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3.8.2021

Vor 60 Jahren: Bau der Berliner Mauer

In der Nacht zum 13. August 1961 begann die DDR-Führung mit der Abriegelung der Sektorengrenze und errichtete die Berliner Mauer. Diese teilte die Stadt entlang ihrer Mitte und umschloss das gesamte Territorium West-Berlins. Mindestens 140 Menschen verloren hier bis 1989 ihr Leben. Die Mauer galt als das symbolträchtigste Bauwerk des Kalten Krieges.

Sprung über die Mauer, August 1961– legendäres Foto von Peter Leibing vom Grenzpolizisten Conrad Schumann an einer Hauswand in der Bernauer Straße an der Gedenkstätte Berliner Mauer, Wedding, Berlin, Deutschland. (© picture-alliance, Winfried Rothermel | Winfried Rothermel)


Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Deutschland unter den Siegermächten aufgeteilt: Den westlichen Teil besetzten die USA, Großbritannien und Frankreich und den östlichen die Sowjetunion. Schon bald entwickelten sich zwischen den demokratischen Westmächten und der kommunistischen Sowjetunion unüberbrückbare Interessenkonflikte. Spätestens ab dem Jahr 1949, in dem sowohl die Bundesrepublik Deutschland als auch die Deutsche Demokratische Republik gegründet wurden, hatte sich die politische Systemgrenze verfestigt: Quer durch Mitteleuropa zog sich der so genannte Eiserne Vorhang. Hier standen sich die Armeen des Warschauer Paktes und der NATO gegenüber.

Berlin als Sonderfall

Berlin war in der politischen Nachkriegsordnung ein Sonderfall. Die Stadt lag zwar 1945 komplett innerhalb der sowjetischen Besatzungszone. Als ehemalige Hauptstadt des nationalsozialistischen Deutschlands wurde sie aber noch einmal separat unter allen vier Besatzungsmächten in Sektoren aufgeteilt. Im sonst gänzlich sozialistisch beherrschten Osten galt West-Berlin nach 1949 als "Schaufenster des Westens".

Massenflucht aus der DDR

Innerdeutsche Wanderungsbewegungen zwischen 1950-1965 (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Insbesondere nach dem niedergeschlagenen Volksaufstand vom 17. Juni 1953 erlebte die DDR eine Massenflucht gen Westen. Von September 1949 bis August 1961 verließen insgesamt 2,8 Millionen Menschen das Land, viele davon im erwerbstätigen Alter. Nach und nach wurde die innerdeutsche Grenze von der DDR-Führung weitreichend befestigt und zusätzlich gesichert, um die Bewegungen zwischen Ost- und Westdeutschland zu behindern. Zusätzlich zur physischen Abriegelung der Grenze stellte ein Passgesetz das unerlaubte Verlassen der DDR ab 1954 unter Strafe. Insbesondere nach der Gesetzesverschärfung 1957 waren neben der "Republikflucht" auch die Fluchtvorbereitung und -unterstützung strafbar.

Für Besucher und Berufspendler war es in Berlin, das unter der gemeinsamen Verwaltung der Alliierten stand, in der Regel möglich, sich weitgehend uneingeschränkt zwischen dem Ost- und Westteil der Stadt zu bewegen. So wurde West-Berlin zum letzten Schlupfloch im Grenzregime zwischen der DDR und der Bundesrepublik. Allein von 1954 bis 1957 flohen über eine halbe Million DDR-Bürgerinnen und Bürger über West-Berlin.

Walter Ulbricht, Vorsitzender des Zentralkomitees der SED, drängte bereits Anfang 1953 beim sowjetischen Herrscher Nikita Chruschtschow darauf, die Grenze zu West-Berlin zu schließen. Der jedoch lehnte den Mauerbau lange ab.

Zweite Berlinkrise ab 1958

Am 27. November 1958 forderte Chruschtschow ultimativ den Abzug der westalliierten Truppen aus Berlin. Sollte dies nicht binnen sechs Monaten geschehen, werde die Sowjetunion einen separaten Friedensvertrag mit der DDR schließen und ihr die Kontrolle über die Transitwege nach West-Berlin übertragen. Aus dem Ultimatum resultierte - nach der Berlin-Blockade von 1948/49 - die Zweite Berlinkrise, die erst mit dem Mauerbau endete.

Als "Kompromiss" bot Chruschtschow im Januar 1959 schließlich einen gemeinsamen Friedensvertrag an, der sowohl die Anerkennung der DDR als auch eine weitgehende Entmilitarisierung Deutschlands vorsah. Berlin sollte bis zur Wiedervereinigung eine "Freie Stadt" sein. Die Verhandlungen auf der so genannten Genfer Vier-Mächte-Konferenz im Frühjahr und Sommer 1959 blieben ohne Ergebnis. Das Ultimatum verstrich.

Bei einem Gipfeltreffen mit US-Präsident John F. Kennedy in Wien wiederholte Chruschtschow Anfang Juni 1961 seine bereits zuvor geäußerte Drohung eines separaten Friedensvertrages mit der DDR und stellte erneut ein Ultimatum. Die Gespräche endeten erneut ergebnislos.

Am 25. Juli 1961 hielt Kennedy eine Rede, in der er seine nicht verhandelbaren "Three Essentials" für den Umgang mit West-Berlin offenlegte: Freier Zugang nach West-Berlin, Anwesenheit der Westalliierten und die Freiheit der Bevölkerung West-Berlins. Die NATO, so das Signal, halte am Schutz West-Berlins fest.

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"Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten" – ein Satz und seine Geschichte

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Am 15. Juni 1961, vor dem Hintergrund der sich wieder zuspitzenden Zweiten Berlinkrise, wurde Walter Ulbricht bei einer Pressekonferenz von der westdeutschen Journalistin Annamarie Doherr (Frankfurter Rundschau) gefragt, ob "die Bildung einer Freien Stadt" bedeute, dass eine "Staatsgrenze am Brandenburger Tor" errichtet werde. Ulbricht antwortete: "Ich verstehe ihre Frage so, dass es Menschen in West-Deutschland gibt, die wünschen, dass wir die Bauarbeiter der Hauptstadt der DDR mobilisieren, um eine Mauer aufzurichten. Mir ist nicht bekannt, dass solche Absicht besteht, da sich die Bauarbeiter in der Hauptstadt hauptsächlich mit Wohnungsbau beschäftigen und ihre Arbeitskraft voll eingesetzt wird. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten." Angesichts der Tatsache, dass genau das kurz Zeit später passierte, wurde dieser Satz viel zitiert. Heute wissen wir: die SED erwog bereits seit 1958 die vollständige Abriegelung West-Berlins von der DDR – die Absperrung durch eine Mauer war eine von vielen angedachten Varianten, den Flüchtlingsstrom zu unterbinden. Doch eine Schließung der Sektorengrenze kam zunächst nicht in Betracht, weil Chruschtschow dies nicht zuließ. Wahrscheinlich zielte Ulbricht bei der Pressekonferenz noch auf die mit Chruschtschow vereinbarte Durchsetzung eines – politisch für die DDR wesentlich günstigeren – Friedensvertrages ab.

Mauerbau ab dem 13. August 1961

Chruschtschow indes hatten Tage zuvor Berichte erreicht, wonach die Lage in der DDR durch die stete Flucht von Menschen, besonders von jungen Leuten, in ökonomischer Hinsicht problematisch werde. Seine Haltung wandelte sich, nun stimmte auch er dem Mauerbau schließlich zu.

In der Nacht zum 13. August 1961 riegelten Volkspolizisten, Grenzpolizisten, Mitglieder der Arbeiterkampfgruppen und die Nationale Volksarmee ringförmig die Grenze nach West-Berlin ab. Insgesamt 50.000 Menschen in der DDR waren dadurch plötzlich von ihren Arbeitsplätzen im Westteil der Stadt abgeschnitten. Familien wurden auseinandergerissen, ganze Straßenzüge mit provisorischen und später stark befestigten Grenzanlagen durchschnitten. Im Schutz der Sicherheitskräfte begannen die zuvor im Geheimen organisierten Bauarbeiten.

Die Berliner Mauer - Bildmontagen damals und heute

 Berlin-Wilhelmsruh gehört heute zum Bezirk Pankow und grenzt im Nordwesten von Berlin an den Bezirk Reinickendorf. Durch den Bau der Berliner Mauer wurde Wilhelmsruh fast zur Enklave. Die Kopenhagener Straße war nicht mehr passierbar und der S-Bahnhof nicht mehr zugänglich. In der Nähe wurden zwei Menschen von Grenzsoldaten getötet: die 20-jährige Dorit Schmiel am 19. Februar 1962 bei einem Fluchtversuch und am 16. März 1981 der 31-jährige Dr. Johannes Muschol, der in einem Zustand der Verwirrung von West-Berlin aus über die Mauer in den Todesstreifen gesprungen war. Berlin-Schönholz ist heute ein Stadtteil des Bezirks Pankow im Norden Berlins. Seit dem Mauerbau am 13. August 1961 war der S-Bahnhof Schönholz von der Ostseite nicht mehr zugänglich, da er im West-Berliner Bezirk Reinickendorf lag. Auf der Ostseite des S-Bahnhofs steht noch ein 80 Meter langer Abschnitt aus den Anfangsjahren der Berliner Mauer. In der Nähe wurde bei einem Fluchtversuch der neunzehnjährige Horst Frank am 29. April 1962 erschossen. Ebenso in Schönholz auf der Flucht angeschossen erlag Wernhard Mispelhorn am 20. August 1964 den ihm zugefügten Schussverletzungen. Die Swinemünder Straße verläuft zwischen den Stadtteilen Wedding-Gesundbrunnen und Mitte und gehört heute zum Bezirk Mitte. Der Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 teilte die Straße, denn hier verlief die Grenze zwischen dem sowjetischen und dem französischen Sektor. An der Ecke zur Bernauer Straße ließ das Weddinger Bezirksamt 1982 einen Gedenkstein zur Erinnerung an die Opfer der Berliner Mauer aufstellen. Nicht weit entfernt versuchten zwischen August und Oktober 1961 vier Menschen durch Sprünge aus Häusern in der Bernauer Straße in den Westen zu fliehen: Ida Siekmann, Rudolf Urban, Olga Segler und Bernd Lünser verstarben an den dabei erlittenen Verletzungen. Das nahegelegene Lazarus-Krankenhaus versorgte zu dieser Zeit zahlreiche Menschen, die bei der Flucht zu Schaden kamen.
Der rote Pfeil auf dem Foto wurde damals von einem West-Berliner Polizeibeamten auf das Bild gemalt. Er verweist auf das Schild "Straßensperrung verursacht durch die Schandmauer!" Die gesamte Breite der Bernauer Straße lag im West-Berliner Bezirk Wedding. Die Häuser am südlichen Straßenrand gehörten zum Ost-Berliner Bezirk Mitte. Sie waren für viele der Ausgangspunkt für Fluchten. Die SED-Führung ließ deshalb zunächst die Türen der Häuser zumauern. Im September 1961 folgten dann die Zwangsräumung der Wohnungen und das Zumauern der Fenster. Nach 1963 wurden die Gebäude bis auf die Fassaden der Erdgeschosse abgetragen, um einen breiten Sperr- und Todesstreifen zu schaffen. Auf Grund günstiger Bodenverhältnisse wurden in der Bernauer Straße auch mehrere Fluchttunnel zumeist aus Kellern von Häusern auf der West-Berliner Seite in den Osten gegraben. Am bekanntesten sind der "Tunnel 29" und der "Tunnel 57", durch die zusammen 86 Menschen in den Westen flüchten konnten. 
Noch am 19. November 1986 gelang es einem Mann, die Sperranlagen auf der Höhe der Brunnenstraße mit Hilfe einer Leiter zu überwinden. Zwölf gezielte Schüsse wurden auf ihn abgefeuert, eine Kugel verfehlte ihn nur knapp. Auf dem Mauerstreifen stand bis zu ihrer Sprengung am 22. Januar (Kirchenschiff) und am 28. Januar 1985 (Kirchturm) die 1894 erbaute Versöhnungskirche. Auf ihren Fundamenten wurde in den 1990er Jahren in Lehmbauweise die Kapelle der Versöhnung errichtet und im Jahr 2000 eingeweiht. Sie bewahrt unter anderem das Gedenken an die Mauertoten. Zusammen mit dem Dokumentationszentrum und einer Open-Air-Ausstellung gehört die Kapelle zum Gesamtensemble der Stiftung Berliner Mauer. Auf dem Gelände ist eines der wenigen Teilstücke der Grenzanlagen erhalten. Im Bereich der nahen Bergstraße wurde am 4. September 1962 Ernst Mundt bei einem Fluchtversuch erschossen, in der Gartenstraße kurze Zeit darauf, am 27. November 1962, der erst 17-jährige Otfried Reck. Der Grenzübergang Invalidenstraße konnte von West- und Ost-Berlinern – zumeist Rentnerinnen und Rentner – genutzt werden. Heute befinden sich in der Straße der Hamburger Bahnhof (Museum für Gegenwart/zeitgenössische Kunstsammlungen), das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur sowie das Naturkundemuseum. Am 12. Mai 1963 gab es am Grenzübergang Invalidenstraße einen spektakulären Fluchtversuch: Acht junge Ost-Berliner versuchten mit einem gestohlenen Linienbus die Betonsperren zu durchbrechen. Grenzsoldaten eröffneten das Feuer. Zerschossen und manövrierunfähig schleuderte der Bus in die Mauer – nur ein Meter trennte ihn vom Westen. Die Flüchtenden wurden später zu Gefängnis- und Zuchthausstrafen verurteilt, auch die drei Schwerverletzten. 
Unweit davon wurde am 24. August 1961 Günter Litfin erschossen, als er durch den Humboldthafen in den Westen schwimmen wollte. Auch danach fanden noch mehrere Menschen in den Grenzgewässern der näheren Umgebung den Tod. Nach dem Mauerbau verliefen die Sperranlagen zwischen dem britischen Sektor und dem sowjetischen Sektor direkt hinter dem Reichstagsgebäude. Nach dem Viermächte-Abkommen über Berlin im Jahr 1971 durften keine Plenarsitzungen des Deutschen Bundestages mehr in Berlin abgehalten werden, sondern nur Ausschuss- oder Fraktionssitzungen. Am 3. Oktober 1990 fanden vor dem Gebäude die Feierlichkeiten zur Deutschen Einheit statt. Nach langen öffentlichen Auseinandersetzungen und einer leidenschaftlichen Plenardebatte votierte der Deutsche Bundestag am 20. Juni 1991 mit 338 zu 320 Stimmen für Berlin als künftigen Parlaments- und Regierungssitz. Im April 1999 erfolgte die Schlüsselübergabe an den Bundestagspräsidenten; seit dem 8. September 1999 tagt hier der Deutsche Bundestag. In der Nähe des Reichstagsgebäudes erinnert am Spreeufer eine Installation aus weißen Kreuzen an die Opfer der Berliner Mauer. Während des Zweiten Weltkrieges war das Brandenburger Tor stark beschädigt worden. Nach dem Bau der Mauer stand das Berliner Wahrzeichen unzugänglich mitten in den Sperranlagen. Auf der Westseite konnten Berlin-Besucherinnen und -Besucher Aussichtspodeste besteigen und einen Blick über die Mauer auf das Tor und in den Ostteil der Stadt werfen. Auf der Ostseite gab es auch ein Podest, allerdings nur für Staatsgäste. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 feierten Berlinerinnen und Berliner aus beiden Teilen der Stadt unter dem Brandenburger Tor den Fall der Mauer. Am 22. Dezember 1989 wurde das Brandenburger Tor unter dem Jubel von mehr als 100.000 Menschen wieder geöffnet. An diesem Ereignis nahmen Bundeskanzler Helmut Kohl, Außenminister Hans-Dietrich Genscher, der Regierende Bürgermeister von Berlin, Walter Momper, und DDR-Ministerpräsident Hans Modrow teil. Heute gilt das Brandenburger Tor als das Symbol für die Deutsche Einheit. Der Potsdamer Platz war bis zum Zweiten Weltkrieg einer der belebtesten Plätze Europas. Das Haus Vaterland – die große Ruine – war ein Haus mit Gaststätten und vielen Vergnügungsangeboten. Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Platz stark zerstört. Er bildete nach Kriegsende ein „Dreiländereck“, da hier der sowjetische, britische und amerikanische Sektor aufeinandertrafen. Hier blühte in der unmittelbaren Nachkriegszeit der Schwarzmarkt. Während des Volksaufstandes in der DDR am 17. Juni 1953 war der Potsdamer Platz ein zentraler Schauplatz der Auseinandersetzungen. Die Berliner Mauer zerschnitt ab 13. August 1961 den Platz. Nach und nach wurden nahezu alle übriggebliebenen Gebäude abgetragen. An kaum einer anderen Stelle der innerstädtischen Berliner Grenze waren Mauer und Hinterlandmauer durch einen so breiten Todesstreifen getrennt wie am Potsdamer Platz. Nach der Wiedervereinigung entstand hier ein vollkommen neues Stadtquartier. In der Stresemannstraße mit Blick in Richtung Potsdamer Platz fotografierte die West-Berliner Polizei im Sommer 1962 „Ausbesserungsarbeiten“ an der Berliner Mauer. Die Arbeiten fanden unter strenger Bewachung statt. Seit dem Mauerbau war der zum sowjetischen Sektor gehörige Abschnitt der Straße Teil des Todesstreifens. Die meisten Gebäude in der Straße waren im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Auf der Westseite erfolgte erst in den späten 1980er Jahren eine Neubebauung im Rahmen der Internationalen Bauausstellung. Gefördert wurde dabei vorrangig der soziale Wohnungsbau, um vernachlässigte Gebiete als Wohngebiete zurückzugewinnen. Während der Teilung verlief die Mauer zwischen Ost- und West-Berlin entlang der Niederkirchnerstraße. Dabei gehörte das Straßenland mit den Gehwegen zum Ost-Berliner Bezirk Mitte. Die Mauer stand gut 1,5 Meter zurückversetzt auf Ost-Berliner Gebiet, damit die DDR Bau- und Sanierungsarbeiten auf eigenem Territorium ausführen konnte. Deshalb hat die West-Berliner Polizei auf dem Foto auch im Vorfeld der Mauer mit roter Farbe die eigentliche Demarkationslinie eingezeichnet. Heute befindet sich das Abgeordnetenhaus von Berlin in der Niederkirchnerstraße im früheren Preußischen Landtagsgebäude. Es gehörte bis 1989 zu Ost-Berlin. Im gegenüberliegenden Gropiusbau im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg werden temporäre Ausstellungen gezeigt. In der Wilhelmstraße, die heute wieder Kreuzberg mit Mitte verbindet, lag während der Zeit des Nationalsozialismus das Reichsluftfahrtministerium. Nach dem Zweiten Weltkrieg war in diesem Gebäude zunächst die sowjetische Militäradministration untergebracht. Am 7. Oktober 1949 wurde hier die DDR gegründet. Sie nutzte das Gebäude dann als Haus der Ministerien. Während des Volksaufstandes am 17. Juni 1953 protestierten vor dem Eingang in der Leipziger Straße Zehntausende gegen das SED-Regime. Daran erinnert heute ein Denkmal. In den 1990er Jahren war in dem Haus die Treuhandanstalt ansässig. Zur Erinnerung an den 1991 ermordeten Treuhand-Präsidenten wurde es 1992 in Detlev-Rohwedder-Haus umbenannt. Seit 1999 ist dies die Adresse des Bundesfinanzministeriums. In der Wilhelmstraße, die zu DDR-Zeiten Otto-Grotewohl-Straße hieß, an der Ecke zur Zimmerstraße wurde am 3. April 1975 der 21-jährige Herbert Halli bei einem Fluchtversuch erschossen. Der Checkpoint Charlie war der bekannteste Grenzübergang zwischen Ost- und West-Berlin. Er durfte von alliierten Militärangehörigen, Diplomaten, Ausländerinnen und Ausländern sowie DDR-Bürgerinnen und -Bürgern genutzt werden, nur nicht von Bürgern der Bundesrepublik und aus West-Berlin. Als die SED-Führung im Herbst 1961 versuchte, die Rechte der Westmächte zu beschränken, fuhren am 27. Oktober 1961 am Checkpoint Charlie US-amerikanische und sowjetische Panzer auf und standen sich drohend gegenüber. 
Im Umfeld des Kontrollpunktes wurde am 17. August 1962 der 18-jährige Peter Fechter auf der Flucht erschossen. Direkt im Grenzübergang wurde am Abend des 5. Januar 1974 der 23-jährige Volkspolizist Burkhard Niering durch Schüsse getötet. Er hatte einen Passkontrolleur als Geisel genommen und versucht, mit vorgehaltener Maschinenpistole seine Flucht zu erzwingen. Am Checkpoint Charlie gelangen auch Fluchten: Am 17. Januar 1986 schaffte es hier ein 21-jähriger Ost-Berliner Fernmeldemonteur über den Kontrollpunkt nach West-Berlin zu flüchten. Und mit einem mit fünf Tonnen Kies beladenen Lastwagen und einer Geschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde durchbrach der 32-jährige Berufskraftfahrer Hans-Joachim Pofahl mit seiner 26-jährigen Lebensgefährtin und ihrem acht Monate jungen Baby am 29. August 1986 die Sperranlagen am Checkpoint Charlie. Heute ist das Gelände rund um den früheren Checkpoint Charlie ein Touristenmagnet. Die hier seit 13. August 2000 aufgestellte Nachbildung der ersten Kontrollbaracke gehört zu den beliebtesten Fotomotiven der Stadt. Eine Neubebauung des Areals wird derzeit diskutiert. Entstehen sollen vor allem Wohnungen und Büroräume sowie ein Museum des Kalten Krieges in öffentlicher Trägerschaft. Die Charlottenstraße führt von Kreuzberg nach Mitte. Sie ist eine der Parallelstraßen der belebten Friedrichstraße. An der nahegelegenen Ecke Zimmerstraße/Jerusalemer Straße wurde am 18. Juni 1962 der 20-jährige Grenzposten Reinhold Huhn von dem West-Berliner Fluchthelfer Rudolf Müller erschossen, der gerade im Begriff war, seiner Familie durch einen selbstgegrabenen Tunnel zur Flucht in den Westen zu verhelfen. Während der Teilung Berlins stand die Mauer zwischen Alexandrinenstraße und Alter Jakobstraße entlang des Bürgersteigs der Stallschreiberstraße. Bis 2017 lag die Fläche brach. Am frühen Morgen des 13. September 1964 verletzten in Höhe der Stallschreiberstraße mehrere DDR-Grenzsoldaten Michael Meyer durch acht Schüsse schwer; insgesamt wurden 300 Kugeln auf ihn abgefeuert. Ein US-Sergeant zog ihn auf die Westseite. An diesem Tag besuchte der amerikanische Bürgerrechtler Martin Luther King jr. Berlin. Er eilte nach den Agenturmeldungen zu dem Fluchtort an der Mauer, die er vor Reportern als "trennende Mauer der Feindschaft" bezeichnete. "Keine durch Menschenhand errichtete Mauer kann Gottes Kinder trennen", sagte er anschließend bei öffentlichen Auftritten in der West-Berliner Waldbühne und in zwei Ost-Berliner Kirchen. Bis ins Jahr 1960 hieß die heutige Heinrich-Heine-Straße Prinzen- und Neanderstraße. Durch Beschluss des Ost-Berliner Magistrats erfolgte die Umbenennung der Straße. Von 1959 bis 1961 wurde an ihrem südlichen Ende zu Kreuzberg hin das Heine-Viertel in der Plattenbauweise des Typs Q3A gebaut. Auch der nördliche Teil der Straße wurde später in dieser Bauweise gestaltet. Bis zum Fall der Mauer gab es am südlichen Ende der Heinrich-Heine-Straße einen Grenzübergang, den Bundesbürgerinnen und -bürger, DDR-Bürgerinnen und Bürger sowie Diplomaten nutzen konnten. Der 22 Jahre alte West-Berliner Siegfried Noffke und seine beiden Mitstreiter wollten ihren Familien aus dem anderen Teil der Stadt durch einen Stollen zur Flucht verhelfen. Bei der Öffnung des Tunnels im Keller der Heinrich-Heine-Straße 49 gerieten sie am 28. Juni 1962 in einen Hinterhalt und wurden, ohne selbst bewaffnet zu sein, rücksichtslos beschossen. Noffke erlag seinen Schussverletzungen. Die Waldemarstraße lag auf West-Berliner Seite im Bezirk Kreuzberg – heute Friedrichshain-Kreuzberg. Hinter der Waldemarstraße liegt das zu einer Grünanlage gehörende Engelbecken. Es war nach dem Mauerbau 1961 verfüllt worden; die dadurch entstandene Fläche wurde zu einem Abschnitt des Todesstreifens. Am Leuschnerdamm reichte die Mauer bis unmittelbar an die Bürgersteige vor den Häusern auf der Westseite heran. Während der Zeit der Teilung Berlins wurde die Adalbertstraße zwischen Bethaniendamm und Engeldamm durch die Mauer unterbrochen. An der Ecke zum Engeldamm, damals Fritz-Heckert-Straße, wurde am 9. April 1969 der 28-jährige Johannes Lange bei einem Fluchtversuch von zwei Postentürmen aus beschossen und getötet. Während der Zeit der Teilung Berlins wurde die Adalbertstraße zwischen Bethaniendamm und Engeldamm durch die Mauer unterbrochen. An der Ecke zum Engeldamm, damals Fritz-Heckert-Straße, wurde am 9. April 1969 der 28-jährige Johannes Lange bei einem Fluchtversuch von zwei Postentürmen aus beschossen und getötet. Die West-Berliner Polizei dokumentierte Bauarbeiten auf dem kurvigen Verlauf des Todesstreifens am Bethaniendamm. Im Hintergrund steht die St.-Thomas-Kirche im zu West-Berlin gehörigen Bezirk Kreuzberg – aktuell Friedrichshain-Kreuzberg. Heute zeichnet dort der Mauerweg den früheren Mauerverlauf nach. An der nahegelegenen Straßenecke Melchiorstraße/Bethaniendamm wurde am 25. Dezember 1963 der 18-jährige Paul Schultz bei seinem Fluchtversuch auf der Mauerkrone erschossen. Sein Freund Hartmut D. schaffte es, sich unverletzt von der Mauer nach West-Berlin fallen zu lassen. Während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert und der Verkehrserschließung der Berliner Innenstadt siedelten sich an der Köpenicker Straße Handelsunternehmen und Fabriken an. In der Gründerzeit entstanden hier Zeilen mit Wohngebäuden. Der Bereich der Köpenicker Straße nordwestlich vom Bethaniendamm gehörte nach dem Zweiten Weltkrieg zum sowjetischen Sektor – also zu Ost-Berlin. Der südöstliche Teil gehörte zum West-Berliner Bezirk Kreuzberg – heute Friedrichshain-Kreuzberg. Ab dem 13. August 1961 wurde die Straße auf der Höhe des Bethaniendamms durch die Sperranlagen der Berliner Mauer geteilt. Nach der Herstellung der Deutschen Einheit zogen Clubs, Bars und Start-ups in die Köpenicker Straße und ihre Umgebung. Die Oberbaumbrücke ist seit 1896 eine wichtige Verbindung über die Spree zwischen den Bezirken Kreuzberg und Friedrichshain – und sie ist zugleich eines der Wahrzeichen des heutigen Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg. Über die Brücke fährt die U-Bahnlinie 1. Die Brücke wurde nach dem Mauerbau für den Verkehr inklusive der U-Bahn-Verbindung gesperrt. Für West-Berlinerinnen und -Berliner sowie Bürgerinnen und Bürger der DDR bestand hier ein Grenzübergang ausschließlich für Fußgänger. Seit 1995 rollen U-Bahn und Straßenverkehr wieder über die Oberbaumbrücke.
Am 5. Oktober 1961 ertrank hier der 25-jährige Udo Düllick bei einem Fluchtversuch durch die Spree. An ihn erinnert heute ein Gedenkstein. Neben Udo Düllick sind zwischen Elsen- und Schillingbrücke Philipp Held, Wolf-Olaf Muszynski, Ulrich Krzemien und Bernd Lehmann bei Fluchtversuchen ertrunken. Der 60-jährige Anton Walzer wurde nahe der Oberbaumbrücke am 8. Oktober 1962 auf der Flucht erschossen. Wie ihm erging es auch Werner Probst, Hans Räwel, Heinz Müller und Manfred Weylandt. Zudem ertranken am Kreuzberger Ufer der Spree bis 1975 fünf Kinder, weil sich auf West-Berliner Seite aus Furcht vor den Grenzposten niemand zu helfen wagte. Erst am 29. Oktober 1975 unterzeichneten Senat und DDR-Regierung ein Abkommen über Rettungsmaßnahmen in Grenzgewässern, das weitere dieser Unglücksfälle ausschloss. Die Onckenstraße verläuft von Alt-Treptow im heutigen Bezirk Treptow-Köpenick nach Neukölln. Ab der Harzer Straße war sie ab August 1961 durch die Mauer unterbrochen. In dieser Gegend gelang am 3. März 1965 eine Flucht per Seil in den Westen. Der 26-jährige Dieter W. befestigte an einem Fensterkreuz im 4. Stock eine 50 Meter lange und vierfach miteinander verknüpfte Wäscheleine. Er kletterte an ihr bis zum ersten Stock herunter, stieß sich an einem Fenstersims ab, schwang über die Mauer nach West-Berlin und sprang ab. Dieter W. landete sicher im West-Berliner Bezirk Neukölln, brach sich dabei aber den Fußknöchel. Auf der Rückseite des historischen Fotos hielt die West-Berliner Polizei fest: "18.04.1963 Instandsetzungs- und Verstärkungsarbeiten an der Sektorengrenze Neukölln/ Treptow Elsenstraße, nachdem am 17.04.1963 gegen 19:45 Uhr ein 19-jähriger Ost-Berliner die Mauer mit einem sowjetischen Schützenpanzerwagen durchbrochen hatte." Der 19-jährige Wolfgang Engels hatte am 17. April 1963 versucht, mit einem gestohlenen sowjetischen Schützenpanzerwagen die Grenze zu überwinden. Er blieb damit jedoch in der Mauer stecken, wurde beschossen und von mehreren Kugeln getroffen. Schwerverletzt konnte er auf der West-Berliner Seite geborgen werden. Im Juni 1962 gelang 20 Menschen – darunter mehrere Kinder – in der Heidelberger Straße 28 eine Tunnelflucht. Der Stollen, etwa 30 bis 40 Meter lang, war vom Keller der Gaststätte Heidelberger Krug in Neukölln bis zum Keller eines Fotogeschäfts in Treptow gegraben worden. Wenige Monate zuvor, am 27. März 1962, war unweit in der Heidelberger Straße 75 der 27-jährige Fluchthelfer Heinz Jercha erschossen worden, als er anderen durch einen Tunnel zur Flucht in den Westen verhelfen wollte. Unweit von dieser Straßenkreuzung, in der Kiefholzstraße, erlitt Erich Kühn am 26. November 1965 bei einem Fluchtversuch durch einen blindlings mit seiner Maschinenpistole feuernden Grenzposten einen Bauchdurchschuss. An dessen Folgen verstarb der 62-Jährige acht Tage später.


155 Kilometer gemauerte Grenze

Die Mauer teilte nicht nur die Stadt entlang ihrer Mitte, sie umschloss das komplette Territorium West-Berlins und trennte die Teil-Stadt von ihren historisch gewachsenen Vororten. Einige Straßen wurden von der Mauer längs getrennt, sodass eine Straßenseite im Westteil der Stadt lag und die andere im Osten. Die Gesamtlänge der Berliner Mauer betrug 155 Kilometer. Davon entfielen 43 Kilometer auf die innerstädtische Mauer und 112 Kilometer auf den Außenring. Insgesamt gab es zuletzt 302 Wachtürme entlang der Mauer. Die Grenzbefestigungen wurden mit der Zeit immer weiter ausgebaut.

Ab Mitte der 1960er Jahre wurde ein gleichförmiger Grenzstreifen angelegt, um Grenzsoldaten einen besseren Überblick über das Gelände zu verschaffen. Dafür wurden Häuser abgerissen und auch Kirchen in die Luft gesprengt. Die erste Mauer war nur 30 Zentimeter dick und hätte Durchbruchsversuchen mit Lastwagen nicht standgehalten. Später wurde sie verstärkt. Mitte der 1970er Jahre wurde die "Grenzmauer 75" errichtet, die 3,2 Meter hoch und 1,2 Meter breit war. Die Einzelteile wurden als Beton-Stützwandelemente gefertigt. Der scharf bewachte Grenzstreifen wurde ab den 1970er Jahren außerdem durch eine "Hinterlandmauer" vom Gebiet der DDR abgetrennt. Faktisch gab es also zwei Maueranlagen, die den Grenzstreifen umgaben. Durch die Installation von Selbstschussanlagen und Minen wurde die Grenze zusätzlich nahezu unüberwindbar gemacht.

Opfer des Grenzregimes

An der Mauer kamen bis 1989 mindestens 140 Menschen in direkt oder in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Grenzregime ums Leben. Darunter befanden sich Flüchtende, die zwischen 1961 und 1989 an der Mauer erschossen wurden, verunglückten oder sich das Leben nahmen, Menschen ohne Fluchtabsichten aus Ost und West, die im Grenzgebiet erschossen wurden oder verunglückten sowie DDR–Grenzsoldaten, die durch Fahnenflüchtige, Kameraden, Flüchtende, einen Fluchthelfer oder einen West-Berliner Polizisten getötet wurden. Hinzu kamen 251 Reisende aus Ost und West, die vor, während oder nach Grenzübertritten an den Berliner Übergangsstellen starben. Ungezählt sind jene Menschen, die aufgrund der Verzweiflung über die Folgen des Mauerbaus starben. Darüber, welche Opfer dem Grenzregime an der Berliner Mauer zuzurechnen sind, wurde in den letzten Jahren immer wieder heftig debattiert.

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