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6.11.2019

Als die Mauer fiel - der 9. November 1989


Vor 30 Jahren fiel die Berliner Mauer. Der Weg zur Wiedervereinigung war frei.

In der Nacht vom 9. November auf den 10. November 1989 steigen Menschen auf die Berliner Mauer vor dem Brandenburger Tor und feiern die Öffnung der Grenzübergänge. (© picture-alliance/dpa)


Der 9. November 1989 und die folgende Nacht bedeuteten das Ende der Mauer, die 28 Jahre lang Ost- und Westberlin geteilt hatte. Tausende Berlinerinnen und Berliner strömten an diesem Abend zu den Grenzübergängen, nachdem die DDR-Regierung vorzeitig eine neue Reiseregelung verkündet hatte. Die Grenzpolizisten konnten dem Andrang der Menschen nicht mehr standhalten – kurz nach Mitternacht waren alle Grenzübergänge der Stadt geöffnet.

Friedliche Revolution und Ausreisewelle schwächen das Regime


Die Ereignisse am 9. November folgten auf die massenhafte Ausreise von DDR-Bürgerinnen und -Bürgern sowie die friedlichen Proteste in der DDR. Sie sind gleichzeitig eingebettet in den Reform- und Öffnungsprozess, den Michail Gorbatschow nach seiner Ernennung zum Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) 1985 in Gang gesetzt und der auf viele Partnerstaaten der UdSSR ausgestrahlt hatte.

Besondere Bedeutung für den Fall der Mauer kommt der Tatsache zu, dass Ungarn bereits im Mai 1989 die Grenzsicherungsanlagen zu Österreich hatte abbauen lassen. In der Folge nutzten immer mehr DDR-Bürgerinnen und -Bürger diese offene Grenze für die Flucht in den Westen. Wenig später wurden westliche Botschaften in Prag, Budapest, Warschau und Ost-Berlin zu Zufluchtsstätten Ausreisewilliger. Viele Oppositionelle entschieden sich jedoch, in der DDR zu bleiben und gegen die staatlichen Repressionen zu demonstrieren. Der Widerstand von innen zeigte sich in landesweiten Protesten – etwa gegen die Manipulationen bei den Kommunalwahlen im Mai 1989. Ab September fanden wöchentlich Montagsdemonstrationen statt, denen sich Mitte Oktober allein in Leipzig bereits 70.000 Menschen anschlossen. Am 4. November kam es schließlich in Berlin zur größten Demonstration in der Geschichte der DDR.


9. November: Reisegesetz im Fokus 


Unter dem Druck der Ereignisse eröffnete das SED-Zentralkomitee (ZK) am 8. November eine dreitägige Sitzung. Zu deren Beginn trat das Politbüro geschlossen zurück. Nach dem Sturz des langjährigen Parteichefs Erich Honecker wenige Wochen zuvor hoffte die neue SED-Führung um Egon Krenz und Hans Modrow, die Situation in der DDR wieder stabilisieren zu können – unter anderem mit einem neuen Reisegesetz. Schon am 6. November war ein Entwurf öffentlich geworden und hatte für heftige Proteste gesorgt, weil er den Bürgerinnen und Bürgern nur eine erheblich eingeschränkte Reisefreiheit in Aussicht stellte.

SED-Generalsekretär Krenz erläuterte dem Zentralkomitee am Nachmittag des 9. November die von der Regierung vorgesehenen Änderungen am Reisegesetz. Doch nicht alle ZK-Mitglieder waren anwesend; auch der neue Sekretär für Information, Günter Schabowski, fehlte. Dieser sollte die internationalen Medien im Anschluss über den Sitzungstag informieren. Kurz vor Beginn der Pressekonferenz um 18 Uhr erhielt er dafür von Krenz die entsprechende Beschlussvorlage. Die neue Regelung sollte am 10. November in Kraft treten, um ausreichend Zeit zu haben alle Grenzposten zu informieren.

"Sofort, unverzüglich"


 Im Zentrum der Pressekonferenz stand zunächst nicht das geplante Reisegesetz. Die Nachfrage eines Journalisten veranlasste Schabowski jedoch, um kurz vor 19 Uhr die Reiseregelungen genauer auszuführen.

Er sagte, der Ministerrat habe beschlossen, dass die ständige Ausreise aus der DDR über alle Grenzübergangsstellen zur BRD beziehungsweise West-Berlin allen DDR-Bürgerinnen und -Bürgern möglich sein solle: „Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen, Reiseanlässen und Verwandtschaftsverhältnissen, beantragt werden, die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt.“ Er las weiter vor, dass die Behörden angewiesen seien, Pässe und Visa "unverzüglich" zu erteilen.

Dann fügte er den Satz hinzu, der dazu führte, dass tausende Ostberlinerinnen und -Berliner in den folgenden Stunden zu den Grenzübergängen ihrer Stadt strömten: dass diese Regelung seiner Kenntnis nach „sofort, unverzüglich“ in Kraft trete. Nachrichtenagenturen und Fernsehsender berichteten daraufhin, dass die DDR mit sofortiger Wirkung ihre Grenzen öffne.

Grenze geöffnet



Die Information verbreitete sich schnell und im Laufe des Abends kamen immer mehr Menschen zu den Grenzübergängen. Zuerst sollte eine „Ventillösung“ die Lage beruhigen: Einzelne DDR-Bürgerinnen und -Bürger konnten die Grenze überqueren. Doch gegen 23.30 Uhr gaben die Diensthabenden am Übergang Bornholmer Straße in Berlin-Wedding dem Drängen nach und öffneten die Grenze vollständig.

9. November 1989: Tanz auf der Mauer

Der Werkzeugmacher Ralf Dickel, 34, aus dem Ost-Berliner Bezirk Prenzlauer Berg ist einer der ersten, die an jenem Donnerstag abend durch die Mauer kommen. Zuerst sehen wir nur seinen Kopf, den er neugierig um die Beton-Mauer reckt – wie jemand, der einen scheuen Blick in ein verbotenes Zimmer riskiert. Dann geht er zögernd ein paar Schritte weiter und schaut sich verstohlen um, als ob er fürchtet, doch noch an seinem grünen Parka zurückgehalten zu werden. Schließlich ist er da.


Kurz nach Mitternacht standen bereits alle Grenzübergänge in Berlin offen. Die Menschen brachen in Freudentränen aus und lagen sich jubelnd in den Armen. Am Brandenburger Tor stiegen Ost- und Westberlinerinnen und -Berliner auf die Mauer und tanzten und feierten stundenlang. Ein Einsatzbefehl für die DDR-Grenzpolizei blieb aus.

Weniger als ein Jahr später, am 3. Oktober 1990, war die DDR Geschichte, die Deutschen feierten die Vereinigung ihrer beiden Staaten.

Feierlichkeiten zum 30-Jährigen Jubiläum

Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls erinnert Berlin mit einer Festwoche an die historischen Ereignisse. Neben den Erfolgen der Friedlichen Revolution stehen dabei auch die Aufarbeitung der SED-Diktatur sowie die erheblichen Umwälzungen im Fokus, die vor allem für die ostdeutschen Bundesländer mit dem Vereinigungsprozess einhergingen.

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