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23.1.2007

Antisemitismus in Deutschland

Das traditionelle Vorurteil und seine Transformationen

Antisemitismus ist ein soziales Vorurteil, eine Einstellung, die erlernt und weitergegeben wird. Andreas Zick und Beate Küpper untersuchen das Phänomen Antisemitismus – und fordern zivilgesellschaftliche Antworten.

Ausgangspunkt



Gesehen in Schierke in Sachsen-Anhalt im Harz. (© Foto: MUT-Archiv)

Man könnte den Antisemitismus als ein unscharfes, problematisches oder gar heikles Phänomen betrachten, berücksichtigt man viele aktuelle Diskurse, in denen Einstellungen gegenüber Juden und dem Judentum im Kontext einer Beurteilung der Lage im Nahen Osten geäußert werden. Protagonisten unterschiedlichster politischer Couleur weisen erbost jeden Vorwurf des Antisemitismus zurück, wenn sie die israelische Politik als Politik jüdischer Mehrheiten kritisieren. Während die einen dies als legitime Kritik interpretieren, beurteilen andere die entsprechend vorgebrachten Argumente als Ausdruck eines modernen Antisemitismus.

Einige Experten schätzen den aktuellen Antisemitismus als besonders neu und gefährlich ein, andere sehen das mit dem Verweis auf die Geschichte gelassener. Einige beurteilen den Antisemitismus als singuläres Phänomen, andere als Facetten einer generalisierten Feindseligkeit. Viele Diskussionen über den Antisemitismus sind dadurch aufgeladen [1], und die Debatte ist bei aller Fokussierung auf den 'deutschen Sonderfall' weltweit angespannt. Da muss eine Einschätzung über das Potenzial und die Ursachen antisemitischer Mentalitäten schwer fallen. Und vielleicht liegt auch deshalb noch immer keine Konzeption des Antisemitismus vor, die auf einem Konsens beruht. Es fehlt eine systematische kulturvergleichende Studie, und die Interpretationen und Kommentierungen des Antisemitismus lassen auch eine mehr oder minder gewollte klare Positionierung des eigenen Standpunktes vermissen.


Im vorliegenden Beitrag wird der Versuch unternommen, sich der Einschätzung sozialpsychologisch zu nähern, das heißt
  1. mit gebotener normativer Distanz
  2. dem Motiv, auf der Grundlage einer klaren Begrifflichkeit und Annahmen zu argumentieren, die sich aus einer theoretischen Position ergeben und
  3. einer empirischen Orientierung, die danach fragt, wie und ob sich in der Meinung von Befragten unterschiedliche Facetten des Antisemitismus identifizieren lassen, wie diese und mit welchen anderen Faktoren sie zusammenhängen.
Dabei werden die empirischen Analysen auf der Grundlage der Daten aus Umfragen des Projektes "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" durchgeführt[2] (weitere Ergebnisse aus anderen Umfragen siehe auch Zick/Küpper 2005a).

Ausgangspunkt ist dabei ein grundsätzliches Verständnis des Antisemitismus als soziales Vorurteil, das aus einer sozialpsychologischen Perspektive zunächst auf denselben Mechanismen basiert und dieselben Funktionen erfüllt, wie andere Vorurteile auch. Vorurteile lassen sich anhand von fünf zentralen Merkmalen definieren:
  1. Vorurteile stellen aus sozialpsychologischer Sicht 'intergruppale Phänomene' dar. D.h. sie sind negative individuelle Affekte, Kognitionen und Verhaltensintentionen, die ein Individuum auf der Basis seiner Zugehörigkeit zu bestimmten gesellschaftlichen Gruppen (Ingroup) gegenüber anderen sozialen Gruppen (z.B. Juden, Judentum) oder Individuen (Juden), weil sie Mitglieder von Outgroups sind, äußert (Zick 1997; zum Antisemitismus vgl. Klug 2003). Der Kern des Vorurteils besteht darin, dass es Gruppen ungleich in ihrem Wert macht.
  2. Die wesentliche soziale Funktion des Vorurteils ist, dass sie eine Aufwertung oder Stabilisierung jenes Selbstwertes bietet, der durch die Mitgliedschaft und soziale Identität, die aus der Gruppenzugehörigkeit resultiert, definiert ist (Tajfel 1982). Daneben erfüllen Vorurteile wie der Antisemitismus nach Annahmen der Theorie Sozialer Dominanz (Sidanius/Pratto, 1999) die Funktionen einer Legitimierung der Abwertung vermeintlich statusniedriger Gruppen und ihrer Mitglieder (Überlegenheit) sowie Wissensfunktionen (das Vorurteil wird als Mythos geglaubt) (vgl. zur Theorie auch Zick/Küpper 2006a).
  3. Gerade weil Vorurteile einen gemeinsamen Kern teilen und unterschiedliche Vorurteile dieselben Funktionen erfüllen können, hängen Vorurteile gegenüber unterschiedlichen Gruppen eng zusammen und bilden u.E. ein Syndrom Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (Heitmeyer 2002). Das heißt, wenn eine Person antisemitische Einstellungen hat, dann ist es auch wahrscheinlich, dass sie Vorurteile gegenüber anderen Gruppen hat.
  4. Dabei ergeben sich die Charakteristika eines spezifischen Vorurteils – wie eben des Antisemitismus – aus historisch überlieferten Stereotypen sowie der besonderen Beziehung und dem Kontext der Beziehung zwischen Ingroups und Outgroups.
  5. Ferner wäre unter Berücksichtigung zentraler Befunde der Vorurteilsforschung zu unterscheiden zwischen traditionell offenen Ausdrucksformen und modernen subtilen Vorurteilen, die versteckt geäußert werden, im Kern aber wie traditionelle Vorurteile letztendlich auch die Ungleichwertigkeit von Gruppen akzentuieren.[3] Während es weitgehend Übereinstimmung über traditionelle Vorurteile gibt, sind moderne Vorurteile theoretisch genauer zu entschlüsseln.[4]
Auf der Grundlage dieser Grundkonzeption wird im Folgenden zunächst eine empirische Einschätzung traditioneller antisemitischer Vorurteile in Deutschland vorgenommen, bevor eine theoretisch und empirisch engere Analyse des modernen Antisemitismus vorgeschlagen wird, den wir als transformierten Antisemitismus verstehen.

Traditioneller Antisemitismus in Deutschland



Dr. Andreas Zick (Dresden) und Prof. Wilhelm Heitmeyer bei der Vorstellung des Berichts "Deutsche Zustände'' im Dezember 2006 in Berlin. Foto: Kulick

Der traditionelle Antisemitismus wird von uns als offen erkennbare Abwertung von Juden oder dem Judentum definiert, der sich in der Zustimmung zu tradierten Stereotypen, eindeutigen Antipathien und offenen Diskriminierungsneigungen äußert und von der Mehrheit nicht erwünscht ist. Die GMF-Studie sowie andere Umfragen in Deutschland (Bergmann 2004; Zick/Küpper 2005a) zeigen, dass er trotz normativer Ächtung und teilweiser Tabuisierung in Deutschland immer noch ausgeprägt ist. Im August 2006 stimmten 21.1% der repräsentativ ermittelten Bevölkerungsstichprobe des GMF-Projektes der in vielen Studien geprüften Aussage: "Juden haben zu viel Einfluss", eher oder voll und ganz zu, 19.4% meinen: "Durch ihr Verhalten sind die Juden an ihren Verfolgungen mitschuldig." [5]

Damit weisen die jüngsten Zahlen vergleichbar hohe Werte aus wie bereits 5 Jahre zuvor. Zum Zeitpunkt der ersten Erhebung in 2002 unterstellten 21.7% der Befragten einen zu großen Einfluss von Juden und 16.6% machten ihnen den Vorwurf der Mitschuld an ihrer Verfolgung. Die Vermutung, der Antisemitismus sei in den letzten Jahren signifikant angestiegen, lässt sich empirisch nicht bestätigen, aber die Zustimmungshäufigkeiten zeigen an, dass der traditionelle Antisemitismus in Deutschland konsistent ist, und auch in anderen europäischen Ländern ähnlich hohe Zustimmungswerte zu beobachten sind (s. Bergmann, im Druck; oder aktuell für die Schweiz: Cattacin et al. 2005).

Allerdings erschien der Meinungstrend kurzfristig auch anders. Im Frühsommer 2006 war ein deutlicher Rückgang traditionell antisemitischer Einstellung zu beobachten. Bei der Erhebung im Mai/Juni 2006 unterstellten 14.1% Juden zu viel Einfluss, noch knapp 10% sahen eine Mitverantwortung von Juden an ihrer Verfolgung. Im Vergleich zu 51.8% in 2002 meinten zu diesem Zeitpunkt deutlich weniger Befragte (31.5%): "Viele Juden versuchen, aus der Vergangenheit des Dritten Reiches heute ihren Vorteil zu ziehen." 61.9% stimmten im Frühsommer 2006 zu: "Ich ärgere mich darüber, daß den Deutschen auch heute noch die Verbrechen an den Juden vorgehalten werden", in 2003 waren dies noch 69.9% (nicht erfasst in 2002).

Die Tatsache, dass der traditionelle Antisemitismus dazu neigt, stabil und änderungsresistent im Sinne einer starken und offenen Einstellung zu sein, bedeutet nicht, dass er ständig aktiviert und geäußert wird. Er kann quasi 'schlummern', aber dann schnell (und teilweise unbewusst) abgerufen werden, wenn die Umstände (aktuelle Ereignisse) das scheinbar provozieren, oder er funktional für die Erklärung von Ereignissen ist. Die Vermutung liegt nahe, dass die politischen Ereignisse im Nahen Osten und die damals weitgehend positive Berichtserstattung in den Medien die Neigung traditionell antisemitische Einstellungen zu äußern, verändert haben. Die Hoffnung auf einen neuen Friedensprozess im Nahen Osten, die Infragestellung des in der deutschen Presse vorherrschende Opferstatus der Palästinenser durch den Wahlgewinn der Hamas und möglicherweise auch das respektvolle Gedenken an den Anfang Mai 2006 verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland Paul Spiegel könnten auf die Repression des traditionellen Antisemitismus gewirkt haben.

Doch ebenso liegt die Vermutung nahe, dass mit der militärischen Auseinandersetzung zwischen Israel und dem Libanon im Sommer 2006 und die begleitende Berichterstattung die Meinungen umschlagen und der tief verwurzelte traditionelle Antisemitismus wieder hervorgerufen wird. [6] Die Medien berichteten z.B. über eine Unverhältnismäßigkeit der israelischen Reaktion auf die fortgesetzten Raketenangriffe, die insofern traditionell antisemitische Vorurteile hervorrufen können, als traditionelle Antisemiten 'Israel und Judentum' eng assoziieren. Die GMF-Umfrage zeigt tatsächlich, dass die Zustimmung zu klassisch antisemitischen Einstellungen erneut auf das Niveau der vergangenen Jahre anstieg.

Zusammenhänge zu anderen Vorurteilen, Demographie sowie religiösen und politischen Überzeugungen



Zur Einschätzung des gesellschaftlichen Gefahrenpotenzials solcher Mentalitäten ist zu bedenken, dass ein solchermaßen aktivierter Antisemitismus eng mit anderen Vorurteilen zusammenhängt (s.o.). Empirisch lässt sich nachweisen, dass Personen, die antisemitischen Aussagen zustimmen, auch mit einer größeren Wahrscheinlichkeit dazu neigen, Muslime, Frauen, homosexuelle, behinderte und obdachlose Menschen, sowie Zuwanderer und ganz generell Neu-Hinzugekommene (im Vergleich zu Etablierten) abzuwerten (vgl. die Ergebnisse in "Deutsche Zustände", Folge 1 bis 5). Insofern kann eine Aktivierung traditioneller antisemitischer Vorurteile und Stereotype auch dazu führen, dass Vorurteile gegenüber anderen Gruppen syndromatisch aktiviert werden. [7]

Dabei ist die Zustimmung zu antisemitischen und anderen Vorurteilen keineswegs in allen Bevölkerungsgruppen gleichermaßen hoch. Anders man aus dem generellen Fokus der Interventionsprogramme auf junge Leute vermuten könnte, ist Antisemitismus nicht primär unter jungen Befragten, sondern vielmehr unter den Älteren besonders stark verbreitet. Ähnlich wie in anderen Studien neigen auch ältere und weniger gut qualifizierte Befragte der GMF-Umfragen signifikant stärker zum traditionellen und modernen (s.u.) Antisemitismus; was auch für andere Vorurteile wie etwa Fremdenfeindlichkeit und Abwertung von homosexuellen Menschen gilt. War zudem der Antisemitismus anders als etwa die Fremdenfeindlichkeit ein Problem der alten Bundesländer (Heyder/Schmidt 2002), haben sich die antisemitischen Einstellungen von Ost- und Westdeutschen über alle Bevölkerungsgruppen hinweg mittlerweile weitgehend angenähert und westdeutsche Befragte sind kaum mehr antisemitischer eingestellt als ostdeutsche Befragte.

Dennoch fallen beim Antisemitismus insbesondere ältere, weniger gebildete Männer in den alten Bundesländern durch ihre traditionell antisemitischen Einstellungen auf. Zudem lässt sich feststellen, dass Männer eher zu antisemitischen Einstellungen tendieren als Frauen (was nicht für alle Vorurteile gilt; Küpper/Heitmeyer 2004) und Befragte mit geringerer Schulbildung sich eher antisemitisch äußern als Befragte mit besserer Schulbildung (was in diesem Fall durchweg auch für Vorurteile gegenüber andere Adressatengruppen gilt; Heyder 2004). Diese Ergebnisse weisen deutlich darauf hin, dass Statusindikatoren in engem Zusammenhang zum Antisemitismus stehen.

Ebenso wie bei anderen Vorurteilen spielt auch beim Antisemitismus die politische Orientierung eine Rolle: Je weiter Befragte ihre politischen Ansichten "rechts" verorten, desto eher stimmen sie antisemitischen Einstellungen zu (Zick/Küpper 2006b). Ein 'linker Antisemitismus', der sich in der Vergangenheit durch vereinzelte Äußerungen einiger Protagonisten auffällig und vielfach diskutiert wurde, lässt sich zumindest in der GMF-Studie nicht als besonderes verbreitet nachweisen. Lediglich knapp 9% derjenigen, die sich auf der politischen Skala "links" verordnen, vermuten einen 'zu großen Einfluss von Juden', 8.5% sehen eine Mitschuld an der Verfolgung. Von jenen, die sich "rechts" verorten, sind dies fast 30% respektive knapp 14% und von denen, die sich politisch "genau in der Mitte" sehen, sind es 14.5% respektive knapp 9% in 2006.

Dagegen sind die Zusammenhänge zu religiösen Orientierungen deutlicher. Vorbehalte gegenüber Juden, die im Christentum über Jahrhunderte mehr oder minder alltagsweltlich und theologisch tradiert werden, spiegeln sich in den Einstellungen wider. Protestanten wie Katholiken äußern signifikant mehr Zustimmung zu traditionell antisemitischen Einstellungen als Konfessionslose (Küpper/Zick 2006). Allerdings ist hierfür wenige die Konfessionszugehörigkeit an sich als vielmehr das Ausmaß von Religiosität verantwortlich und dabei ist die Überzeugung, der eigene Glaube sei der "einzig wahre" (23% in 2002; 31% in 2006) von erheblicher Bedeutung. Wer einen solchen Überlegenheitsanspruch vertritt, neigt deutlich stärker zur Abwertung von Juden. Sehr Religiöse, die diese Haltung nicht vertreten, erweisen sich auch als weniger antisemitisch. Das entspricht anderen Befunden zum Einfluss des Fundamentalismus auf eine Reihe von Vorurteilen (Hunsberger/Jackson 2005) und spiegelt die Identitätsfunktion des Vorurteils für fundamentalistisch konfessionell Orientierte wider. Das bestätigen auch Studien zum islamistischen Antisemitismus (Senatsverwaltung für Inneres Berlin 2004; Bergmann/Wetzel 2003).

Darüber hinaus zeigen die GMF-Studien, dass der traditionelle Antisemitismus eher von Personen behauptet wird, die hohe Werte im Autoritarismus, einer sozialen Dominanzorientierung (s.u.) und einem Ausmaß Relative Deprivation, das den subjektiven ökonomischen und sozialen Mangel im Vergleich zu Outgroups wie z.B. Ausländern repräsentiert, aufweisen. Ferner stimmen besonders solche Personen offenen antisemitischen Aussagen zu, die orientierungslos (anomisch) sind. Dem gehen wir im Folgenden näher nach, nachdem auch das Konzept eines modernen Antisemitismus eingeführt ist.

Transformationen antisemitischer Mythen



Wir sind der Meinung, dass vielleicht mehr noch als Vorurteile gegenüber anderen Adressatengruppen der Antisemitismus als ein legitimierender Mythos verstanden werden kann. Sidanius & Pratto (1999) nehmen in ihrer Social Dominance Theory an, dass die zentrale Funktion von Vorurteilen – neben anderen Ideologien wie z.B. der Protestantischen Arbeitsethik – die Aufrechterhaltung und Erzeugung sozialer Hierarchien ist. Vorurteile produzieren und reproduzieren die soziale Rangordnung.

In seiner legitimierenden Funktion bietet der Antisemitismus moralische wie intellektuelle Rechtfertigung für bestehende oder angestrebte soziale Systeme und rechtfertigt somit auch Ungleichwertigkeit und Ausgrenzung bestimmter Gruppen, in diesem Fall von Juden. Auffällig ist, dass sich wie in vielen anderen Mythen in antijudaistischen Mythen religiöse Begründungen ('Christus- und Gottesmörder'), weltliche Begründungen ('Wucherjude'), politische Begründungen ('jüdische Weltverschwörung') und rassistische (natürliche) Begründungen (Charakter, Aussehen) finden. Auch wenn nicht zu jeder Zeit alle diese Begründungen gleichermaßen wirksam sind, bleiben antisemitische Mythen im kollektiven Gedächtnis erhalten (Bergmann 2001). Sie bieten sich immer wieder zur Erklärung alltäglicher und gesellschaftspolitischer Ereignisse an und bleiben so bewahrt.

Wir meinen, dass moderne, weniger offen erkennbare Formen des Antisemitismus im Vergleich zum traditionellen Antisemitismus ein Vorurteil ausdrücken, das auf den Zeitgeist transformiert wird, im Kern aber die traditionellen Mythen transportiert. Eine solche Transformation stellt sich u.a. in antisemitischen Einstellungen dar, die versteckt antisemitisch auf Israel rekurrieren und das Vorurteil auf Umwegen kommunizieren. Traditionelle Mythen von Konspiration, Verrat und Weltherrschaftstreben werden dabei in der Kritik aktueller israelischer Politik transportiert. So findet sich der Konspirationsverdacht sowohl in seiner klassischen Variante eines unterstellten großen Einflusses in Wirtschaft und Politik generell wie spezifisch von amerikanischen Ostküsten-Juden auf die Nah-Ost-Politik bis hin zum gerade in der Arabischen Welt populären Gerücht einer Mitwirkung des Mossad am Terroranschlag vom 11/9.

Sogar der Mythos von "Juden als Kindesmörder" wird immer wieder medial auch in Deutschland weitergetragen wie Jäger und Jäger (2003) in einer Analyse von Printmedien über den Nah-Ost-Konflikt seit Beginn der 2. Intifada zeigen. Ebenso lässt sich v.a. ein Schuldvorwurf in vielen antisemitische Argumenten entdecken von den Anfängen der Beschuldigung am Tod Christi, über vergiftete Brunnen im Mittelalter und in dem aktuellen Vorwurf eines Genozids an den Palästinensern oder der Schuld des organisierten Judentums am Antisemitismus gipfelt (vgl. Benz 2004). Auch die Umkehr von Opfern zu Tätern findet sich dort sowie im Vorwurf einer Mitschuld am Holocaust. Die mehrheitliche Ächtung des Antisemitismus wird durch die Transformation des direkten Vorurteils umgangen. Diese dem Zeitgeist angepassten Facetten werden in der Antisemitismusforschung etwas abweichend als sekundärer (Bergmann 2002) oder auch latenter (Frindte 1999) Antisemitismus bezeichnen, wobei weitgehend Konsens über seine Ausformungen besteht. Unter dem Label "neuer Antisemitismus" werden vor allem jene Facetten diskutiert, die über den Umweg einer Israelkritik kommuniziert werden (Rabinowitz/Speck/Sznaider 2004; Gessler 2004). [8]

Wir definieren alle moderneren Facetten durch das Konstrukt des transformierten Antisemitismus, um zu betonten, dass auch in solchen dem Zeitgeist angepassten Erscheinungsform überkommene antisemitische Mythen transportiert werden (Zick/Küpper 2005a). Neben den beiden oben genannten traditionellen Facetten (Mythos vom Einfluss der Juden und der Mitschuld an der Verfolgung) sind aktuell fünf transformierte Facetten zu identifizieren:
  1. den Vorwurf der Vorteilsnahme aus der Vergangenheit des Holocaust;
  2. die (implizite) Forderung nach einem Schlussstrich unter die Vergangenheit, die sich in einer Abwehr der Erinnerung und Vorhaltung der Verbrechen an den Juden äußert;
  3. ein israelbezogener Antisemitismus, also eine Ablehnung von Juden, die durch die israelische Politik legitimiert wird und eine Gleichsetzung von Juden überall auf der Welt und Juden in Israel;[9]
  4. eine Israelkritik, die auf (unnötige) NS-Vergleiche und Assoziationen zurückgreift, wie etwa die Verwendung des Begriffs "Vernichtungskrieg" seitens der Israelis im Nahen Osten oder sogar eine Gleichsetzung der israelischen Militäraktionen gegen Palästinenser mit dem Holocaust;
  5. ein separationistische Antisemitismus, der Juden ausgrenzt, indem unterstellt wird, dass sie sich nicht primär mit Deutschland sondern Israel identifizierten.
Die Zustimmung zum transformierten Antisemitismus ist ausgesprochen hoch. Im Frühsommer 2006 stimmten 41.5% (51.8% in 2002) der Aussage zu: "Viele Juden versuchen aus der Vergangenheit des Dritten Reiches heute ihren Vorteil zu ziehen." Fast 62% der Befragten ärgerten sich in 2006 darüber, "dass den Deutschen auch heute noch die Verbrechen an den Juden vorgehalten werden", und forderten damit implizit einen Schlussstrich. In 2004 unterstrichen dies ebenso viele Befragte mit ihrer Zustimmung zu der Aussage: "Ich bin es leid, immer wieder von den deutschen Verbrechen an den Juden zu hören." Fast 32% äußerten in der GMF-Umfrage 2004 Antisemitismus mit Israelbezug, d.h. sie verallgemeinerten Juden mit Israel: "Durch die israelische Politik werden mir die Juden immer unsympathischer." 44.4% bestätigten diesen Vorwurf: "Bei der Politik, die Israel macht, kann ich gut verstehen, dass man etwas gegen Juden hat." Besonders hoch ist die Zustimmung zur NS-vergleichenden Israelkritik: 68.4% der Befragten stimmten in 2004 der Aussage eher oder sogar voll und ganz zu, dass Israel einen "Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser" führt, und 51, 2% der Befragten meinten: "Was der Staat Israel heute mit den Palästinensern macht, ist im Prinzip auch nichts anderes als das, was die Nazis im Dritten Reichen mit den Juden gemacht haben." 90% derjenigen, die eine Kritik an Israel äußern, die zwar hart ist, aber ohne antisemitische Untertöne auskommt, stimmen auch mindestens einer Facette des Antisemitismus zu. Ebenso drückten viele Befragte einen separatistischen Antisemitismus aus, indem sie zustimmten: "Die deutschen Juden fühlen sich stärker mit Israel als mit Deutschland verbunden" (55.5% in 2004) bzw.: "Die Juden hierzulande interessieren sich mehr für israelische als für deutsche Angelegenheiten" (47.7%).Bemerkt sei, dass der oben berichtete Zusammenhang von Alter, Bildungsniveau und politischer Orientierung auch für diese transformierten Facetten gilt – mit höherem Alter, abnehmendem Bildungsniveau und politischer Orientierung nach rechts steigt die Zustimmung. Doch auch fast 89% derjenigen, die sich selbst politisch "genau in der Mitte" einordnen, stimmen mindestens einer Facette des Antisemitismus zu. Mehr noch als Befragte des linken Spektrums unterstützen sie insbesondere eine Israelkritik, die Vergleiche zu den Verbrechen der Nationalsozialisten bemüht, was eigentlich für eine angemessene Kritik vollkommen überflüssig ist.

Anschlussfragen



Ein Merkmal indiziert die Wirksamkeit des transformierten Antisemitismus in besonderer Weise: Nur 11% aller Befragten der GMF-Umfrage des Jahres 2004 stimmten keiner der Facetten des transformierten Antisemitismus zu. Der Einwand, dass spezifische Facetten – wie z.B. die Separation – keine Vorurteile widerspiegeln geht an der Empirie vorbei: Die Zustimmungen zu allen Facetten, die separate empirische Konstrukte darstellen, sind eng miteinander verbunden.

Wir meinen, dass die weite Verbreitung der skizzierten Facetten eine Reihe von Fragen nach der gesellschaftlichen Normierung und wirksamen Intervention aufwirft und das erscheint uns umso nötiger, als nicht nur das Vorurteil problematisch ist, sondern sich auch Mechanismen verbreiten, die es immunisieren. Gerade der Antisemitismus ist eng mit Affekten und Kognitionen der Schuld verbunden wie viele andere Studien auch zeigen. Sie werden aversiv erlebt und durch eine ideologisch gestützte Abwehr und Umkehrung abgewendet. Das spiegelt sich in etlichen der genannten Facetten wider. In der GMF-Umfrage 2004 haben wir die Befragten konkret um die Zustimmung und Ablehnung zu der Aussage gebeten: "Juden sind selbst schuld, wenn man etwas gegen sie hat." 24% der Befragten stimmten dem eher oder sogar voll und ganz zu. Dies bestätigt die auch von anderer Seite festgestellten Versuche, sich der Kollektivschuld und Verantwortung für den Holocaust zu entledigen (vgl. Gessler 2004, Rabinowitz/Speck /Sznaider 2004).

Der vorliegende Beitrag hat primär zum Ziel, eine Differenzierung von Facetten aus einer sozialpsychologischen Sicht, die nach vorurteilslastigen Einstellungen fragt, vorzulegen. Die Frage, ob diese und ähnliche andere Befunde alarmierend sind, ist nicht allein Frage der Wissenschaft. Sie ist eine zivilgesellschaftliche Frage aller, die meinen, dass Vorurteile Normen und Grundwerte der Gleichwertigkeit angreifen und zu zerstören suchen. Wir halten aus wissenschaftlicher Perspektive jedes Ausmaß und jede Form von Vorurteilen, so wie sie eingangs definiert wurden, für problematisch. Das insbesondere angesichts der Tatsache, dass zwar der traditionelle Antisemitismus von Wenigen geteilt wird, aber auch er mit Umwegskommunikationen verknüpft ist. Zweitens ist aus der Forschung bekannt, dass Einstellungen Grundlage für Verhalten sein können (Zick 2004). Zwar führen Vorurteile nicht unmittelbar auch zu Diskriminierung oder gar Gewalt, jedoch kann dies der Fall sein und umgekehrt, berufen sich rechtsextreme Täter auf vermutete oder unter Beweis gestellte Einstellungen in der breiten Bevölkerung. Drittens zeigt sich in der GMF-Studie, aber auch in anderen Studien, dass antisemitische Einstellungen Grundbestandteil rechtspopulistischer Ideologien sind. [10]

Gerade aus rechter und rechtspopulistischer Perspektive wird oft angezweifelt, dass die Indikatoren antisemitischer Einstellungen als solche interpretiert werden können. Das betrifft v.a. die Israelkritik und die Schlussstrich-Forderung. Dabei wird auf Umstände verwiesen, unter denen man der einen oder anderen Aussage auch zustimmen könne, ohne Antisemit zu sein, und es wird auf komplexe Interpretationen wie z.B. einer Auseinandersetzung mit dem Zionismus verwiesen. Dem kann eindeutig entgegengehalten werden: In einzelnen Fällen mögen Befragte aus den unterschiedlichsten Gründen einzelnen Aussagen mehr oder auch weniger zugestimmt haben, als es sonst ihrer Grundhaltung entspricht. In einer repräsentativen Umfrage können wir jedoch nachweisen, dass dies Einzelfälle sind. Selbstverständlich ist empirisch nachzuweisen, dass die verschiedenen Einstellungen Meinungskonstrukte bilden.

Und noch einmal: Die Zustimmung zu einzelnen Indikatoren hängt überzufällig mit der Zustimmung zu anderen Indikatoren des Antisemitismus zusammen; zufällige Abweichungen scheinen nicht allzuhäufig vorzukommen. Zudem finden sich ebenfalls Zusammenhänge mit anderen Vorurteilen sowie Faktoren wie etwa dem Autoritarismus, welche theoretisch damit verknüpft sind. Mit Bedacht sprechen wir von antisemitischen Einstellungen, die mit bestimmter Häufigkeit vertreten werden, nicht von 'Antisemiten in unserer Gesellschaft'. Antisemitismus ist sozialpsychologisch keine Persönlichkeitseigenschaft, sondern eine soziale Einstellung, die in der Wechselwirkung von individuellen und Umweltfaktoren erlernt und weitergeben wird. Folgt man der vorgeschlagenen Interpretation des Antisemitismus als legitimierende Ideologie, dann ist aber nicht nur der spezifische Ausdruck antisemitischer Mentalitäten eine wichtige Frage der politischen Bildung, sondern auch: Was beabsichtigt der traditionelle und moderne Antisemitismus? Eine zivilgesellschaftliche Antwort auf die Frage hilft der Entmythologisierung.

Literatur

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Bergmann, W., Antisemitismus. Information zur politischen Bildung, Heft 271. Bundeszentrale für politische Bildung 2001.

Bergmann, W., Geschichte des Antisemitismus. München 2002.

Bergmann, W. (2004). Antisemitismus in Deutschland von 1945 bis heute. In S. Salzborn (Hrsg.), Antisemitismus: Geschichte und Gegenwart. Giessen: Netzwerk für politische Bildung, Kultur und Kommunikation e.V., 51-80.

Bergmann, W., Anti-Semitic attitudes in Europe – a comparative analysis. Journal of Social Issues, im Druck.

Bergmann, W./Heitmeyer, W., Antisemitismus: Verliert die Vorurteilsrepression ihre Wirkung? in: W. Heitmeyer (Hrsg.), Deutsche Zustände, Folge 3. Frankfurt a. M. 2005, 224-238. Bergmann, W./Wetzel, J., Manifestations of Anti-Semitism in the European Union. Synthesis Report on Behalf of the EUMC. Vienna 2003.

Cattacin, S./Gerber, B./Sardi, M./Wegener, R. Monitoring misanthrophy and rightwing extremist attitudes in Switzerland. An explorative study. Universität Genf 2005.

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Küpper, B./Zick, A., Riskanter Glaube: Religiosität und Abwertung. in: W. Heitmeyer (Hrsg.), Deutsche Zustände, Folge 4 (S. 179-188). Frankfurt a. M. 2006.

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Senatsverwaltung für Inneres Berlin, Abteilung Verfassungsschutz, Antisemitismus im extremistischen Spektrum Berlins. Berlin 2004.

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Zick, A./Küpper, B., Politische Mitte. Normal feindselig. in: W. Heitmeyer (Hrsg.), Deutsche Zustände, Folge 4. Frankfurt a. M. 2006b, 115-134.

Fußnoten

1.
aber nicht allein dadurch. Der Antisemitismus hat in der Propaganda eine tradierte Rolle, auf die der vorliegende Beitrag nicht näher eingehen kann.
2.
Die GMF-Studie führt seit 2002 jährlich eine repräsentative Meinungsumfrage durch sowie begleitend eine Längsschnittstudie, in der immer dieselben Personen befragt werden. Die Studie wird von Wilhelm Heitmeyer (Universität Bielefeld) geleitet und von einem Stiftungskonsortium der Volkswagen, Möllgaard und Freudenberg Stiftung gefördert. Wesentliche Ergebnisse sind jährlich in dem Band "Deutsche Zustände", hrsg. von W. Heitmeyer, Suhrkamp Verlag, dokumentiert.
3.
Ob sich offene und subtile Vorurteilsfacetten unterscheiden lassen, ist bereits eine empirische Frage.
4.
Es liegt eine Vielzahl von Theorien moderner Vorurteile vor, die sich z.B. darin unterscheiden, ob sie meinen, dass sich subtile Vorurteile eher im Verhalten zeigen, oder von unterschiedlichen Ursachen subtiler Vorurteile ausgehen (zur Übersicht vgl. Zick 1997).
5.
Es muss deutlich darauf hingewiesen werden, dass beide hier genannten Aussagen (Items) gemeinsam ein antisemitisches Vorurteil repräsentieren. Das zeigen Vortests und Analysen der Struktur der Einstellungen. Eine singuläre Interpretation der Ergebnisse zu Einzelitems macht keinen Sinn.
6.
Dass antisemitische Vorurteile durch aktuelle politische Ereignisse, die in stereotyper Weise medial vermittelt werden, 'angeheizt' werden können, zeigen eine Reihe von Medienanalyen (vgl. Dichanz/Breidenbach 2001; Zick/Küpper 2005a).
7.
Inwiefern das 'Triggern' eines spezifischen Vorurteils auch die Aktivierung anderer Vorurteile nach sich zieht, ist eine empirische Frage, der wir noch genauer nachgehen müssen.
8.
Abweichend dazu fungiert darunter z.T. auch Antisemitismus seitens muslimischer Immigranten.
9.
Vgl. zu den Facetten auch Heyder/Iser/Schmidt (2005), die insbesondere Kriterien definiert haben, um eine antisemitische und nicht antisemitische Israelkritik zu unterscheiden.
10.
vgl. dazu auch die aktuelle Studie von Brähler/Decker (2006) zum Rechtsextremismus in der Mitte.

Beate Küpper/Andreas Zick

Zur Person

Beate Küpper/Andreas Zick

Dr. Beate Küpper und Dr. Andreas Zick sind Mitarbeiter der GMF-Langzeitstudie über Menschenfeindlichkeit in Deutschland (2002-2012) am Institut für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld unter Prof. Wilhelm Heitmeyer. Dr. Andreas Zick ist derzeit Inhaber einer Vertretungsprofessur für Sozialpsychologie an der Fakultät Mathematik und Naturwissenschaften der TU Dresden.


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