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22.4.2020

Zahlen zur salafistischen Szene in Deutschland

Redaktion Infodienst Radikalisierungsprävention am 22.04.2020
Laut Bundesamt für Verfassungsschutz und anderen Fachleuten ist die salafistische Szene diejenige Strömung aus dem großen Spektrum islamistischer Gruppen, die in den vergangenen Jahren am schnellsten gewachsten ist. Circa 11.500 Personen bundesweit rechnet der Verfassungsschutz dem Salafismus zu (Stand Mai 2019). Im Jahr 2011 waren es schätzungsweise 3.800 Personen.

Die Zahlen sollten jedoch mit Vorsicht betrachtet werden. Fachleute weisen darauf hin, dass die 2011 veröffentlichte Zahl womöglich deutlich zu niedrig angesetzt war, weil den Behörden damals keine ausreichenden Informationen über die salafistische Szene vorlagen. Mittlerweile verlangsamt sich der Zuwachs der Szene.

Die Mehrzahl der Szeneangehörigen zählt laut Sicherheitsbehörden zum sogenannten politischen Salafismus. Dessen Anhänger konzentrieren sich auf "Missionierung" und rufen nicht offen zu Gewalt auf. Teilweise sprechen sie sich sogar gegen Gewalt aus. Zur Zahl der gewaltbereiten Salafisten macht das Bundesamt für Verfassungsschutz keine Angaben.

Islamistische Gefährder und relevante Personen

Die Zahl der sogenannten Gefährder im Bereich islamistischer Terrorismus beläuft sich auf 660, teilte das Bundeskriminalamt auf Anfrage des Mediendienstes Integration mit (Stand Januar 2020). Ende 2019 hielten sich 370 von ihnen in Deutschland auf. Davon waren 105 in Deutschland in Haft.

Diese Angaben des Bundeskriminalamts beziehen sich auf das gesamte islamistische Spektrum, nicht nur auf die salafistische Szene. Als Gefährder werden Personen eingestuft, bei denen die Sicherheitsbehörden annehmen, dass sie politische Straftaten von erheblicher Bedeutung begehen könnten.

Hinzu kommen laut dem Bundeskriminalamt 510 „relevante Personen“. Das sind nach der Definition des Bundesinnenministeriums Personen im Umfeld von Gefährdern, die „bereit sind, bei der Vorbereitung einer politisch motivierten Straftat von erheblicher Bedeutung logistisch zu helfen oder zu unterstützen“.

Ausreisen in den sogenannten Islamischen Staat

Der Schritt zur Gewaltanwendung ist in der salafistischen Szene jedoch klein, so der Verfassungsschutz. So sind in den vergangenen Jahren insgesamt circa 1.060 Szeneanhänger in Richtung Syrien und Irak gereist, um dort den sogenannten Islamischen Staat oder andere terroristische Gruppierungen zu unterstützen (Stand März 2020). Etwa ein Viertel der gereisten Personen ist weiblich. Der überwiegende Teil der insgesamt gereisten Personen war zum Zeitpunkt der Ausreise jünger als 30 Jahre.

Etwa ein Drittel der Ausgereisten befindet sich mittlerweile wieder in Deutschland. Zu mehr als 250 Personen liegen Hinweise vor, dass diese in Syrien oder im Irak ums Leben gekommen sind.

Quellen

Bundesamt für Verfassungsschutz (2020): Islamistisch motivierte Reisebewegungen in Richtung Syrien/Irak, Abruf am 22.4.2020

Bundesamt für Verfassungsschutz (2019): Salafismus in Deutschland – Missionierung und Jihad

Mediendienst Integration (2020): Islamistischer Extremismus und Terror, Abruf am 22.4.2020

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2 Kommentare anderer Nutzer

Hannah Zilesch | 17.05.2018 um 14:09
Siehe Frage im Kommentar

Was macht Deutschland mit den Menschen, die nach radikalisiert nach Deutschland zurückkehren?


Antworten
bpb-iconRedaktion | 28.05.2018 um 08:37
"Re: Siehe Frage im Kommentar"

Danke für Ihre Frage!

Sowohl die Sicherheitsbehörden in Deutschland als auch zivilgesellschaftliche Initiativen beschäftigen sich zurzeit intensiv mit sogenannten "Dschihad-Rückkehrern". Ein Text über die Herangehensweise der Sicherheitsbehörden von Holger Münch, dem Präsidenten des Bundeskriminalamtes, findet sich im Infodienst Radikalisierungsprävention (www.bpb.de/266840). Dort findet sich auch ein Beitrag zu einem Beispiel dafür, welche Rolle die Jugendarbeit beim Umgang mit Rückkehrern spielen kann. (www.bpb.de/263755)

Die Bundesregierung hat in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage (http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/000/1900065.pdf) im Bundestag zusammengefasst, welche Maßnahmen sie im Umgang mit Rückkehrenden ergreift – siehe PDF auf der Internetseite des Deutschen Bundestags, Punkte 16 und 17. (http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/002/1900284.pdf)

Mit vielen Grüßen


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