zurück 
31.5.2012

Ausblick

Mit dem Wandel von einer Industrie- zu einer Wissensgesellschaft hat sich die deutsche Arbeitswelt grundlegend verändert. Dies wirkt sich auf der organisatorischen und individuellen Ebene aus. Zukünftig gilt es, Lösungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder zur stärkeren Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in Ausbildungsformen zu finden.

Die Arbeitswelt in Deutschland hat sich in den letzten Jahrzehnten mit dem Wandel von einer nationalstaatlich regulierten Industriegesellschaft zu einer innovationszentrierten Wissensgesellschaft grundlegend verändert. Auf der gesamtgesellschaftlichen Ebene dokumentiert sich dies insbesondere in einem zunehmenden Anteil produktionsnaher und sozialer Dienstleistungen, die durch komplexere, nur begrenzt planbare, interaktionsintensive Tätigkeiten gekennzeichnet sind. Damit verändern sich die Regulierungsformen von Arbeit und Ausbildung. Bisherige kollektive Interessenvertretungsmuster werden durch betriebliche und individuelle Aushandlungen unterminiert. Auch gewinnen schulische und universitäre Ausbildungsformen im Vergleich zur dualen Ausbildung an Bedeutung. Auf organisatorischer Ebene wird von den Beschäftigten durch neue, entgrenzte Arbeitskonzepte und durch die zunehmende Bedeutung atypischer Beschäftigungsformen ein erhebliches Maß an Flexibilität, Mobilität, Verantwortungs-, Lern- und Veränderungsbereitschaft abverlangt. Neue, wissensbasierte Organisationsformen gehen nicht nur mit einer höheren Eigenständigkeit, sondern auch mit psychischen Belastungen und Verunsicherungen einher. Auf der individuellen Ebene geht dies mit veränderten, subjektivierten Arbeitseinstellungen einher.

Für die Zukunft wird entscheidend sein, inwieweit die individuellen und gesellschaftlichen Folgekosten einer Subjektivierung und Entgrenzung der Arbeit gerade auch bei den "Subjektivierungsgewinnern" in Grenzen gehalten werden können, inwieweit die Vereinbarkeit beruflicher und familiärer Anforderungen sichergestellt werden kann, inwieweit insbesondere auch Menschen mit Migrationshintergrund stärker in berufliche Ausbildungsformen einbezogen werden können und inwieweit eine gesellschaftliche Polarisierung durch die Schaffung weniger anspruchsvoller Tätigkeiten bei personenbezogenen Dienstleistungen, durch eine stärkere Aktivierung von (Langzeit-) Arbeitslosen und eine deutliche Senkung der Abbrecherquoten auf allen Ebenen des Ausbildungssystems vermieden werden kann.

Martin Heidenreich, Sascha Zirra

Martin Heidenreich

Martin Heidenreich, geb. 1956, Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften in Bielefeld, Bologna und Paris. Professor für Sozialstrukturanalyse und Inhaber des Jean Monnet Chair for European Studies in Social Sciences an der Universität Oldenburg. Arbeitsschwerpunkte: Sozialstrukturanalyse, Organisations-, Regional- und Europaforschung. Wichtigste Publikationen: Heidenreich u. a., 2012: Multinational Enterprises and Innovation: Regional Learning in Networks. London: Routledge; Heidenreich/Zeitlin (Hg.), 2009: Changing European Employment and Welfare Regimes. London: Routledge; Heidenreich, 2003: Territoriale Ungleichheiten in der erweiterten EU. KZfSS 55(1): 1-28; Cooke/Heidenreich/Braczyk (Hg.): Regional Innovation Systems. London: Routledge.


Sascha Zirra

Sascha Zirra, geb. 1976, Studium der Soziologie in Bamberg, Promotion in Oldenburg, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit. Arbeitsschwerpunkte: Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitiken, Europäisierungsprozesse. Wichtige Publikationen: Zirra, 2010: Die Europäisierung nationaler Beschäftigungspolitik. Wiesbaden: VS-Verlag; Explaining Selective Flexicurity in Continetal Countries. Les Cahiers européens de Sciences Po 1/2010; Preunkert/Zirra, 2009: Europeanization of Domestic Employment and Welfare. In: Heidenreich/Zeitlin (Hg.): Changing European Employment and Welfare Regimes. London: Routledge, 192 –113.


Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln