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11.6.2019

Internationaler Tag gegen Kinderarbeit

152 Millionen Kinder weltweit müssen arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Etwa die Hälfte von ihnen arbeitet unter gefährlichen Bedingungen. Der Welttag gegen Kinderarbeit am 12. Juni soll auf die Schicksale dieser Kinder aufmerksam machen.

Die Arbeit in Goldminen zählt zu den gefährlichsten Formen der Kinderarbeit. (© picture-alliance, APA/picturedesk.com)


Bereits 2015 haben sich mehr als 150 Staats- und Regierungschefs in den neuen UN-Entwicklungszielen darauf geeinigt, die schlimmsten Formen der Kinderarbeit wie etwa den Einsatz von Kindersoldaten effektiv zu bekämpfen. Bis 2025 – so das Ziel der UN – sollen schließlich alle Formen von Kinderarbeit beendet und verboten werden. Wie steinig der Weg dorthin trotz mancher Erfolge in der Vergangenheit noch sein kann, zeigen Berichte der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zur Kinderarbeit.

Arten der Kinderarbeit

Nach Schätzungen der ILO gab es im Jahr 2016 weltweit 152 Millionen arbeitende Kinder zwischen fünf und siebzehn Jahren. Gemessen an absoluten Zahlen sinken die weltweiten Fälle von Kinderarbeit zwar, allerdings ist der Anteil arbeitender Kinder im Verhältnis zu allen Kindern weltweit gestiegen. 2012 machte der Anteil arbeitender Kinder 11 Prozent aus, 2016 waren es 13,8 Prozent.

Die ILO unterscheidet in ihrer Erhebung zwischen "Kinder in Beschäftigung" (children in employment), "Kinderarbeit" (child labour) und "gefährliche Arbeit" (hazardous work).

Die Kategorie "Kinder in Beschäftigung" beschreibt alle "wirtschaftlichen" Tätigkeiten, die ein Kind mehr als eine Stunde pro Woche innerhalb oder außerhalb des eigenen Haushalts ausübt. Diese bezahlte oder auch unbezahlte Arbeit umfasst sowohl die Herstellung von Waren als auch das Erbringen von Dienstleistungen.

Der Begriff "Kinderarbeit" ist enger gefasst. Leichte Arbeiten, die zugelassen sind und von Kindern ab einem bestimmten Mindestalter geleistet werden, fallen nicht unter diese Kategorie und gehören zum Bereich "Beschäftigung". Kinderarbeit umfasst hingegen die Beschäftigung von Kindern unter dem Mindestalter sowie gefährliche Formen von Arbeit. Darunter fallen etwa Tätigkeiten, die Risiken für die Sicherheit, Gesundheit und die psychische Entwicklung der Kinder haben können. Hierzu zählen lange Arbeitstage, Nachtarbeit, Arbeit mit gefährlichen Maschinen und Werkzeugen, schwere Transporte, Arbeit mit gefährlichen Stoffen und generell Arbeit in Umgebungen, in denen Kinder physischer, psychischer und sexueller Misshandlung ausgesetzt sind.



73 Millionen Kinder verrichten "gefährliche Arbeiten"

Am häufigsten wird Kinderarbeit im Bereich der Landwirtschaft geleistet. 2016 waren 70,9 Prozent aller arbeitenden Kinder in diesem Sektor beschäftigt, das entspricht einer Zahl von 108 Millionen Kindern. Oftmals arbeiten diese Kinder unbezahlt, denn die Arbeit in der Landwirtschaft wird vielfach im familiären Kontext geleistet.

Aber auch die Zahl der arbeitenden Kinder im Industrie- und im Dienstleistungssektor ist hoch: 26 Millionen Kinder vollbringen Dienstleistungen, 18 Millionen Kinder verrichten industrielle Tätigkeiten. Im Industriesektor ist dies im Vergleich zur letzten Erhebung der ILO ein Anstieg um sechs Millionen Kinderarbeiterinnen und -arbeiter. Auf dem afrikanischen Kontinent ist die Zahl der Kinderarbeiterinnen und -arbeiter nach ILO-Schätzungen am höchsten. Insgesamt sind in dieser Region 99,4 Millionen Kinder betroffen, das ist etwa jedes vierte Kind (27,1 Prozent).



Knapp die Hälfte der arbeitenden Kinder (73 Millionen) verrichtete 2016 "gefährliche Arbeiten". Seit dem Jahr 2000 ist in den Schätzungen ein deutlicher Rückgang von 171 auf 73 Millionen Kinder in "gefährlicher Arbeit" zu verzeichnen – allerdings muss man weiterhin von einer hohen Dunkelziffer ausgehen. Denn unter die als "gefährliche Arbeit" eingestuften Tätigkeiten fallen auch diejenigen, die statistisch besonders schwer erfasst werden können, etwa Kurierdienste im Drogenmilieu, Zwangsprostitution oder Zwangsrekrutierung von Kindersoldaten in bewaffneten Konflikten.

Besonders betroffen: Kinder in Krisenregionen

Besonders betroffen sind Kinder in Konflikt- und Krisenregionen. Viele dieser Kinder müssen arbeiten, weil sie z.B. verwaist und auf sich gestellt sind oder das Familieneinkommen ohne ihren Arbeitslohn nicht zum Überleben reicht. Diesen Kindern fehlt oftmals auch der Zugang zu Bildung. Kinderarbeit kommt in Regionen, die von bewaffneten Konflikten betroffen sind, um 77 Prozent häufiger vor als im weltweiten Durchschnitt.



Auch Kinder auf der Flucht werden überdurchschnittlich oft ausgebeutet. So ist etwa die Zahl der geflüchteten syrischen Kinder, die in Aufnahmeländern wie Jordanien oder dem Libanon gefährliche Arbeit verrichten, in den letzten Jahren angestiegen. Eine Analyse der ILO zur Kinderarbeit in den arabischen Ländern von 2019 zeigt, dass Kinder durch Flucht und Vertreibung besonders gefährdet sind, da ihre Familien oft extremer Armut ausgesetzt sind und sie keinen Zugang zum regulären Arbeitsmarkt haben.

2018 machte ein Bericht der Organisation Human Rights Watch auf die besonders gefährlichen Bedingungen für Kinderarbeiterinnen und -arbeiter in Goldminen beispielsweise in Ghana, Mali oder den Philippinen aufmerksam. Die Menschenrechtsorganisation fordert Juweliere und Händler auf, Verantwortung für ihre Lieferketten zu übernehmen. Laut ILO gehört die Arbeit im Kleinstbergbau zu den kritischsten Sektoren der Kinderarbeit.

Maßnahmen im Kampf gegen Kinderarbeit

Artikel 32 der UN-Kinderrechtskonvention konkretisiert das Recht des Kindes auf Schutz vor wirtschaftlicher Ausbeutung und der Heranziehung zu einer seiner Entwicklung schädlichen Arbeit. Alle UN-Staaten mit Ausnahme der USA haben die Kinderrechtskonvention ratifiziert. Auch das ILO-Übereinkommen von 1999 sieht vor, dass Maßnahmen in erster Linie dazu dienen sollen, dass die schlimmsten Formen der Kinderarbeit verboten und beseitigt werden.

Der Kampf gegen die Ausbeutung von Kindern ist daher nicht gleichzusetzen mit der Bekämpfung jeglicher Formen der Kinderarbeit. So fördern etwa die NGOs zum Teil auch die Selbstorganisation arbeitender Kinder, die für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen. Aber auch Aufklärungskampagnen zur Verantwortung der Verbraucherinnen und Verbraucher, auf faire Produktionsbedingungen zu achten, sollen der Ausbeutung Minderjähriger entgegenwirken.

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