zurück 
8.1.2019

Zahlen zur salafistischen Szene in Deutschland

Redaktion Infodienst Radikalisierungsprävention am 08.01.2019
Laut Bundesamt für Verfassungsschutz und anderen Fachleuten ist die salafistische Szene diejenige Strömung aus dem großen Spektrum islamistischer Gruppen, die in den vergangenen Jahren am schnellsten gewachsten ist. Circa 11.300 Personen bundesweit rechnet der Verfassungsschutz dem Salafismus zu (Stand November 2018). Im Jahr 2011 waren es schätzungsweise 3.800 Personen.

Die Zahlen sollten jedoch mit Vorsicht betrachtet werden. Fachleute weisen darauf hin, dass die 2011 veröffentlichte Zahl womöglich deutlich zu niedrig angesetzt war, weil den Behörden damals keine ausreichenden Informationen über die salafistische Szene vorlagen.
Mittlerweile verlangsamt sich der Zuwachs der Szene.

Die Mehrzahl der Szeneangehörigen zählt laut Sicherheitsbehörden zum sogenannten politischen Salafismus. Dessen Anhänger konzentrieren sich auf "Missionierung" und rufen nicht offen zu Gewalt auf. Teilweise sprechen sie sich sogar gegen Gewalt aus.

Zur Zahl der gewaltbereiten Salafisten macht das Bundesamt für Verfassungsschutz keine Angaben. In Nordrhein-Westfalen stuft das Landesamt für Verfassungsschutz circa 870 Personen aus der Szene als gewaltbereit ein – bei insgesamt 3.100 Szeneangehörigen in ganz NRW (Stand September 2018).

Als sogenannte islamistische Gefährder gelten laut Bundeskriminalamt circa 760 Personen, hinzu kommen circa 475 sogenannte relevante Personen (Stand Dezember 2018). Diese Angaben des Bundeskriminalamts beziehen sich auf das gesamte islamistische Spektrum, nicht nur auf die salafistische Szene. Als Gefährder werden Personen eingestuft, bei denen die Sicherheitsbehörden annehmen, dass sie politische Straftaten von erheblicher Bedeutung begehen könnten. Als relevant betrachten sie Personen, die im extremistischen Spektrum die Rolle einer Führungsperson, eines Unterstützers oder eines Akteurs haben.

Der Schritt zur Gewaltanwendung ist in der salafistischen Szene jedoch klein, so der Verfassungsschutz. So sind in den vergangenen Jahren insgesamt circa 1.000 Szeneanhänger in Richtung Syrien und Irak gereist, um dort den sogenannten Islamischen Staat oder andere terroristische Gruppierungen zu unterstützen (Stand September 2018). Mehr als ein Fünftel davon ist weiblich und der überwiegende Teil aller Ausgereisten ist jünger als 30 Jahre. Etwa ein Drittel der Ausgereisten befindet sich mittlerweile wieder in Deutschland.

Ihr Kommentar:

(*) Diese Felder sind Pflichtfelder

Ihr Kommentar wird von der Redaktion geprüft und dann freigeschaltet


Captcha


2 Kommentare anderer Nutzer

Hannah Zilesch | 17.05.2018 um 14:09
Siehe Frage im Kommentar

Was macht Deutschland mit den Menschen, die nach radikalisiert nach Deutschland zurückkehren?


Antworten
bpb-iconRedaktion | 28.05.2018 um 08:37
"Re: Siehe Frage im Kommentar"

Danke für Ihre Frage!

Sowohl die Sicherheitsbehörden in Deutschland als auch zivilgesellschaftliche Initiativen beschäftigen sich zurzeit intensiv mit sogenannten "Dschihad-Rückkehrern". Ein Text über die Herangehensweise der Sicherheitsbehörden von Holger Münch, dem Präsidenten des Bundeskriminalamtes, findet sich im Infodienst Radikalisierungsprävention (www.bpb.de/266840). Dort findet sich auch ein Beitrag zu einem Beispiel dafür, welche Rolle die Jugendarbeit beim Umgang mit Rückkehrern spielen kann. (www.bpb.de/263755)

Die Bundesregierung hat in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage (http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/000/1900065.pdf) im Bundestag zusammengefasst, welche Maßnahmen sie im Umgang mit Rückkehrenden ergreift – siehe PDF auf der Internetseite des Deutschen Bundestags, Punkte 16 und 17. (http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/002/1900284.pdf)

Mit vielen Grüßen


Antworten

Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln