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4.2.2020

Vor 75 Jahren: Konferenz von Jalta

Im Februar 1945 verständigten sich die Alliierten in Jalta über die Zukunft Europas nach dem bevorstehenden Ende der NS-Herrschaft. Zentrale Fragen waren die Aufteilung Deutschlands nach Kriegsende und der Umgang mit den von Deutschland besetzten Gebieten.

Im Februar 1945 tagten Winston Churchill (Großbritannien), Franklin D. Roosevelt (USA) und Josef Stalin (Sowjetunion) auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim. (© picture-alliance/dpa)


Vom 4. bis zum 11. Februar 1945 trafen sich der sowjetische Staatschef Josef Stalin, US-Präsident Franklin D. Roosevelt und der britische Premierminister Winston Churchill im sowjetischen Badeort Jalta auf der Halbinsel Krim. Die Staats- und Regierungschefs der drei im Kampf gegen Deutschland verbündeten Großmächte berieten auf Einladung von Stalin über die Zukunft des schon fast besiegten Deutschlands und den Umgang mit den von ihm besetzten Gebieten. Weitere Themen der Konferenz waren die Grundzüge einer europäischen Nachkriegsordnung sowie der Aufbau der Vereinten Nationen.

Die Konferenz auf der Krim war das zweite Gipfeltreffen, an dem Churchill, Roosevelt und Stalin gemeinsam teilnahmen. Bereits vom 28. November bis 1. Dezember 1943 hatten die Alliierten in Teheran über ein gemeinsames Vorgehen beraten. Eine schnelle Beendigung des Krieges, sowie die Entmilitarisierung und Entnazifizierung Deutschlands wurden als wichtigste Ziele formuliert. In einigen Punkten, die eine mögliche Nachkriegsordnung betrafen, konnten sich die Teilnehmer in Teheran allerdings nicht einigen.

Unterschiedliche Interessen der Alliierten

Der Zweite Weltkrieg näherte sich im Februar 1945 in Europa dem Ende. Eine militärische Niederlage des Deutschen Reichs zeichnete sich immer deutlicher ab. Im Westen hatten die USA und ihre Verbündeten die deutsche Grenze zum Teil bereits überquert. Im Osten hatte die Rote Armee im Zuge ihrer Weichsel-Oder-Operation große Teile Ost-Preußens erobert und Anfang Februar einen ersten Brückenkopf westseits der Oder errichtet.

Die schnelle Beendigung des Krieges und die Entnazifizierung Deutschlands waren die wichtigsten gemeinsamen Ziele der Alliierten. Für die Zeit nach Kriegsende verfolgten Stalin, Roosevelt und Churchill in Jalta unterschiedliche Interessen. Ein zentrales Interesse von Stalin war es, die ost- und südosteuropäischen Länder als sowjetische Interessensphäre anerkennen zu lassen. Roosevelt, der schwer krank nach Jalta reiste und nur zwei Monate später verstarb, wollte Stalin als Verbündeten im Krieg gegen Japan gewinnen. Zudem wollte er Moskaus Zusage für die Gründung der Vereinten Nationen. Für Churchill war es ein Anliegen, demokratische Ordnungen in den europäischen Staaten zu etablieren und Frankreich in den Kreis der alliierten Siegermächte aufzunehmen.

Aufteilung Deutschlands nach dem Krieg

In Grundzügen einigten sich die Verhandlungspartner auf eine Aufteilung des besiegten Deutschlands in mehrere Besatzungszonen. Die abschließende Formulierung ließ jedoch offen, ob auch eine Zerstückelung des Landes vollzogen werden sollte. Gegenüber früheren Plänen, Deutschland in mehrere Einzelstaaten aufzuteilen, wurden inzwischen von amerikanischer und britischer Seite Bedenken geäußert. Churchill fürchtete, dass eine Teilung Deutschlands die europäische Wirtschaft schwächen könnte.

Der britische Premier setzte gegenüber Stalin durch, Frankreich als viertes Mitglied in den Alliierten Kontrollrat aufzunehmen und eine französische Besatzungszone zu schaffen. Stalin stimmte jedoch nur unter der Bedingung zu, dass diese aus Gebieten der amerikanischen und britischen Zonen gebildet werden sollte. Die sowjetische Zone sollte davon unberührt bleiben. Ebenso sollte Frankreich an der Verwaltung Berlins beteiligt werden. Frankreich war weder nach Jalta noch auf die Konferenz von Teheran eingeladen worden.

Auch die Frage der von Deutschland zu leistenden Reparationen wurde in Jalta diskutiert. Stalin schlug die Festlegung einer Gesamtsumme in Höhe von 20 Milliarden US-Dollar vor. Davon sollten zehn Milliarden Dollar an die Sowjetunion fließen. Churchill wollte jedoch zu hohe Kriegsschuldzahlungen der Deutschen vermeiden. Eine verbindliche Regelung über die Höhe der Reparationen wurde deshalb in Jalta nicht beschlossen.

Polen verliert Gebiete im Osten

Daneben wurde in Jalta zur Zukunft Polens beraten. Die Ostgrenze Polens sollte die sogenannte "Curzon-Linie" werden. Dieses Zugeständnis des Westens brachte der Sowjetunion, die zu Beginn des Zweiten Weltkriegs die Aufteilung Polens mit Deutschland vereinbart hatte, beträchtliche Gebietszuwächse. Polen sollte dafür jedoch mit Gebietszuwächsen im Norden und Westen entschädigt werden. Die endgültige Festlegung der polnischen Westgrenze wurde allerdings auf eine Friedenskonferenz nach Kriegsende vertagt.

Außerdem sahen die Vereinbarungen vor, dass "ein starkes, freies, unabhängiges und demokratisches Polen" errichtet werden sollte. Auch den anderen europäischen Staaten sollte das Recht zugestanden werden, "sich die Regierungsform, unter der sie leben werden, selbst zu wählen". Die Sowjetunion löste dieses Versprechen in den Ländern seines Einflussgebietes nach dem Krieg nicht ein.

Sowjetunion verpflichtet sich zu Kriegseintritt gegen Japan

Auch US-Präsident Roosevelt setzte bei der Konferenz mehrere ihm wichtige Punkte durch: So verpflichtete sich Stalin in einem Geheimabkommen, Japan spätestens drei Monate nach dem Sieg über Nazi-Deutschland den Krieg zu erklären. Stalin hielt sich an dieses Versprechen: Am 8. August erklärte die Sowjetunion Japan den Krieg und marschierte zunächst in die japanisch besetzte Mandschurei ein.

Roosevelt konnte sich gegenüber der Sowjetunion mit dem Wunsch durchsetzen, den Vereinten Nationen beizutreten. Bereits seit der Unterzeichnung der Atlantik-Charta 1941 hatte sich der US-Präsident für die Neugründung einer internationalen Staatengemeinschaft eingesetzt. Die Sowjetunion setzte jedoch ein Vetorecht für die fünf Großmächte im Sicherheitsrat durch.

Konkrete Regelungen zur Dezentralisierung und der Aufteilung Deutschlands in vier Besatzungszonen wurden von den Staatschefs der drei alliierten Siegermächte vom 17. Juli bis 2. August 1945 in Potsdam vereinbart.

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