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Streit um "grüne Gentechnik"

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat den Anbau der genetisch veränderten Maissorte MON810 wegen möglicher Risiken für die Umwelt verboten. Zuvor hatten bereits mehrere EU-Länder den Anbau untersagt. Das Verbot hat erneut eine Diskussion über Nutzen und Risiken der Gentechnik in der Landwirtschaft ausgelöst.

Seit 2005 war das Saatgut der Maissorte MON810 in Deutschland zugelassen. Das jetzige Verbot begründete die Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Ilse Aigner (CSU) am Dienstag (16. April 2009) mit möglichen Gefahren für die Umwelt. Im März 2009 hatte der Hersteller, der US-Agrarkonzerns Monsanto, Dokumente zur Umweltverträglichkeit vorgelegt. Diese wurden von den Prüfungsbehörden als "nicht überzeugend" eingestuft. Laut Bundesamt für Naturschutz (BfN) gibt es unter anderem Hinweise auf Gefährdungen verschiedener Insektenarten.

MON810 war die einzige gentechnisch veränderte Maissorte, die kommerziell in Deutschland angebaut werden durfte. Auch EU-weit ist MON810 die einzige zugelassene genmanipulierte Pflanze. Die EU hatte den Anbau der Sorte 1998 erlaubt; die Genehmigung war jedoch im April 2007 ausgelaufen. Seitdem haben fünf EU-Staaten, darunter Frankreich, Griechenland und Ungarn, den weiteren Anbau untersagt. Der US-Konzern Monsanto, der seit 1996 in Europa ein Patent auf verschiedene gentechnisch veränderte Pflanzenarten innehat, befürchtet durch das Verbot von MON810 einen Schaden in Millionenhöhe.

Die genetische Veränderung von Pflanzen wird als "grüne Gentechnik" bezeichnet und bei der Erzeugung von Nahrungs- und Futtermitteln sowie landwirtschaftlich produzierten Rohstoffen eingesetzt. Gegner befürchten langfristig negative Folgen für die biologische Vielfalt und die menschliche Gesundheit. Dagegen betonen Befürworter den vielfältigen Nutzen: Gentechnisch veränderte Pflanzen sind typischerweise resistent gegen Unkrautvernichtungsmittel oder gegen Insektenbefall. So produziert die Maissorte MON810 einen vor allem für Schmetterlinge giftigen Stoff - damit soll der Maiszünsler bekämpft werden, ein Schadinsekt, das in Maismonokulturen auftritt. Zudem wird die Verwendung von genetisch veränderten Nutzpflanzen diskutiert, die optimierte Inhaltsstoffe aufweisen oder einen höheren Ertrag erbringen können. Sie könnten auf diese Weise zur Lösung von Ernährungsproblemen beitragen. Neben der Nahrungsmittelproduktion wird die "Grüne Gentechnik" zunehmend auch zur Erzeugung von Bioenergie verwendet.

Hauptanbaugebiete und somit wichtigste Märkte für gentechnisch verändertes Saatgut sind Nord- und Südamerika. Die Europäer nähern sich der grünen Gentechnik hingegen nach wie vor mit Skepsis. Die Anbaufläche für genveränderten Mais in Deutschland ist im internationalen Vergleich sehr gering. Die europäische Gesetzgebung wurde in den letzten Jahren mehrfach verschärft. So müssen etwa Anbau und Verarbeitung gentechnisch veränderter Pflanzen unter besonderen Bedingungen stattfinden, um eine Vermischung mit herkömmlichen Pflanzensorten auszuschließen. Zudem besteht seit 1997 EU-weit eine Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Produkte, die 2004 noch einmal verschärft wurde. In Deutschland wurde im Gentechnikgesetz im Mai 2008 darüber hinaus die "Ohne Gentechnik"-Kennzeichnung eingeführt. Wer die Kennzeichnung verwenden will, muss nachweisen können, dass sein Produkt keinerlei gentechnisch veränderte Bestandteile enthält.



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