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1.11.2018

Der 9. November in der deutschen Geschichte

1848, 1918, 1923, 1938, 1989: Der 9. November gilt als "Schicksalstag" in der deutschen Geschichte. Jedes Jahr fallen an diesem Tag Feier- und Gedenkstunden zusammen. 1938 gipfelte an diesem Tag der staatliche Antisemitismus in einem Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung.

Gedenkstaette "Platz des 9. November 1989" an der Bornholmer Straße (im Bereich der Boesebruecke) in Berlin. (© picture-alliance, Eventpress)


Der 9. November markierte in der deutschen Geschichte häufig einen epochalen Wendepunkt. Das jüngste historische Ereignis an diesem Tag war der Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989, die 28 Jahre lang die beiden deutschen Staaten teilte. Am gleichen Datum 51 Jahre zuvor fand die gewaltsame Judenverfolgung in Deutschland einen ersten Höhepunkt. In der Nacht zum 9. November 1938 wurden auf Geheiß der nationalsozialistischen Führungsriege in ganz Deutschland Läden und Wohnungen jüdischer Bürger geplündert und zerstört, Synagogen in Brand gesetzt und Juden ermordet. Der Tag ging als "Reichspogromnacht" in die Geschichtsbücher ein.

Der 9. November trat in der deutschen Geschichte mehrmals in den Fokus:

1848: Scheitern der Märzrevolution



"Ich sterbe für die Freiheit", lauteten die letzten Worte des Abgeordneten Robert Blum. Am 9. November 1848 wurde der Demokrat in Wien von den Truppen der Gegenrevolution erschossen. Das Ereignis markierte den Anfang vom Ende der so genannten Märzrevolution in den Staaten des Deutschen Bundes. Begonnen hatte das revolutionäre Zeitalter in Frankreich, es erfasste nahezu ganz Europa und erreichte schließlich auch Deutschland. Geistiges Fundament der Revolutionsbewegung war die Forderung nach einer Verfassung, die den Ausgleich von monarchischer Autorität und Volkssouveränität bringen sollte. Zudem standen im Mittelpunkt die nationale Frage - die Forderung nach nationaler Einheit und Unabhängigkeit - und die soziale Frage, insbesondere die Forderung nach vollständiger Bauernbefreiung und sozialer Sicherung der freien Lohnarbeiter. Doch der erste Versuch, Deutschland als Teil einer europäischen Modernisierung nach freiheitlichen und nationalen Leitvorstellungen auszurichten, scheiterte am Widerstand der reaktionären Kräfte.

Mehr zur Märzrevolution: Informationen zur politischen Bildung: Revolution von 1848

1918: Novemberrevolution



Im Herbst 1918 überschlugen sich im Deutschen Reich die Ereignisse. Angesichts der bereits feststehenden Niederlage der Deutschen im Ersten Weltkrieg wurde der Ruf nach Frieden und der Abdankung des Kaisers lauter. Es kam zu einer Revolutionsbewegung. Betriebe wurden bestreikt, in vielen Städten bildeten sich Arbeiter- und Soldatenräte. Am 9. November erfasste die Revolution auch Berlin, wo Reichskanzler Prinz Maximilian von Baden aus Sorge vor einem radikalen politischen Umsturz eigenmächtig die Abdankung des Kaisers bekannt gab. Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Philipp Scheidemann rief daraufhin von einem Balkon des Berliner Reichstags die erste deutsche Republik aus und besiegelte damit das Ende der Hohenzollernherrschaft. Er kam damit Karl Liebknecht zwei Stunden zuvor, der vom Balkon des Berliner Schlosses die "freie sozialistische Republik Deutschland" ausrief. Diese doppelte Ausrufung der Republik zeigte die frühe Polarisierung, die es der jungen Republik von Anfang an schwer machte: Ihr fehlte es an Rückhalt in der Bevölkerung, an Geschlossenheit und Unterstützung durch die exekutive Gewalt. Massenarbeitslosigkeit, Kriegsschäden und Reparationsforderungen aus dem Ersten Weltkrieg stellten die Weimarer Demokratie vor eine Zerreißprobe. Europaweit erlangten antidemokratische Strömungen Aufwind und lieferten den Nährboden für den aufkommenden Nationalsozialismus.

Mehr zur Novemberrevolution: Dossier Erster Weltkrieg: Das Ende des Kaiserreichs und neu: "Dossier Weimarer Republik"

1923: Hitler-Ludendorff-Putsch



Inflation, kommunistische Unruhen und die französische Besetzung des Ruhrgebietes begünstigten Anfang der 1920er Jahre die Entstehung reaktionärer und nationalistischer Strömungen. In dieser instabilen politischen Lage plante Adolf Hitler als Parteiführer der NSDAP in München einen gewaltsamen Putsch. Sein Ziel war es, die Regierung in Berlin abzusetzen und selbst die Macht in einer nationalen Diktatur zu erringen. Am Sonntagmorgen des 9. November 1923 marschierte Hitler zusammen mit General Erich Ludendorff und weiteren Anhängern zur Feldherrnhalle in München. Doch die bayerische Polizei stoppte den Marsch und damit auch Hitlers Versuch, gewaltsam an die Macht zu gelangen. Die NSDAP wurde daraufhin verboten, Hitler zu fünf Jahren Haft verurteilt. Zehn Jahre später gelang es ihm, auf legalem Wege an die Macht zu gelangen.

Mehr zum Hitler-Ludendorff-Putsch: Informationen zur politischen Bildung: Nationalsozialismus - Aufstieg und Herrschaft

1938: Novemberpogrom



In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 organisierten SA-Truppen und Angehörige der SS gewalttätige Übergriffe auf die jüdische Bevölkerung. Zuvor hatte Propagandaminister Joseph Goebbels in einer Rede betont, Ausschreitungen gegen Juden seien "von der Partei weder vorzubereiten noch zu organisieren". Allerdings sei ihnen "soweit sie spontan entstünden auch nicht entgegenzutreten".

Die bei dieser Rede anwesende NS-Führung verständigte noch am selben Abend ihre Gauleitungen. Die Staatspolizei solle Plünderungen verhindern, aber sonst nicht eingreifen. Brände sollen nur gelöscht werden, um umliegende Gebäude zu schützen. Gleichzeitig wurde befohlen, in allen Bezirken so viele Juden wie möglich festzunehmen. Mindestens 8.000 jüdische Geschäfte wurden zerstört, 1.200 Synagogen niedergebrannt sowie zahllose Wohnungen verwüstet. Etwa 100 Juden wurden erschlagen, niedergestochen oder zu Tode geprügelt. In den Tagen darauf wurden im ganzen deutschen Reich etwa 30.000 jüdische Männer verhaftet und in die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen verschleppt.

Die antisemitischen Ausschreitungen waren von der nationalsozialistischen Führung organisiert.Sie trieb die Diskriminierung und Verfolgung jüdischer Bürger seit der "Machtergreifung" Hitlers 1933 systematisch voran. Die Übergriffe am 9. November 1938 gingen als "Reichspogromnacht" in die Geschichte ein. Sie war ein Wendepunkt in der Geschichte der Judenverfolgung im nationalsozialistischen Deutschland, obwohl auch davor schon Synagogen in Brand gesetzt worden waren. Die erste systematische reichsweite Aktion gegen die jüdische Bevölkerung war der Boykott jüdischer Geschäfte im April 1933. Mit den Nürnberger Gesetzen von 1935 wurde antisemitischen Überzeugungen auch gesetzlicher Rückhalt verschafft. In den Tagen und Monaten nach den Pogromen wurde eine neue Welle von Gesetzen verabschiedet, die die Rechte der jüdischen Bevölkerung noch weiter einschränkten.

Mehr zur "Reichspogromnacht": Hintergrund aktuell: 9. November 1938

1989: Fall der Berliner Mauer



500.000 Demonstranten versammelten sich am 4. November 1989 zu einer Kundgebung auf dem Berliner Alexanderplatz, ebenso viele zwei Tage später in Leipzig - die Demonstrationsbewegung gegen das SED-Regime in der DDR erreichte Anfang November 1989 ihren Höhepunkt. Unter dem Druck der tausendfachen Ausreise von DDR-Bürgern über Ungarn und der Montagsdemonstrationen in Leipzig und anderen ostdeutschen Städten zerfiel das SED-Regime. Am 7. November trat zunächst die DDR-Regierung, der Ministerrat, zurück, einen Tag später auch das Politbüro. Sie machten einer neuen Führung Platz. Am Abend des 9. November verkündete DDR-Politbüro-Mitglied Günter Schabowski auf einer Pressekonferenz überraschend die sofortige Öffnung der Mauer: Die neue Reiseregelung für DDR-Bürger trete "sofort" in Kraft. Daraufhin strömten tausende Ostberliner an die Grenzübergänge ihrer Stadt. Gegen 23.30 Uhr konnten die Grenzsoldaten am Grenzübergang Bornholmer Straße dem Andrang der Menschen nicht mehr standhalten. Der Übergang wurde geöffnet. Der Weg zur deutschen Wiedervereinigung war frei.

Mehr zum Fall der Berliner Mauer: Hintergrund aktuell: Als die Mauer fiel - der 9. November 1989 und Chronologie auf www.chronik-der-mauer.de

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