Dossier

Rechtsextremismus



Bilderstrecken

Die Bilderstrecken erlauben einen tieferen Einblick in die rechte Szene. Aufnahmen von Konzerten, Demonstrationen und Modelabeln verdeutlichen, wie sich rechtsextreme Szenen selbst inszenieren und etwa Themen wie Umweltschutz von rechts instrumentalisieren.

Rechtsextreme Musik

Sänger der Rechtsrock-Band Sleipnir, Marco Laszcz, bei einem Solo-Auftritt für die NPD 2011 in Berlin. Laszcz betreibt mit Gesinnungsgenossen auch das Plattenlabel "Boundless Records" und den "Wolfszeit"-Versand.

Wenn Neonazis Kinder kriegen

Die Familie mit möglichst vielen Kindern gilt Rechtsextremen als Ideal. Die Kinder wachsen in diesen Familien fast ausnahmslos mit einem menschenfeindlichen, rassistischen, nationalistischen und vom "völkischen" Denken durchzogenen Weltbild auf. Häufig werden sie von anderen Kindern ferngehalten und dürfen nur mit "ihresgleichen" spielen. Nicht selten wird der rechtsextreme Nachwuchs autoritär oder gar paramilitärisch erzogen: Die Kinder sollen einst "der Sache" dienen.Zeltlager und Jugendfreizeiten bot die "Heimattreue Deutsche Jugend" für die Neonazi-Kinder an, inklusive militärischem Drill und ideologischen Schulungen. Bis zu 400 Mitglieder hatte der Verein, der am 31. März 2009 mit sofortiger Wirkung verboten wurde.Kinder sichern den "Rasseerhalt", daher spielen sie in der rechtsextremen Ideologie auch eine so große Rolle. Im Namen "unserer Kinder" wird "für das eigene Volk" und gegen Flüchtlingsunterkünfte, den Zuzug von Migranten oder gegen Gendermainstreaming und die Ehe-für-alle gehetzt.Kinderreichtum und ein bäuerliches Leben – die Ikonografie des rechtsextremen Jugendbunds Pommern erinnert an die NS-Zeit. Die Mädchen tragen lange Zöpfe, die Mütter sollen in der Kindererziehung aufgehen. Den Frauen kommt gegen den befürchteten "Volkstod", hinter dem sich Anleihen an die Bevölkerungspolitik und die "Rassenhygiene" der Nationalsozialisten verbergen, eine besondere Rolle zu. Schließlich sind sie es, die "weiße", "reinrassige" "deutsche" Kinder zur Welt bringen und so den "Volkstod" verhindern können."Die Revolution beginnt im Bett" – auch so machen Neonazis auf den vermeintlich drohenden "Volkstod" aufmerksam. Die Fortpflanzung in den heimischen Schlafzimmern dient dabei einer rein biologistischen Funktion, nämlich "deutsche Kinder" für den Umsturz – die Revolution – zu zeugen.Fast ein Familienidyll ... die Frisuren und Kleider der beiden Mädchen könnten Zufall und nicht Erziehung hin zur vermeintlich weiblichen Rolle sein, wäre diese Mutter mit ihren vier Kindern nicht Teilnehmerin einer Neonazi-Demonstration in Hildesheim, die dort ihren "deutschen" Nachwuchs präsentiert. An ihrem Sonnenhut trägt sie übrigens die Reichsfarben schwarz-weiß-rot.Das rechtsextreme Familien- und Frauenbild idealisiert die Frau als Mutter und Bewahrerin des Volkes. Sie soll die "deutschen" Kinder nicht nur gebären, sie soll auch die Erziehung leisten und dabei gute "deutsche" Werte und Traditionen weitergeben. Eine Forderung sowohl der NPD als auch des "Rings Nationaler Frauen" ist das Müttergehalt,
damit Kinder nicht "fremdbetreut" werden müssen.Welchen Nachwuchs sich Neonazis wünschen und wie ihre Kinder zu sein haben – daran lassen sie oft keinen Zweifel. Schon für die Allerjüngsten gibt es entsprechende Szenekleidung.Angeblich wollen sie nur ihre Kinder schützen, doch der vermeintliche Einsatz gegen Kindesmissbrauch instrumentalisiert die Opfer für antidemokratisches Gedankengut. Die Forderung, sich gegen "Kinderschänder" einzusetzen, ist in nahezu allen Millieus anschlussfähig, viele bekommen gar nicht mit, dass es weniger um die Kinder als um die Verbreitung der Ideologie geht. Auf diesem T-Shirt allerdings lässt schon die Grafik erahnen, aus welcher Ecke die Forderung kommt.

Ökologie von rechts

Auf einer Luftaufnahme entdeckte man 1992 ein großes Hakenkreuz aus Bäumen inmitten eines Waldes in Brandenburg nahe der Ortschaft Zernikow. Das NS-Symbol war in den 1930er gepflanzt wurden. Im Jahr 2000 wurden die Bäume schließlich gefällt.1937: Familie auf einem RadausflugEin kaputter Soldatenhelm als Symbol für die gefallenen Soldaten im Zweiten Weltkrieg.In Jamel, einem Dorf in Mecklenburg-Vorpommern, steht auf einer Garagenwand "Dorfgemeinschaft Jamel - frei - sozial - national".Baldur Springmann am 12.01.1980 in Karlsruhe auf dem 3. Kongress der "SPV - Die Grünen". Im Vordergrund eine Todesanzeige, die die "Artgemeinschaft" nach dem Tode Springmanns veröffentlichte. Die Anzeige erschien Anfang 2004 in der "Nordischen Zeitung"."Naturschutz - Tierschutz - Heimatschutz" – mit diesen Themen beschäftigt sich das rechtsextreme Öko-Magazin "Umwelt & Aktiv". Herausgegeben wird es vom Verein "Midgard", für den zu den Schwerpunkten seiner publizistischen Aktivität "die Aufklärung über die Gefahren der Gentechnik, der Kampf gegen das betäubungslose Schächten von Tieren, die Forcierung eines ökologisch-ausgeglichen Lebens und der Schutz der kulturellen Identität" gehört.Umweltschutz ist Heimatschutz - hinter diesem Slogan rechtsextremer Parteien wie NPD oder "Der Dritte Weg" steckt eine Blut-und-Boden-Ideologie, derzufolge ein "Volk" immer auch geprägt ist durch den Boden, auf dem es lebt.NPD-Demo am 1. Mai 1998 in Leipzig.Bei einem Neonazi-Aufmarsch am 07.04.2001 in Uelzen halten Teilnehmer ein Transparent mit der Aufschrift "Blut und Boden schützen!"Auf der seit einigen Jahren jährlich zum Ende der "Grünen Woche" stattfindenden "Wir haben es satt"-Demo gegen Massentierhaltung und industrielle Landwirtschaft demonstrierten auch regelmäßig Rechtsextreme, wie hier im Januar 2011.

Putzen gegen Neonazis

Ausstellungsplakat zur Wanderausstellung von Irmela Mensah-Schramm. Unter dem Titel "Hass vernichtet" war die Ausstellung schon mehr als 400 Mal in Deutschland und weiteren europäischen Ländern zu sehen.Rechtsextreme Schmiererei in Neuruppin im Juli 1993.Antiislamische Hetze im Berliner Tiergarten, 2009.Antisemitischer Aufkleber in Zossen, 2009.Schmierereien und Aufkleber, die Hitler verherrlichen, in Potsdam und Ludwigsfelde.Schüleraktionen gegen rechte Parolen.Umwandlung einer ausländerfeindlichen Parole: Von "Ausländer raus" zu "Multikulti! Ausländer rein!"Umwandlung einer Hassschmiererei: Von "Lasst Menschen verrecken!" zu "Lasst keine Menschen verrecken!"Umwandlung einer antisemitischen Schmiererei: Von "Juden raus" zu "Pudel raus. Geht bitte alleine Gassi".Umgewandeltes Plakat: Von "MULTIkultur ... Nein Danke!" zu "MULTIkultur ... Danke! Hab ich mir schon immer gewünscht".

Mitten in Berlin

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