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31.3.2021

4. April: Internationaler Tag der Minenaufklärung

Tausende Menschen sterben Jahr für Jahr durch die Explosion von Landminen – trotz ihrer völkerrechtlichen Ächtung durch die Ottawa-Konvention vor über 20 Jahren.

Diese Aufnahme aus dem Jahr 2014 zeigt eine Warnung vor argentinischen Landminen auf den Falkland-Inseln, die noch aus dem Falkland-Konflikt in den 1980er-Jahren stammen. (© picture-alliance, Global Warming Images | Ashley Cooper)


Landminen, Streubomben und andere explosive Kriegswaffenreste fordern jedes Jahr Tausende Tote und Verletzte. Sie stellen auch noch lange nach dem Ende eines Konflikts eine permanente Bedrohung für die Zivilbevölkerung dar. Die Vereinten Nationen machen deshalb seit 15 Jahren am 4. April mit dem "Internationalen Tag der Aufklärung über die Minengefahren und der Unterstützung bei der Minenräumung" auf die anhaltende Gefahr von Minen und Blindgängern (also nicht detonierte Munition wie Granaten und Bomben) aufmerksam.

Landminen-Monitor zählt Opfer weltweit

Dem Landminen-Monitor 2020 zufolge wurden im Jahr 2019 mindestens 5.554 Menschen durch Landminen und andere explosive Kriegsreste verletzt oder getötet – insgesamt kam es in 50 Staaten weltweit zu Minenopfern. Die Dunkelziffer ist jedoch weitaus höher, da es nicht überall auf der Welt verwertbare Daten gibt. Der Bericht wird jährlich von der "Internationalen Kampagne für das Verbot von Landminen" (ICBL) erstellt, einem Netzwerk von über 1.200 nichtstaatlichen Organisationen, das sich für eine minenfreie Welt einsetzt. Laut dem Bericht waren 80 Prozent der Opfer 2019 Zivilistinnen und Zivilisten, von denen wiederum 43 Prozent Kinder waren.

Im Vergleich zum Vorjahr war die Zahl der Opfer ebenso wie bereits 2018 und 2017 gesunken. Dieser Rückgang hält mit Ausnahmen seit Anfang der 2000er-Jahre an: Im Jahr 1999 waren noch fast 10.000 Menschen durch Minen verletzt oder getötet worden, bis 2013 sank ihre Zahl auf weniger als 3.500. 2016 sind die Opferzahlen aufgrund von bewaffneten Konflikten in Ländern wie Afghanistan, Mali, Myanmar, Nigeria, Syrien und der Ukraine noch einmal rapide angestiegen (auf über 9.400), seither aber wieder stetig gesunken. 2019 bestand in 60 Staaten und Gebieten immer noch eine Gefahr durch Antipersonenminen.

Gesunkene Opferzahlen nach Ottawa-Konvention

Ursache dafür, dass die Zahl der Landminen in den 2000er-Jahren so deutlich sank, war die am 1. März 1999 in Kraft getretene Ottawa-Konvention[1], ein völkerrechtlicher Vertrag zur weltweiten Ächtung von Antipersonenminen. Die Konvention verbietet den Einsatz, die Lagerung, Herstellung und Weitergabe von Anti-Personenminen. Sie verpflichtet die Vertragsstaaten dazu, ihre Lagerbestände in einem Zeitraum von vier Jahren zu vernichten sowie minenverseuchte Gebiete innerhalb von zehn Jahren zu räumen. Darüber hinaus müssen die Vertragsstaaten jährlich über ihre Fortschritte bei der Vernichtung von Minenbeständen, deren Räumung sowie die bereitgestellten finanziellen Mittel für die Minenopferhilfe berichten.

Über 160 Staaten haben sich zur Einhaltung der Konvention verpflichtet

Die Konvention entstand als Reaktion auf den gescheiterten Versuch, 1996 ein Totalverbot von Antipersonenminen in der UN-Waffenkonvention zu verankern. Ebenfalls zentral war das Engagement von zivilgesellschaftlichen Organisationen in der 1992 ins Leben gerufenen ICBL, die 1997 den Friedensnobelpreis erhalten hat.

Insgesamt haben sich bislang 164 Staaten zur Einhaltung der Konvention verpflichtet und diese ratifiziert, darunter alle EU-Staaten. 32 Staaten haben den Vertrag bislang nicht unterzeichnet, darunter einige Staaten mit den weltweit größten Streitkräften wie China, Russland, Indien und die USA. Zudem verbietet das Regelwerk nur Antipersonenminen und nicht alle Minen. Außerdem setzen in bewaffneten Konflikten auch viele nichtstaatliche Akteure wie beispielsweise Rebellengruppen weiterhin Minen ein. Daher kann die Ottawa-Konvention trotz beachtlicher Erfolge den Mineneinsatz nicht flächendeckend unterbinden.

Viele Opfer in Afghanistan und Syrien

2019 wurden mit 1.538 die meisten Toten und Verletzten in Afghanistan verzeichnet. In Syrien waren es 1.125, in Myanmar 358 sowie in Mali 345. Die meisten Opfer in Europa wurden mit 324 Personen in der Ukraine registriert.



Ein Großteil aller Toten und Verletzten geht auf selbstgebaute Minen zurück (2.994), die insbesondere in Konflikten mit nicht-staatlichen Akteuren eingesetzt werden. 1999 produzierten noch etwa 50 Staaten Antipersonenminen, 2019 waren es noch gut ein Dutzend.

Corona-Pandemie gefährdet Fortschritte

Wegen der Corona-Pandemie musste die Minenräumung im vergangenen Jahr in vielen Ländern unterbrochen werden. Der ICBL-Mitgliedsorganisation "Handicap International" zufolge ist ein geeignetes Hygiene- und Schutzmaßnahmenkonzept zentral für eine Weiterführung der Räumarbeiten. Ziel sei es weiterhin, die Welt bis 2025 minenfrei zu machen.

Immer noch viele Gebiete vermint

Im Vergleich zu den 1990er-Jahren, in denen die Vereinten Nationen von bis zu 110 Millionen verlegten Minen in 70 Ländern ausgingen, hat sich die Situation eindeutig verbessert. Dem Landminen-Monitor 2020 zufolge waren 2019 Gebiete in 55 Staaten von Minen und explosiven Kriegsresten kontaminiert – fünf weniger als im Vorjahr. Doch selbst in Europa sind noch immer einige Regionen betroffen, insbesondere die Ost-Ukraine. In der Konfliktregion im Donbass waren zuletzt noch immer tausende Quadratkilometer Boden mit Antipersonenminen belastet. Während Minen sich relativ einfach und günstig produzieren und gut verstecken lassen, ist ihre Räumung sehr gefährlich, kostspielig und zeitintensiv. Insbesondere für ärmere Länder ist die Beseitigung oft zu teuer.


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Fußnoten

1.
"Übereinkommen über das Verbot des Einsatzes, der Lagerung, der Herstellung und der Weitergabe von Antipersonenminen und über deren Vernichtung" (Englisch: "Anti-Personel Mine Ban Convention" oder kurz "Mine Ban Treaty").
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