basierendes Computerverfahren. Zusätzlich werden die Bewerberinnen und Bewerber in einem Rollenspiel mit spezifischen Situationen aus den Bereichen Familie oder Sexualität konfrontiert. Hierbei kommen laut Noth Wertvorstellungen unweigerlich zum Ausdruck.

Das Verfahren eigne sich auch für die Auswahl von Betreuungspersonen im Asylbereich oder im Strafvollzug, so Noth. Laut NZZ zeigt der Sicherheitsverbund Schweiz (SVS) Interesse an dem Lehrgang sowie an dem Testverfahren. Der SVS ist federführend bei der Entwicklung des Nationalen Aktionsplans gegen Radikalisierung, bei dem Seelsorger eine wichtige Rolle spielen (s. Meldung oben).

Bericht in der Neuen Züricher Zeitung

Neuerscheinungen

Christoph Reuter: Maryam A. Mein Leben im Kalifat – Eine deutsche IS-Aussteigerin erzählt



Als sie 2014 mit ihrem Mann nach Syrien reist, um sich dem sogenannten "Islamischen Staat" anzuschließen, ist Maryam A. Mitte zwanzig. Doch das Leben im "Kalifat" ist nicht geprägt von Glauben und Gemeinschaft, wie sie es sich erhofft hatte. Stattdessen erlebt sie Terror, Gängelung und ständige Bombardierungen sowie den zermürbenden Kleinkrieg der Dschihadisten untereinander. Unter Lebensgefahr gelingt es ihr zu fliehen, aber bis heute muss sie versteckt in Nordsyrien leben. Christoph Reuter hat Maryams Bericht über ihre Zeit beim "Islamischen Staat" aufgeschrieben. Ihre Erinnerungen erlauben Einblicke in das Innenleben des "IS".

focus.de hat den Prolog des Buches veröffentlicht.

Das Buch ist am 16. November 2017 bei DVA Sachbuch erschienen und umfasst 256 Seiten. Es kann zum Preis von 18,00 Euro bestellt werden.

Ramazan Demir: Unter Extremisten



In seinem Buch "Unter Extremisten" gibt Ramazan Demir einen Einblick in die Lebenswelten österreichischer muslimischer Häftlinge. Seit 2016 leitete er die islamische Gefängnisseelsorge in Österreich; aufgrund von Morddrohungen zieht er sich nun allerdings aus der aktiven Seelsorge zurück. Laut Demir sind Österreichs Haftanstalten Brutstätten der Radikalisierung.

Interview im Kurier

Interview bei Zeit Online

Buchtrailer auf YouTube

Das Buch ist am 25. November 2017 bei edition a erschienen und umfasst 240 Seiten. Es kann zum Preis von 21,90 Euro bestellt werden.

Handbücher und Materialien

RAN-Handbuch: Reaktionen auf zurückkehrende ausländische Kämpfer und ihre Familien



Das europäische Präventionsnetzwerk Radicalisation Awareness Network (RAN) hat ein umfangreiches Handbuch zum Umgang mit zurückkehrenden ausländischen Kämpfern und ihren Familien veröffentlicht. Es handelt sich um eine Bestandsaufnahme von Erkenntnissen der im Netzwerk vertretenen Fachleute aus der Präventionspraxis. Diese Empfehlungen sollen andere Fachleute und Behörden dabei unterstützen, ihre eigenen Ansätze beim Umgang mit Rückkehrerinnen und Rückkehrern zu überprüfen. Das Handbuch richtet sich zum Beispiel an Fachkräfte in der Sozialarbeit, im Gesundheitswesen, an Lehrkräfte oder Polizei- und Justizbeamte.

Weiterlesen im Infodienst

Materialien zur Radikalisierungsprävention: EU-Projekt YCARE



Im internationalen Projekt YCARE (Youth Counselling Against Radicalisation in Europe) wurden rund 60 Materialien zur Radikalisierungsprävention entwickelt, gesammelt und pädagogisch aufbereitet. Für Jugendberatungsstellen, Schulen und Einrichtungen der Zivilgesellschaft stehen diese Materialien als Unterrichtseinheiten und Übungen samt Handouts in sechs europäischen Sprachen zum kostenlosen Download bereit. Ein Handbuch, Best Practices und eine App ergänzen das Angebot.

Website von YCARE

YCARE-Materialien

Videobeiträge

Dokumentation: Warum macht es uns Allah so schwer? Wie junge Muslime um ihre Religion ringen



Lassen sich Islam und Demokratie in Deutschland vereinen? Mustapha Lamjahdi und Ron Weber glauben: Ja! Lamjahdi ist Vorsitzender einer Moschee-Gemeinde in Frankfurt, Ron Weber ist muslimischer Sozialarbeiter in Berlin. Sie kämpfen für eine Auslegung des Islams, die friedlich, tolerant und mit dem Grundgesetz vereinbar ist.

"Warum macht es uns Allah so schwer?" bis zum 19.11.2018 in der ARD-Mediathek anschauen

Dokumentation: Sebastian wird Salafist



Was bewegt junge Menschen dazu, sich dem radikalen Islam anzuschließen? Für die Dokumentation „Sebastian wird Salafist“ begleitete Ghafoor Zamani drei Jahre lang den Abiturienten Sebastian aus Wuppertal – auf seinem Weg vom durchschnittlichen deutschen Jugendlichen zum Salafisten und zurück.

Interview mit Dokumentarfilmer Ghafoor Zamani in der Schwäbischen Zeitung

"Sebastian wird Salafist" bis zum 22.11.2018 in der ARD-Mediathek anschauen

Dokumentation: Die Akte Anis Amri



Die Autoren Arndt Ginzel und Ulrich Stoll zeichnen in der Frontal 21-Dokumentation "Die Akte Anis Amri – Der Terrorist und die Fehler der Fahnder" Amris Weg von Tunesien über Italien nach Deutschland nach. Sie befragten Angehörige und Bekannte Amris, Ermittler, Zeugen und Überlebende des Terroranschlags, sichteten zehntausende Seiten Ermittlungsakten. Ihre Bilanz: Behördenchaos verhinderte, dass der Islamist Amri rechtzeitig gestoppt wurde.

"Die Akte Anis Amri" bis zum 05.12.2018 in der ZDF-Mediathek anschauen

Zweiteiler: Brüder



Der Zweiteiler "Brüder" erzählt von dem deutschen Studenten Jan, der sich in einer Phase der Orientierungslosigkeit einer Gruppe von Salafisten anschließt und dort Gemeinschaft und Sinn findet. Die Berliner Zeitung urteilt, dass es sich bei dem Zweiteiler "trotz mancher Längen und Schwächen" um ein "nachdenklich machendes Drama" handelt – während die Frankfurter Rundschau befindet, es ginge "Regie und Autorin [...] weniger um Motive als um Melodram" und es werde "vieles bloß behauptet statt entwickelt".

Zu den Rezensionen in der Berliner Zeitung und der Frankfurter Rundschau

"Brüder" bis zum 22.12.2017 in der ARD-Mediathek anschauen

"Antworten auf Salafismus" lässt Videoclips über Radikalisierung produzieren



Das bayerische Netzwerk für Prävention und Deradikalisierung "Antworten auf Salafismus" hat gemeinsam mit der Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF) drei von Studierenden umgesetzte Videoclips veröffentlicht. Die kurzen Videos sind Ergebnis eines Filmwettbewerbs. Die Filmemacherinnen und -macher sollten das Thema Radikalisierung aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten. Drei Konzepte wurden von einer Jury ausgewählt.

Zu den Clips auf www.antworten-auf-salafismus.de
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