Bilder des Artikels: 8. März: Internationaler Frauentag


Performance "Ein Vergewaltiger auf Deinem Weg" am 6. Dezember 2019 in Buenos Aires. Die Protest-Performance geht auf das feministische Kollektiv "Las Tesis" in Chile zurück. Mit deren Aufführung wurde Ende 2019 überall auf der Welt körperliche und sexualisierte Gewalt gegen Frauen angeklagt. (© picture alliance / NurPhoto)


Die Geschichte des Frauentags begann 1908 in den USA, er verbreitete sich in den Folgejahren in Europa und wurde 1975 weltweit von der UNO institutionalisiert – als Internationaler Frauentag.

Am 19. Dezember 1908 rief die Frauenorganisation der Sozialistischen Partei Amerikas (Socialist Party of America, SPA) erstmals einen "Frauentag“ ins Leben, um eine "nationale sozialistische Demonstration“ für das Frauenwahlrecht zu veranstalten. Er sollte an jedem letzten Sonntag im Februar stattfinden, erstmals am 28. Februar 1909. Der Tag sollte zugleich auch an einen Streik von Hemden-Näherinnen in New York im Jahr 1908 erinnern, die gegen ihre Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie protestiert hatten. [2]

1910 übernahm die Frauenkonferenz der Sozialistischen Internationale in Kopenhagen den Gedanken des Frauentags, zunächst ohne ein festes Datum damit zu verbinden. 100 Frauen aus 17 Ländern stimmten für einen Vorschlag der deutschen Delegation, mit einem Frauentag den Kampf für Frauenrechte und für das Frauenwahlrecht zu unterstreichen. Mit der Forderung "Keine Sonderrechte, sondern Menschenrechte" für Frauen hatte die deutsche Sozialistin Clara Zetkin auf dem Kongress für Zustimmung geworben. Unter den Teilnehmerinnen waren auch die ersten drei jemals in ein Parlament gewählten Frauen, sie kamen aus Finnland.

Plakat für den Frauentag am 8. März 1914. Entwurf Karl Maria Stadler. (© picture-alliance / akg-images)

Am 19. März 1911 folgten etwa eine Millionen Menschen in Deutschland, Österreich, Dänemark und der Schweiz einem ersten Aufruf von Gewerkschaften, Sozialdemokraten und Sozialisten zu einem "Ehrentag“ für Frauen. Sie forderten gleiche Rechte wie Männer im Arbeitsleben, das Wahlrecht für Frauen und mehr politische Teilhabe. Außer in Finnland, geregelt durch die Landtagsordnung von 1906, durften zu diesem Zeitpunkt in keinem europäischen Land Frauen wählen oder gewählt werden. In Deutschland wurde Frauen dieses Recht erst 1918 zugestanden.

1913 und 1914 wandelte sich der Internationale Frauentag zum Protesttag gegen Krieg. Auch Frauen in Russland beteiligten sich nun und riefen den letzten Sonntag im Februar zum jährlichen Frauentag aus. Angesichts der wachsenden Hungerkatastrophe infolge des Ersten Weltkriegs wählten die Frauen in Russland 1917 das Motto "Für Brot und Frieden“. Der Streik von Frauen des Petrograder Rüstungsbetriebs Putilow unter dieser Parole gilt als Auftakt der russischen "Februarrevolution", obwohl die Demonstration nach heutiger Zeitrechnung nicht am 23. Februar, sondern nach gregorianischem Kalender erst am 8. März 1917 stattfand.

Dieses Datum, den 8. März, erklärte die UNO im Rahmen des "Internationalen Frauenjahrs" 1975, schließlich zum "International Women’s Day“ (IWD). Zwei Jahre später, im Dezember 1977, proklamierte ihn die UNO-Generalversammlung offiziell als "Tag für die Rechte der Frau und den Weltfrieden" und forderte, dass er künftig jährlich in jedem Mitgliedsland begangen werden soll. In 26 Staaten wurde der 8. März sogar zum gesetzlichen Feiertag – darunter viele ehemals sozialistische Staaten, wie Russland, Belarus, Ukraine, Georgien und die Republik Moldau, aber auch Nepal, Burkina Faso oder Sambia.

Entwicklung in Deutschland

Die Nationalsozialisten hatten den Frauentag 1933 wegen seiner sozialistischen Tradition verboten. In der Sowjetzone und der späteren DDR kam ihm dagegen nach dem Zweiten Weltkrieg eine erhebliche propagandistische Bedeutung zu. Hier galt die gleichberechtigte und vollzeitbeschäftigte Frau und Mutter als gesellschaftliches und politisches Leitbild. Anders als in anderen sozialistischen Staaten wurde der 8. März in der DDR jedoch nicht zu einem gesetzlichen Feiertag.

In Westdeutschland gewann der 8. März durch die Frauenbewegung Ende der 1960er Jahre an Bedeutung. Den Teilnehmenden an Protestmärschen ging es nicht nur darum, dass Frauen gleichberechtigt in der Gesellschaft mitentscheiden, ohne Bedrohung durch Gewalt und Diskriminierung leben und ohne Zustimmung des Ehegatten eine Erwerbsarbeit aufnehmen dürfen. Ebenso im Fokus stand das Recht der Selbstbestimmung über den eigenen Körper, um beispielsweise legal abtreiben zu dürfen.

Zuletzt sorgte das Berliner Abgeordnetenhaus für Aufsehen, das den 8. März zum jährlich arbeitsfreien Feiertag erklärte: Am 24. Januar 2019 wurde eine entsprechende Änderung des Sonn- und Feiertagsgesetzes verabschiedet.

i

Internationaler Frauentag 2020

2020 steht der Internationale Frauentag unter dem Motto “Ich bin Generation Gleichberechtigung: Frauenrechte verwirklichen“ (“I am Generation Equality: Realizing Women’s Rights“) und ist Teil der Kampagne "Generation Gleichberechtigung" von UN Women. Mit dieser soll laut UN Women die nächste Generation junger Frauenrechtsaktivistinnen und -aktivisten mit älteren Mitgliedern der Frauenbewegung vernetzt werden, damit Frauen und Männer aller Altersgruppen gemeinsam echte Gleichstellung erreichen.

Beim diesjährigen Internationalen Frauentag stehen unter anderem die Mobilisierung für ein Ende der Gewalt gegen Frauen, wirtschaftliche Gleichberechtigung, politische Mitbestimmung und Repräsentanz, gleiche Rechte sowie die körperliche Autonomie von Frauen im Vordergrund.

Frauen weltweit nach wie vor stark benachteiligt

Frauen werden weltweit noch immer – zum Teil massiv – benachteiligt. Von den 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen hatten Anfang 2018 nur 143 die Gleichstellung von Mann und Frau in ihre Verfassung aufgenommen. Dabei sind Frauen und Mädchen meist weit stärker von Armut, Hunger und unzureichender Gesundheitsversorgung betroffen als Männer und Jungen. Auch in westlichen Ländern, in denen Frauen gesetzlich gleichgestellt sind, werden sie im praktischen Leben, etwa im Beruf, oft benachteiligt und diskriminiert.

Gewalt gegen Frauen

Noch immer werden Frauen häufig Opfer von Gewalt in verschiedensten Formen – oft sind die Täter der jeweilige Partner oder Verwandte. Die Formen der Gewalt sind vielfältig: Neben Schlägen oder sexuellen Übergriffen sind Zwangsheirat, Mord an weiblichen Neugeborenen, Frauenhandel oder sogenannte "Ehrenmorde" zu nennen. Einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2013 zufolge haben 35 Prozent aller Frauen weltweit mindestens einmal körperliche oder sexuelle Gewalt erfahren. Laut Weltgesundheitsorganisation leben weltweit über 200 Millionen Frauen und Mädchen mit einer Genitalverstümmelung.

Einer 2014 veröffentlichten EU-Studie zufolge musste eine von drei Frauen in der Europäischen Union bereits einmal körperliche oder sexuelle Gewalt oder beides erleiden. Dazu wurden damals europaweit 42.000 Frauen befragt. In Deutschland geht aus Berichten des Bundeskriminalamts (BKA) hervor, dass im Jahr 2018 insgesamt 114.393 Frauen von ihren Partnern oder Ex-Partnern bedroht, gestalkt, verletzt, sexuell genötigt, zur Prostitution gezwungen, vergewaltigt oder gar ermordet wurden. Damit sind laut BKA-Statistik 81,3 Prozent der Opfer von Partnerschaftsgewalt weiblich. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt die EU-Studie aus dem Jahr 2014. Danach hat fast jede vierte Frau in Deutschland (22 Prozent) in der einen oder anderen Form durch ihren gegenwärtigen oder früheren Partner Gewalt erlebt.

Reproduktive Rechte von Frauen

In vielen Ländern der Welt werden die reproduktiven Rechte von Frauen, wie sie von den Vereinten Nationen 1994 formuliert wurden, nicht hinreichend beachtet. Zu ihnen gehört etwa das Recht auf ein selbstbestimmtes Sexualleben, auf den Zugang zu effektiven Verhütungsmitteln sowie auf Gesundheitsvorsorge für eine sichere Schwangerschaft und Geburt. Die Folgen sind ungewollte Schwangerschaften, eine hohe Müttersterblichkeit und sexuell übertragbare Infektionen wie HIV. Gleichzeitig konnten in den vergangenen Jahren auch wichtige Erfolge in diesem Bereich erzielt werden. So sank seit 2000 laut den Vereinten Nationen beispielsweise die Müttersterblichkeit um mindestens 38 Prozent.

Frauen in Bildung, Arbeitswelt und Politik

Weltweit besuchen immer mehr Mädchen eine Grundschule. Dennoch schätzen die Vereinten Nationen, dass aktuell rund 15 Millionen Mädchen im Grundschulalter nicht die Chance haben werden, lesen oder schreiben zu lernen, im Vergleich zu etwa zehn Millionen Jungen. Armut spielt eine Schlüsselrolle bei den erschwerten Bildungszugängen für Mädchen.

Mädchen, die in Armut hineingeboren werden, haben einem Bericht der Vereinten Nationen zufolge fast keine Chance, ihr zu entkommen. Die Politik, so fordert UN Women, müsse dafür sorgen, dass dieser Teufelskreis durchbrochen werde. Ein Schlüssel, sind laut den Vereinten Nationen Investitionen in Bildung und in Kinderbetreuung. Zudem bedürfe es wirksamer Antidiskriminierungsgesetze.

Frauen werden in vielen Staaten auch im Arbeitsleben immer noch massiv benachteiligt. Die Vereinten Nationen teilten Ende 2019 mit, dass das globale geschlechtsspezifische Lohngefälle bei rund 20 Prozent stagniere. Nach Angaben von Eurostat war im Jahr 2018 in Deutschland der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen um 20,9 Prozent niedriger als der von Verdienst von Männern. Damit liegt der sogenannte "Gender-Pay-Gap" in Deutschland über dem EU-weiten Durchschnitt von derzeit 14,8 Prozent.

In den Spitzenjobs in der Wirtschaft sind Frauen hierzulande noch immer eine Seltenheit. In Deutschland war nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2018 nur knapp jede dritte Führungskraft weiblich (29,4 %). Weltweit waren im gleichen Jahr rund 27 Prozent der Führungspositionen in Regierungen, Unternehmen und vergleichbaren Institutionen mit Frauen besetzt.




Gleiches gilt für die Politik: In nationalen Parlamenten waren laut der Interparlamentarischen Union (IPU) Anfang 2020 weltweit rund ein Viertel der Abgeordneten Frauen. Im EU-Parlament liegt dieser Anteil mit 40,4 Prozent deutlich höher, während im Deutschen Bundestag der Anteil der weiblichen Abgeordneter mit aktuell 31,2 Prozent fast genauso niedrig ist wie 1998.

Mehr zum Thema:









Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln