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26.8.2020

Die soziale Zusammensetzung der Parteimitgliederschaften

Die Mitgliederschaften der Parteien sind unterschiedlich zusammengesetzt. In allen Parteien sind Frauen, Jüngere und Personen mit niedriger Bildung gegenüber der Gesamtbevölkerung unterrepräsentiert, Personen mit höherer Bildung sowie Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst dagegen deutlich überrepräsentiert.

Die Verteilung der Bevölkerung nach Geschlecht wird in den Mitgliederschaften der Parteien nicht widergespiegelt. Die Frauen, die etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, sind in allen Parteien mehr oder minder stark unterrepräsentiert. In der AfD stellen sie nur 18 Prozent, in der CSU und der FDP stellen sie jeweils nur gut ein Fünftel der Mitglieder, in der CDU ein gutes Viertel und in der SPD ein Drittel. In der Linkspartei gibt es 36 Prozent, bei den Grünen 41 Prozent Frauen.

Über die Zeit hinweg ist der Frauenanteil an den Mitgliederschaften in allen Parteien außer der FDP und der Linkspartei gestiegen. Im Jahr 1947 waren nur 18 Prozent der SPD-Mitglieder Frauen. Anfang der 1960er-Jahre betrug der Frauenanteil bei der CDU etwa 14 und bei der SPD knapp 19 Prozent und bis Ende der 1960er-Jahre ging er in beiden Parteien sogar noch etwas zurück. Seit Anfang der 1970er-Jahre steigt bei CDU und SPD der Frauenanteil langsam aber stetig. Ende 2019 waren 27 Prozent der CDU-Mitglieder und 33 Prozent der SPD-Mitglieder Frauen.

Die Grünen hatten Ende der 1980er-Jahre einen deutlich höheren Frauenanteil als die anderen Parteien. Damals war ein Drittel ihrer Mitgliederschaft weiblich. Bis 2001 steigerte sich der Frauenanteil in der Partei auf über 37 Prozent und blieb über ein Jahrzehnt in etwa stabil bevor er in den letzten Jahren bis Ende 2019 auf 41 Prozent stieg.

Nach der Wiedervereinigung 1990 wurden die Grünen überflügelt von der neu hinzugekommenen PDS, die anfangs fast 44 Prozent und 1997 sogar über 46 Prozent Frauen unter ihrer Mitgliederschaft hatte. Der große Vorsprung der PDS blieb bis 2006 erhalten. Die Vereinigung mit der stärker männerdominierten WASG ließ den Frauenanteil in der Linkspartei jedoch deutlich absinken und seit 2012 liegt der Frauenanteil bei den Grünen wieder über dem der Linkspartei, die Ende 2019 36 Prozent weibliche Mitglieder hatte.

In der FDP ist der Frauenanteil von 1996 bis 2019 langsam von 25 auf 22 Prozent gesunken. Noch deutlich geringer war der Frauenanteil über lange Zeit bei der CSU, die im Jahr 1973 nur 10 Prozent Frauen aufwies. Auch hier stieg der Frauenanteil stetig, sodass Ende 2019 21 Prozent der CSU-Mitgliederschaft weiblich waren. Die AfD hatte 2013 einen Frauenanteil von 15 Prozent, der bis Ende 2019 auf 18 Prozent stieg.

Betrachtet man die Altersverteilung der Mitgliederschaften, so wird deutlich, dass jüngere Bürgerinnen und Bürger bis 30 Jahre in allen Parteien deutlich unterrepräsentiert sind: In die CDU, CSU und FDP eintreten kann man ab 16 Jahren, und zwar in die CDU nur außerhalb Bayerns und in die CSU nur in Bayern. Während die Gruppe der 16-30-Jährigen unter der nichtbayerischen Bevölkerung ab 16 Jahren Ende 2019 knapp 20 Prozent und in Bayern knapp 21 Prozent ausmachte, gehörten nur knapp 6 Prozent der CDU-Mitglieder und 5 Prozent der CSU-Mitglieder dieser Gruppe an. Gesamtdeutsch lag der Anteil der 16-30-Jährigen Ende 2019 bei knapp 20 Prozent, unter den FDP-Mitgliedern lag er bei nur 17 Prozent. Bei der SPD und der Linkspartei beträgt das Mindestalter 14 Jahre, die Grünen haben keine Altersbeschränkung, wobei nur sehr wenige Personen unter 14 Jahren in die Partei eintreten. Gut 21 Prozent der Gesamtbevölkerung Deutschlands ab 14 Jahren gehörten Ende 2019 der Gruppe der 14-30-Jährigen an, bei den Mitgliedern der SPD waren es dagegen nur knapp 8 Prozent, bei den Grünen knapp 18 Prozent und bei der Linkspartei gut 19 Prozent.

Mitte der 1970er-Jahre gehörte noch gut ein Fünftel der SPD-Mitglieder zu dieser Gruppe. In der Folgezeit sank der Anteil jüngerer Mitglieder jedoch dramatisch auf nur noch gut 4 Prozent in den Jahren 2000/2001. Danach ging es wieder etwas bergauf, von 2010 bis 2016 stagnierte der Anteil der Jüngeren, bis 2018 stieg er wieder etwas und 2019 ist ein erneutes Abfallen zu beobachten. Bei CDU und CSU ging der der Anteil der jüngeren Mitglieder von zunächst etwa 11 Prozent auf 5-6 Prozent Mitte der 1990er-Jahre zurück und änderte sich danach nicht mehr wesentlich.

Bei den Grünen ging der Anteil der Jüngeren zunächst von 13 auf 17 Prozent deutlich nach oben, sank danach bis 2015 auf 13 Prozent und erhöhte sich bis 2019 wieder kontinuierlich bis auf 18 Prozent. Auch die FDP konnte den Anteil der Jüngeren von Mitte der 1990er-Jahre bis 2009 von 8 auf 13 Prozent steigern, danach ging er aber wieder bis auf 10 Prozent im Jahr 2015 zurück und stieg seither wieder stark auf 17 Prozent. Die Linkspartei hatte bis Mitte der 2000er-Jahre den geringsten Anteil jüngerer Mitglieder, konnte ihn danach jedoch wesentlich steigern, überholte 2017 die Grünen und hat Ende 2019 mit gut 19 Prozent den höchsten Anteil an jüngeren Mitgliedern.

Die Älteren, d.h. die Personen über 60 Jahren, sind in den Mitgliederschaften aller Parteien außer den Grünen im Vergleich zur Bevölkerung mehr oder minder deutlich überrepräsentiert. Ende 2019 gehörten 32 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahren außerhalb Bayerns und 30 Prozent in Bayern dieser Gruppe an. Bei der CDU zählten Ende 2019 über die Hälfte, bei der CSU knapp die Hälfte der Mitglieder zu dieser Gruppe. Gesamtdeutsch lag der Anteil der über 60-Jährigen Ende 2019 bei knapp 32 Prozent, unter den FDP-Mitgliedern lag er bei gut 33 Prozent. Von der Gesamtbevölkerung ab 14 Jahren waren Ende 2019 31 Prozent älter als 60 Jahre. Bei der SPD lag der Anteil bei über 56 Prozent, bei der Linkspartei zählten 44 Prozent zu dieser Gruppe. Unter den Grünen-Mitgliedern sind die über 60-Jährigen mit 24 Prozent demgegenüber deutlich unterrepräsentiert. Der Anteil älterer Parteimitglieder hat im Zeitverlauf bei SPD, CDU und CSU deutlich zugenommen. Die Linkspartei hatte zu PDS-Zeiten mit großem Abstand zu den anderen Parteien den höchsten Anteil an älteren Mitgliedern. Nach der Vereinigung mit der WASG sank der Anteil zunächst deutlich, stieg danach wieder etwas an und ist seit 2017 wieder unter den Anteil der erstgenannten Parteien gefallen. Bei der FDP stieg der Anteil der Älteren bis 2015 und ist seither von knapp 40 auf 33 Prozent gefallen. Bei den Grünen stieg der Anteil von 11 auf 24 Prozent Ende 2019. Zu den anderen sozialstrukturellen Merkmalen der Parteimitgliederschaften, also Bildung, Beruf, Gewerkschaftsmitgliedschaft und Konfession, liegen nur Daten aus dem Jahr 2017 vor.

Bürgerinnen und Bürger mit Hauptschulabschluss bzw. ohne Schulabschluss sind in allen Parteien unterrepräsentiert. Personen mit (Fach-)Abitur oder Hochschulabschluss finden sich dagegen in allen Parteien zu einem deutlich höheren Anteil als in der Bevölkerung.

Mit Abstand den geringsten Anteil an Hauptschülern mit und ohne Abschluss und den höchsten Anteil an (Fach-)Hochschulabsolventen aller Parteien haben mit 4 Prozent bzw. 72 Prozent die Grünen. Danach folgt die FDP mit 8 Prozent Hauptschülern und 63 Prozent Hochschulabsolventen. In der Mitgliederschaft der Linken haben 13 Prozent die Hauptschule mit oder ohne Abschluss besucht und 51 Prozent haben ein (Fach-)Hochschulstudium abgeschlossen. In der CDU-Mitgliederschaft gehören 20 Prozent zur Gruppe mit niedriger und 43 Prozent zur Gruppe mit hoher Bildung, bei der SPD sind es 23 Prozent bzw. 41 Prozent. In der CSU-Mitgliedschaft ist die Unter- bzw. Überrepräsentation der beiden Bildungsgruppen noch am schwächsten ausgeprägt: Hier gibt es 31 Prozent Hauptschüler und 34 Prozent Hochschulabsolventen, während in der Gesamtbevölkerung 36 bzw. 18 Prozent diesen beiden Gruppen angehören.

Deutliche Unterschiede gibt es auch bei der Gewerkschaftszugehörigkeit der Parteimitglieder. Mit 35 bzw. 33 Prozent ist der Anteil der Gewerkschaftsmitglieder in der SPD bzw. der Linkspartei gut zweieinhalbmal so hoch wie in der Gesamtbevölkerung mit 13 Prozent. Auch bei den Grünen sind Gewerkschaftsmitglieder überrepräsentiert, bei der CDU und CSU hingegen unterrepräsentiert. Den geringsten Anteil an gewerkschaftlich organisierten Mitgliedern hat mit 7 Prozent die FDP.

Auch in Bezug auf ihre Konfessionszugehörigkeit unterscheiden sich die Parteimitgliederschaften stark. Unter den Mitgliedern der beiden christdemokratischen Parteien sind die Katholiken erwartungsgemäß weit stärker vertreten als in der Gesamtbevölkerung, deutlich unterrepräsentiert sind dagegen die Konfessionslosen. Bei der SPD und der FDP sind die Protestanten über- und die Katholiken leicht unterrepräsentiert. Die Grünen haben einen überproportionalen Anteil an Konfessionslosen, der von der Mitgliederschaft der Linkspartei noch deutlich übertroffen wird: Fast vier Fünftel der Linken-Mitglieder sind konfessionslos.

Datenquellen

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Informationen über die soziale Zusammensetzung der Parteimitgliedschaften liefern zunächst einmal die Mitgliederdateien der Parteien. Da die Informationen aber nur beim Parteieintritt erhoben und später nicht aktualisiert werden, sind sie nur für solche Daten zuverlässig, die sich im Zeitablauf nicht oder auf berechenbare Weise ändern, d.h. für das Geschlecht und das Alter der Mitglieder. Für andere Informationen muss daher auf die zweite Quelle von Mitgliederdaten zurückgegriffen werden: die wissenschaftlichen Mitgliederumfragen, die leider nur selten und in unregelmäßigen Abständen stattfinden. Die neueste Umfrage ist von 2017.

Daten über den Frauenanteil und die Altersstruktur der Parteimitgliedschaften liegen bei den einzelnen Parteien für sehr unterschiedliche Zeiträume vor. Während die SPD den Frauen-/Männeranteil seit 1946 dokumentiert, liegen die Daten für die CDU-Mitgliedschaft erst seit Anfang der 1960er-Jahre und für die CSU erst seit Anfang der 1970er-Jahre mit Lücken bis 2000 vor. Bei den drei anderen Parteien ist der Frauenanteil lückenlos sogar erst ab der zweiten Hälfte der 1990er Jahre vorhanden. Für die AfD liegen Daten über die soziale Zusammensetzung der Mitgliedschaft außer dem Frauenanteil nicht vor.

Die Altersstruktur lässt sich bei der CDU für die Jahre 1970 und 1980 berechnen, ab 1984 sind die Daten lückenlos vorhanden. Die SPD dokumentiert die Altersstruktur seit 1974 kontinuierlich, bei der CSU bestehen von 1975 bis 1999 mehrere Lücken. Für die Linkspartei sind die Daten erst ab 1999 vorhanden und die Grünen dokumentieren die Altersstruktur ihrer Mitgliedschaft erst seit 2007, wobei in diesem Jahr die Geburtsdaten von nur 81 Prozent der Mitglieder ausgewertet waren.

Ein weiteres Problem der Vergleichbarkeit zwischen den Parteien besteht darin, dass die einzelnen Parteien früher unterschiedliche Altersgruppeneinteilungen vorgenommen haben (CDU, SPD und Grüne bis 29/ab 60 Jahre, CSU und Linkspartei bis 30/ab 61 Jahre). Erst ab 2008 gelten einheitliche Gruppeneinteilungen.
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Oskar Niedermayer

Oskar Niedermayer

Prof. Dr. Oskar Niedermayer ist emeritierter Professor und ehemaliger Leiter des Otto-Stammer-Zentrums an der Freien Universität Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind Parteien, Wahlen und Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland.


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