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Mehrheit für Unabhängigkeit im Südsudan

Knapp 99 Prozent der Wahlberechtigten im Südsudan haben in einem Referendum für die Abspaltung vom Norden des Landes gestimmt. Voraussichtlich in einem halben Jahr will der Süden seine Unabhängigkeit ausrufen. Allerdings sind noch viele Fragen offen, was die Zukunft des neuen Staates betrifft.

Der Sudan steht vor der Spaltung. Nach dem vorläufigen Ergebnis stimmten 3,8 Millionen der mehr als fünf Millionen Wahlberechtigten (98,8 Prozent) für die Unabhängigkeit des Südsudans vom Norden des Landes. Das offizielle Endergebnis soll Anfang Februar verkündet werden. Es werden nur minimale Abweichungen vom aktuellen Ergebnis erwartet. Die Unabhängigkeitserklärung des Südens soll voraussichtlich am 9. Juli 2011 erfolgen.

Trotz des mehrheitlichen Votums ist die Zukunft des neuen afrikanischen Staates noch ungewiss. Zwar hat die Regierung in Khartum wiederholt versichert, das Ergebnis des Referendums anzuerkennen, dennoch bleibt unklar, wie nach der Abspaltung die Einkommen aus der Erdölförderung verteilt werden. Insbesondere wirtschaftlich sind beide Landesteile eng miteinander verflochten und auch künftig auf Kooperation angewiesen: Der Süden ist reich an Erdölreserven, der Norden hingegen hat die dafür nötige Infrastruktur - samt Pipeline. Offen ist ferner der genaue Grenzverlauf zwischen Nord und Süd, insbesondere entlang der erdölreichen und umstrittenen Region Abyei.


Unklar ist auch der Status der etwa zwei Millionen Südsudanesen, die heute im Norden leben und dort größtenteils in die gesellschaftlichen Strukturen eingebunden sind. Extremistische Stimmen im Norden fordern, dass sie mit der Unabhängigkeit des Südens in ihre Heimat zurückkehren sollen. Im Gegensatz zum Norden fehlt es dem Süden an Wohnungen und Arbeitsplätzen. Gewalt und Armut dominieren den Alltag der rund sechs Millionen Einwohner des bislang teilautonomen Südens. Besonders beim Aufbau staatlicher Institutionen, der Polizei und der Justiz sind die Südsudanesen auf Unterstützung angewiesen.

Trotz der großen Herausforderungen bietet die Spaltung des Sudans aber auch Chancen. Die USA haben angedeutet, ihre Sanktionen gegen den Sudan aufzuheben, sollte die Regierung in Khartum die Unabhängigkeit anerkennen. Dadurch würden sich eventuell auch europäische Firmen, die bislang den US-amerikanischen Sanktionen gefolgt waren und kaum in der Region investiert haben, im Land ansiedeln. Experten gehen nicht davon aus, dass das konfliktbeladene afrikanische Land einem neuen Krieg entgegensteuert.


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