Herausforderung Islamismus

Radikalisierungsprävention



Newsletter Dezember 2020

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

nach mehreren islamistischen Anschlägen in Europa steht der Umgang mit gewaltbereiten Islamisten erneut im Fokus von Gesellschaft, Politik und Medien. Eine Vielzahl an Beiträgen nimmt die Arbeit der Sicherheitsbehörden sowie Möglichkeiten von Prävention in den Blick. Da die Attentäter von Dresden und Wien beide an Programmen zur Deradikalisierung teilgenommen hatten, wurden deren Wirksamkeit und Grenzen diskutiert. Im Bereich Aktuelle Meldungen am Ende des Newsletters stellen wir einige Beiträge zu diesen Debatten vor.

Wir freuen uns sehr, dass unsere Publikation "Islamismusprävention in Deutschland" bei Ihnen, Ihren Kolleginnen und Kollegen so gut angekommen ist, dass die Print-Version zwischenzeitlich im bpb-Shop vergriffen war. Nun ist sie wieder verfügbar und kann hier kostenfrei bestellt werden.

Wir wünschen Ihnen eine schöne Adventszeit
Ihre Infodienst-Redaktion

PS: Haben Sie einen Hinweis, worüber wir berichten sollten? Schreiben Sie uns an radikalisierungspraevention@redaktion-kauer.de!

Neu beim Infodienst

Neu bei der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb

Veranstaltungshinweise und Fortbildungen

Termindetails und weitere Termine finden Sie in der Termin-Übersicht des Infodienstes.

Dezember

Online-Diskussion: Europäische Ansätze bei der Reintegration von Rückkehrenden aus Syrien und Irak
10. Dezember 2020, online
Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) & Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF)

Online-Seminar: Onlineberatung zu religiös begründetem Extremismus – Chancen und Herausforderungen eines "neuen" Beratungsfeldes
10. Dezember 2020, online
emel – Online-Beratung zu religiös begründetem Extremismus

Online-Fachgespräch: Religiös begründeter Extremismus: Zielgruppenerreichung über/und digitale Medien in Zeiten von Corona
14. Dezember 2020, online
emel – Online-Beratung zu religiös begründetem Extremismus

Januar

Fortbildung: CleaRTeaching – Umgang mit neosalafistischen und rechtsextremen Haltungen im schulischen Kontext
27. Januar bis 2. Juni 2021, Hamburg
Bundeszentrale für politische Bildung, Aktion Gemeinwesen und Beratung

Stellenangebote

Details finden Sie in der Übersicht mit Stellenangeboten im Infodienst.

Bayern

Pädagogische Mitarbeit in der "Beratungsstelle Bayern"
München
Violence Prevention Network

Berlin

Mitarbeit im Management
Berlin
Violence Prevention Network

Mid-Term und Senior Expert/-innen für Consultancy and Training in P/CVE
Berlin
Violence Prevention Network

Hessen

Wissenschaftlich Mitarbeitender
Frankfurt am Main
Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS e. V.)

Nordrhein-Westfalen

Ehrenamtliche Mitarbeit
NRW-weit
180 Grad Wende, Jugendbildungs- und Sozialwerk Goethe e. V.

Referent/-in im Ministerium des Innern NRW
Düsseldorf
Ministerium des Innern Nordrhein Westfalen

Berater/-in Präventionsprogramm "Wegweiser"
Recklinghausen/Bottrop
Präventionsprogramm "Wegweiser", RE/init e.V.

Handreichungen und Fachbeiträge

Tipps für den pädagogischen Umgang mit islamistisch geprägten Anschlägen

– Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg –

Der Fachbeitrag gibt pädagogischen Fachkräften Anregungen und Tipps für Gespräche mit Schülerinnen und Schülern im Kontext der jüngsten islamistischen Anschläge in Europa.

Zum Beitrag auf li.hamburg.de

Falsche Signale. Zunehmender Islamismus an Schulen?

– ufuq.de –

Was haben die Konflikte im Klassenzimmer tatsächlich mit islamistischer Radikalisierung zu tun? Ein Kommentar von ufuq.de-Co-Geschäftsführer Dr. Jochen Müller.

Zum Beitrag auf ufuq.de

Verdacht auf Radikalisierung in der Schule: Verschwiegenheits- und Meldepflichten

– ufuq.de: Interview mit Kaja Deller und Konstantin Welker –

Im Gespräch beschreiben Kaja Deller und Konstantin Welker die Rechte und Pflichten, die bei der Weitergabe von Informationen über Schülerinnen und Schüler zu beachten sind, wenn der Verdacht auf Radikalisierung besteht. Unter anderem geht es um die Abwägung von Verschwiegenheits- und Offenbarungspflichten.

Zum Interview auf ufuq.de

Religiöse Angstpädagogik: Umgang in der Bildungsarbeit

– RISE –

Religiöse Angstpädagogik instrumentalisiert Unsicherheiten und Ängste. Auch online werden obskure Bestrafungsängste geschürt. Götz Nordbruch beschreibt, wie YouTube-Kanäle aus verschiedenen religiösen Spektren versuchen, ihr Publikum durch emotionale Ansprachen auf eine rigide religiöse Praxis einzuschwören. Er erklärt, wie pädagogische Fachkräfte damit umgehen können.

Zum Beitrag auf rise-jugendkultur.de

Warum das Konzept der "Kontaktschuld" im Islamismus problematisch ist

– Mediendienst Integration –

Um islamistische Strukturen zu bestimmen, erheben Sicherheitsbehörden, wer mit wem Kontakt hatte. Daraus kann sich eine sogenannte "Kontaktschuld" ergeben. In einer Expertise stellt Professor Werner Schiffauer fest, dass es problematisch wird, sobald "nur noch in den Blick gerät, dass kommuniziert wird. Aber nicht, was kommuniziert wird." Dadurch gerieten vor allem Reformerinnen und Reformer muslimischer Gemeinden unter Verdacht und "zukunftsweisende Islampolitik [würde] blockiert".

Zum Beitrag auf mediendienst-integration.de

"IS"-Rückkehrende – Die vergessenen Deutschen in Syrien

– Journal Exit Deutschland –

Der Beitrag beschreibt die Lage, in der sich deutsche Frauen und Kinder in kurdischen Camps in Syrien befinden. Im Sinne einer wirksamen und nachhaltigen Deradikalisierungsarbeit plädieren die Autorinnen Claudia Dantschke und Alma Fathi für eine zeitnahe Rückführung.

Zum Beitrag auf journal-exit.de

Studien und Reporte

Digitaler Extremismus im Kontext der Corona-Pandemie

– Institute for Strategic Dialogue –

Der Report analysiert die Netzwerke und Narrative deutschsprachiger rechtsextremer, linksextremer und islamistisch-extremistischer Akteure im Kontext der Corona-Pandemie. Dabei nimmt er Mainstream- und alternative Social Media-Plattformen sowie extremistische Websites in den Blick. Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass alle Extremisten ihre Reichweite in den vergangenen Monaten erhöhen konnten. Rechtsextreme Gruppierungen wuchsen mit 18 Prozent am stärksten; islamistische Gruppierungen mit sechs Prozent am schwächsten.

Zum Report auf isdglobal.org

Im Gespräch mit der Zeit erklärt Jakob Guhl, Co-Autor des Reports, warum islamistische Extremisten die Corona-Pandemie am wenigsten für sich nutzen konnten.

Zum Interview auf zeit.de

Autoritarismus-Studie Leipzig

– Universität Leipzig –

16,5 Prozent der Bevölkerung äußern ausländerfeindliche Einstellungen, so das Ergebnis der Leipziger Autoritarismus-Studie. Vor zwei Jahren sind es noch 23,4 Prozent gewesen. Gestiegen ist hingegen der Anteil derer, die eine Affinität zu Verschwörungsmythen haben. Bei 38,4 Prozent der Menschen stellen die Forscherinnen und Forscher eine "Verschwörungsmentalität" fest. 2018 sind es 31 Prozent gewesen. Für die Studie waren im Mai und Juni 2020 bundesweit 2.503 Menschen im Alter zwischen 14 und 93 Jahren befragt worden.

Zur Studie auf home.uni-leipzig.de

Zu einem Beitrag über die Studie auf sueddeutsche.de

What Do We Know About Radicalization?

– International Journal of Conflict and Violence –

Die Beiträge des Journals geben einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zum Thema Radikalisierung. Neben individuellen, gruppenbasierten und gesellschaftlichen Faktoren von Radikalisierung werden auch Online-Radikalisierung und Deradikalisierung beleuchtet.

Zum Journal auf ijcv.org

Why repatriating foreign terrorist fighters is a pan-European priority

– Counter Extremism Project (CEP) & European Policy Centre (EPC) –

Die Autorinnen und Autoren des Reports fordern, dass europäische Länder Verantwortung für ihre Staatsangehörigen übernehmen, die in den "IS" ausgereist sind und für ihn gekämpft haben. Sie fordern die Rückholung, um die Personen nach heimischem Recht zu verurteilen und eine weitere Radikalisierung zu verhindern.

Zum Report auf epc.eu

Neuerscheinungen

Die Attraktion des Extremen. Radikalisierungsprävention im Netz

– Wochenschau Verlag –

Wie kann Bildungsarbeit auf die Anziehungskraft extremistischer Propaganda reagieren? Im Fokus des Bandes stehen Strategien zur Erregung von Aufmerksamkeit im Internet und in den Sozialen Medien. Autorinnen und Autoren aus Praxis und Wissenschaft zeigen, wie Jugendhilfe, Polizei, Schule, Sozialarbeit und Medienpädagogik auf die daraus resultierenden Herausforderungen reagieren können.

Zur Bestellung auf wochenschau-verlag.de

Erfahrungsbericht des Modellprojekts JAMIL

– Verlagsgruppe Beltz –

Im Modellprojekt JAMIL in Bremen konnten sich Jugendliche mit politischen, gesellschaftlichen und religiösen Themen auseinandersetzen und mit Fragen von Identität, Glaube und Zugehörigkeit befassen. Im Bericht schildern die beteiligten sozialpädagogischen Fachkräfte ihre Erfahrungen. Außerdem werden Befunde der wissenschaftlichen Begleitforschung aufgeführt.

Zur Bestellung auf beltz.de

Video-Beiträge

Die Heimkehr – Leben nach dem Terror

– Norddeutscher Rundfunk, 76 Minuten, Video –

Der Film begleitet einen "IS"- Rückkehrer nach seiner Haftstrafe sowie die Schwester eines "IS"-Kämpfers.

Zur Dokumentation auf ndr.de

Zum Interview mit den Filmemacherinnen auf jetzt.de

Von der Terrorgruppe zurück in ein normales Leben

– Bayerischer Rundfunk: kontrovers, 8 Minuten, Video –

Der Münchner Bilal Fani war einer der ersten Syrien-Rückkehrer, der vor Gericht gestellt wurde. Nach sechs Jahren Haft will er nun zurück in ein normales Leben.

Zum Video auf br.de

Diskussion zur Ermordung von Samuel Paty

– Falter, 29 Minuten, Video –

Was bedeutet die Ermordung von Samuel Paty für multikulturelle Gesellschaften in Europa? Darüber diskutieren Frankreich-Korrespondent Danny Leder, Politikwissenschaftlerin Daniela Pisoiu (Österreichisches Institut für Internationale Politik OIIP), Tarafa Baghajati von der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen sowie Sozialarbeiter Fabian Reicher (Beratungsstelle Extremismus).

Zum Video auf falter.at

Diskussion zu Deradikalisierungsarbeit und Rückfälligkeit

– International Forum for Expert Exchange on Countering Islamist Extremism –

Eine Diskussion über wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen zu Deradikalisierungsarbeit mit extremistischen Akteuren während und nach der Haft. Mit: Prof. Andrew Silke (Professor für Terrorismus, Risiko & Resilienz an der Universität Cranfield, Vereinigtes Königreich), Gaby Thijssen (Psychologin im Hochsicherheitsgefängnis Vught in den Niederlanden), Samet Er (Berater beim Violence Prevention Network) sowie Sofia Koller (Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik).

Zum Video auf youtube.com

Islamismus: Wie schützt uns die Politik?

– Funk: represent, 10 Minuten, Video –

Das Funk-Format represent hat im Bundestag nachgefragt: Wie will die Politik die Bürgerinnen und Bürger vor Anschlägen schützen? Und welchen Einfluss hat die politische Debatte auf deutsche Muslime?

Zum Video auf youtube.com

The impact of COVID-19 on preventing and countering violent radical extremism

– Radicalisation Awareness Network (RAN), 11 Minuten, Video –

Das RAN hat mit Praktikerinnen und Praktikern darüber gesprochen, wie die Corona-Pandemie Möglichkeiten für Terroristen und gewaltbereite Extremisten geschaffen hat, Mitglieder zu rekrutieren und zu radikalisieren.

Zum Video auf youtube.com (in englischer Sprache)

Audio-Beiträge

Falter-Podcasts zum Anschlag in Wien, Islamismus in Europa und Deradikalisierung

– Falter-Radio, 30-86 Minuten, Audio –

Die österreichische Wochenzeitung Falter hat eine Reihe von Podcasts veröffentlicht, die sich mit dem Anschlag in Wien, Islamismus in Europa und Deradikalisierungsarbeit auseinandersetzen.

Die Terrornacht von Wien
Augenzeugenberichte und Einschätzungen aus der Falter-Redaktion nach den dschihadistischen Anschlägen in der Wiener Innenstadt vom 2. November 2020.

Zur Folge auf falter.at

Der Wiener Terrorist und der IS
Die Hintergründe des Attentats von Wien erläutern Islamismusforscher Guido Steinberg und Nahostexpertin Gudrun Harrer.

Zur Folge auf falter.at

Die Medien und der Anschlag von Wien
Der Anschlag von Wien war eine Herausforderung für die Medien. Was ist falsch gelaufen, was wurde richtig gemacht? Was darf gezeigt werden und was nicht?

Zur Folge auf falter.at

Europas Städte im Visier der Dschihadisten
Europäische Expertinnen und Experten tauschen sich über die Hintergründe des Wiener Terroranschlags aus. Zu hören sind: Cathrin Kahlweit (Wien-London, Süddeutsche Zeitung), Ulrich Ladurner (Brüssel-Paris, Die Zeit), Florian Flade (Berlin, Westdeutscher Rundfunk) und Falter-Chefredakteur Florian Klenk.

Zur Folge auf falter.at

Die Deradikalisierung von Dschihadisten
Kriminalsoziologin Veronika Hofinger und Nahostexperte Thomas Schmidinger sprechen über eine Studie zu Deradikalisierungsprogrammen, die sie 2017 veröffentlicht haben.

Zur Folge auf falter.at

Michael Kiefer: "Keine Gefährdung der Gesellschaft"

– Deutschlandfunk Kultur, 8 Minuten, Audio –

Die Messerattacke in Dresden Anfang Oktober hatte einen islamistischen Hintergrund, doch das Echo auf den Angriff fiel gering aus. DLF Kultur hat mit Islamwissenschaftler Michael Kiefer darüber gesprochen, ob in Deutschland zu wenig gegen Islamismus getan wird. Kiefer betont, das Problem würde ernst genommen.

Zum Audio-Beitrag auf deutschlandfunkkultur.de

Kühnert und Lobo: Die Stille der Linken bei islamistischem Terror

– Spotify: Lobo – Der Debatten-Podcast, 103 Minuten, Audio –

Regelmäßig beobachtet Sascha Lobo nach islamistischen Anschlägen wie in Dresden als erste linke Reaktion die Sorge über daraus resultierenden rechten Hass. Der scheidende JuSo-Chef Kevin Kühnert schrieb einen ähnlichen Debattenbeitrag im Spiegel. In der Podcast-Folge gehen Lobo und Kühnert gemeinsam auf die Reaktionen zu ihren Beiträgen ein.

Zur Folge auf open.spotify.com

Aktuelle Meldungen

Offener Brief: Die Zivilgesellschaft braucht ein Demokratiefördergesetz!

– Diverse zivilgesellschaftliche Initiativen –

In einem offenen Brief an die Bundesregierung fordern Ende November über 60 zivilgesellschaftliche Initiativen ein Demokratiefördergesetz. Es soll die Prävention von Extremismus sowie Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit fördern und dadurch demokratische Haltungen stärken. Neben der langfristigen finanziellen Absicherung von zivilgesellschaftlichen Projekten könnten auch staatliche Ämter gesetzlich festgeschrieben werden.

Zum offenen Brief auf cultures-interactive.de

Umgang mit Islamismus in der Schule

Einige Berliner Schülerinnen und Schüler begrüßten den Tod des französischen Pädagogen Paty, berichtet der Tagesspiegel. Dahinter stecke die streng konservative Erziehung bei einzelnen muslimischen Schülerinnen und Schülern. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, erklärt, Lehrkräfte seien zunehmend Druck ausgesetzt und würden eingeschüchtert, so die Zeit. Er fordert, dass die Bundesländer zusätzliche Lehrkräfte sowie Psychologinnen und Psychologen anstellen. Diese könnten an Schulen geschickt werden, wenn es dort Konflikte mit dem radikalen Islam gibt. Außerdem schlägt Meidinger vor, bundesweit eine anonymisierte Umfrage unter Lehrkräften durchzuführen, so ein weiterer Bericht in der Zeit. Die Umfrage soll erfassen, wie Schulen mit islamistischen Tendenzen umgehen.

Der Didaktikprofessor und ehemalige Lehrer Karim Fereidooni ist der Ansicht, dass es sich bei vielen konfrontativen und bedrohenden Aussagen von Schülerinnen und Schülern im Kontext Islamismus um pädagogische Probleme handelt. In der Zeit fordert er, diese Probleme daher auch mit pädagogischen Mitteln zu lösen. Er fordert außerdem Lehrkräfte mit Demokratiefeindlichkeit nicht allein zu lassen sowie den Aufbau multiprofessioneller Teams in Schulen voranzutreiben.

Diskussionen über Islamismus, Radikalisierung, Prävention und Deradikalisierung

Infolge der islamistischen Anschläge in Deutschland, Frankreich und Österreich wird in Politik und Medien über Islamismus, Radikalisierung, Prävention und Deradikalisierung diskutiert:

Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang mahnt zur Vorsicht, berichtet die Zeit. Einige der mehr als 600 bekannten islamistischen Gefährder könnten über Nachahmungstaten nachdenken.

Die Welt am Sonntag meldet, der Abschiebestopp von Gefährdern nach Syrien stünde auf dem Prüfstand. Auslöser sei, dass der mutmaßliche syrische Messerangreifer in Dresden als Gefährder eingestuft worden war. Er war erst fünf Tage vor der Tat aus der Haft entlassen worden.

Während und nach der Haft war der Syrer von einem Team von Violence Prevention Network betreut worden. In vielen Medien, unter anderem der Süddeutschen Zeitung, wird daher über die Wirksamkeit von Aussteigerprogrammen während und nach der Haft diskutiert.

Saba-Nur Cheema ruft in der Frankfurter Rundschau muslimische Gemeinschaften in Deutschland dazu auf, sich dagegen zu wehren, dass Religion für politische Zwecke instrumentalisiert wird.

Reaktionen nach dem islamistischen Anschlag in Wien

Im Interview mit der taz ordnet Guido Steinberg den Wiener Anschlag ein und beschreibt die islamistische Szene in Österreich. Diese wird auch in einem Beitrag der Zeit analysiert. Der österreichische Islamforscher Rami Ali sagt, er habe den Terror kommen sehen. Im Interview mit jetzt.de beschreibt er die Polarisierung, die den Anschlägen auf Social Media vorausgegangen ist.

Die Stimmung unter Wiener Muslimen nach dem Anschlag beleuchtet die Zeit. Für ihren Beitrag sprachen die Autorin und der Autor mit einem Imam und dem Betreiber eines multikulturellen Cafés. Beide empfinden Wut auf die Täter sowie Angst vor der womöglich muslimfeindlichen Antwort auf den Anschlag.

Als Reaktion auf den islamistischen Anschlag in Wien will Österreich seine Strafmaßnahmen verschärfen, berichtet der Stern. Kanzler Sebastian Kurz kündigte unter anderem Sicherheitsverwahrung und Fußfesseln an. Schon vor dem Wiener Anschlag war die Dokumentationsstelle Politischer Islam ins Leben gerufen worden, so Deutschlandfunk Kultur. Sie soll die Netzwerke erforschen, in denen Radikalisierung entsteht und Fragen von Einfluss und Finanzierung klären. In Salzburg fordern Bewährungshelfer eine bessere Zusammenarbeit von Polizei, Gerichten, Justizvollzug und Sozialvereinen, berichtet der ORF.

Der Wiener Attentäter und seine europäischen Kontakte

Der Wiener Attentäter Kujtim F. war Österreichs Sicherheitsbehörden bekannt, berichtet die Deutsche Welle. Er sei zu einer Haftstrafe verurteilt worden, weil er sich dem "IS" hatte anschließen wollen. Nach seiner Entlassung auf Bewährung hatte er die Tat begangen. Während und nach der Haft war er vom Verein DERAD betreut worden. Die Tagesschau führt in einem Beitrag Verbindungen zwischen Islamisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz auf – die teilweise auch mit Kujtim F. in Kontakt gestanden haben. Eine zentrale Steuerung der Terroranschläge von Wien und Paris hält Nahost-Experte Michael Lüders jedoch "für eher unwahrscheinlich". Der sogenannte Islamische Staat reklamiere die Gewalttaten Einzelner im Anschluss für sich, sagt er im Deutschlandfunk.

Ursachen für Islamismus in Frankreich

Seit dem Anschlag auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo im Jahr 2015 starben in Frankreich mehr als 270 Menschen durch islamistischen Terror. Die Deutsche Welle sucht Antworten auf die Frage, warum die gewalttätige Ideologie in Frankreich so verbreitet ist.

Zum Beitrag auf dw.com

Weitere Panne im Fall Anis Amri

Der Verfassungsschutz in Mecklenburg-Vorpommern hat jahrelang wichtige Hinweise zum Fall des Anschlags von Anis Amri verschwiegen, berichtet die Zeit. Darunter befanden sich auch Quellen zur möglichen Flucht Amris aus Berlin. Im Untersuchungsausschuss des Bundestags zum Anschlag auf den Breitscheidplatz zeigte sich der Behördenleiter unkooperativ und wehrte kritische Nachfragen ab, so die Tagesschau.

Burkhard Freier: Begriffsdiskussion Islamismus

Im Gespräch mit der Welt am Sonntag erklärt der Leiter des Verfassungsschutzes NRW, Burkhard Freier, seine Sicht auf fünf aktuelle diskutierte Begriffe: Islamistische Rechte, Politischer Islam, Islamismus, Legalistischer Islamismus und Dschihadismus.

Zum Beitrag auf welt.de

Bundesregierung: Umgang mit dem sogenannten legalistischen Islamismus

Die Bundesregierung hat auf eine Kleine Anfrage der FDP zum Umgang mit dem sogenannten legalistischen Islamismus geantwortet. Darin heißt es, dass "nicht nur repressive Mittel, sondern insbesondere die Präventionsarbeit viel Erfolg verspricht".

Zur Bedrohung durch "legalistischen" Islamismus erklärt die Bundesregierung: "Die auf lange Sicht ausgerichtete Strategie legalistischer islamistischer Bestrebungen birgt daher das Gefahrenpotential, dass islamistisches Gedankengut in die Gesellschaft getragen und diese grundlegend verändert wird. Vor diesem Hintergrund ist es eine Kernaufgabe der Bundesregierung, die Demokratie und die Gesellschaft vor diesen Bestrebungen zu schützen, was nicht zuletzt durch die Arbeit der Sicherheitsbehörden geschieht."

Zur Antwort der Bundesregierung auf dip21.bundestag.de

Kritik an der Islamkonferenz

In der FAZ weist Redakteur Rainer Hermann Vorwürfe des Politikwissenschaftlers Hamed Abdel-Samad an der Deutschen Islamkonferenz zurück. Dieser hatte auf Facebook geschrieben, das Bundesinnenministerium biedere sich in der Deutschen Islamkonferenz der Türkei an, es sei mitverantwortlich für den Erdogan-Kult in Deutschland und für die Aufwertung von Ditib.

Zum Beitrag auf faz.net

"Alle Religionen haben ein Gewaltproblem"

Mit Der Freitag sprechen Religionswissenschaftlerin Yasemin El-Menouar und Philosoph Roman Veressov darüber, wie sehr sich Islamismus und Islam voneinander unterscheiden.

Zum Beitrag auf freitag.de

Präventionsarbeit im Gefängnis: Praxisbericht

Ahmad Mansours Initiative "MIND prevention" führt in Gefängnissen Projekte mit Extremisten durch. Für die taz hat Mansour über die Begegnung von Alex und Khaled, einem Neonazi und einem Islamisten, geschrieben – und über die Ähnlichkeit ihrer Ressentiments.

Zum Beitrag auf taz.de

Irak richtet erstmals ausländische "IS"-Mitglieder hin

Im Irak sind Mitte November 21 Menschen wegen Terrorismus-Vorwürfen hingerichtet worden, berichtet die Kölnische Rundschau. Unter den zum Tode Verurteilten befinden sich elf Franzosen und ein Belgier.

Zum Beitrag auf rundschau-online.de

Studie über Extremismus in der Bundeswehr in Planung

Eine Studie soll "Ursachen, Ausmaß und Einfluss des politischen Extremismus in der Bundeswehr" untersuchen, berichtet die Welt. Bis Ende November soll ein Studiendesign erarbeitet werden; Studienbeginn soll voraussichtlich 2021 sein. Ob die Ergebnisse veröffentlicht werden, ist noch unklar.

Zum Beitrag auf welt.de

RWTH Aachen forscht zu Ursachen von Salafismus

Das Institut für katholische Theologie der RWTH Aachen wird in den kommenden vier Jahren die Ursachen von Salafismus untersuchen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Zum Projekt auf kt.rwth-aachen.de

Dänischer Rechtsextremist will mit Koranverbrennungen provozieren

Der islamfeindliche Däne Rasmus Paludan wollte im November in Berlin Muslime provozieren, so die Berliner Zeitung. Die Kundgebung der Splitterpartei Stram Kurs, bei der auch Korane verbrannt werden sollten, fand jedoch gar nicht statt – weder Paludan noch seine Anhänger tauchten auf. Im April 2019 hatten Koranverbrennungen in Kopenhagen zu tagelangen Ausschreitungen geführt.

Zum Beitrag auf berliner-zeitung.de
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