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Olympische Spiele in China

In Peking beginnen am Freitag die Olympischen Sommerspiele. Doch nicht nur in sportlicher Hinsicht blickt die Welt in den nächsten Wochen nach China. Menschenrechtsverletzungen, die Tibet-Frage, und staatliche Zensur stehen ebenso im Interesse der Weltöffentlichkeit.

Chinesischer Sicherheitsbeamter vor dem Olympiastadion, das auch Vogelnest genannt wird. Foto: AP.

Mit einer Eröffnungsfeier beginnen am 8. August die 29. Olympischen Spiele in Peking. Etwa 11.000 Sportler werden in den kommenden Wochen in 302 vorgesehenen Wettbewerben aus 28 Sportarten gegeneinander antreten. Einen Tag zuvor ist die Olympische Flamme auf ihrer letzten Station erstmals über die Chinesische Mauer getragen worden. Seit dem 24. März hat die Fackel - die ein Symbol für Frieden, Freundschaft und Fortschritt darstellen soll - insgesamt 137.000 Kilometer durch 134 Städte über fünf Kontinente zurückgelegt. Es war der längste Lauf in der Geschichte der Spiele. Doch die geplante "Reise der Harmonie" war es nicht: In mehreren Städten weltweit kam es zu massiven Protesten gegen das chinesische Vorgehen in Tibet.

Die Tibet-Frage hatte die Vorbereitungen Pekings auf die Sommerspiele immer wieder überschattet. Zahlreiche Aktivisten nahmen das sportliche Großereignis bereits im Vorfeld zum Anlass, um auf die Menschenrechtssituation der Tibeter aufmerksam zu machen. Die Tibeter fordern mehr kulturelle Autonomie und politische Teilhabe und beklagen die Unterdrückung ihrer Religion durch die chinesische Regierung. Im März eskalierte der Konflikt in der chinesischen Provinz. Das gewaltsame Vorgehen Chinas gegen friedliche Proteste der Tibeter löste eine Welle weltweiter Solidaritätskundgebungen für die Tibeter aus. Bis heute ist es westlichen Reportern nicht möglich, unabhängig aus der Provinz zu berichten.

Vier Tage vor der Eröffnungsfeier wurde am Montag (04.08.2008) in der chinesischen Provinz Xinjiang ein Anschlag auf eine chinesische Polizeistation verübt. Dabei wurden 16 Polizisten getötet. Chinesische Behörden machen uigurische Separatisten für den Anschlag verantwortlich. Die Uiguren klagen wie die Tibeter über eine kulturelle und politische Unterdrückung.

Peking hatte bereits mehrmals vor einer massiven terroristischen Bedrohung während der Spiele gewarnt. Die Sicherheitsvorkehrungen in der chinesischen Hauptstadt könnten kaum höher sein. Zehntausende Polizisten patrouillieren durch Peking. Dennoch gelang es zwei Briten und zwei US-Amerikanern einen Tag vor den Spielen (07.08.2008) auf dem Olympia-Gelände zwei große Transparente mit der Forderung nach Freiheit für Tibet an 40 Meter hohen Masten aufzuhängen.

Neben der Tibet-Politik Chinas rückten in den vergangenen Monaten auch Themen wie Pressezensur, Umweltverschmutzung und Menschenrechtsverletzungen in den Fokus der internationalen Öffentlichkeit. Mit der Vergabe der Spiele an China wurde vielfach die Hoffnung auf einen demokratischen Wandel verbunden. Viele sehen sich nun enttäuscht. Zwar attestieren politische Beobachter dem "Land der Mitte" einige Fortschritte im Bereich der Umweltpolitik und der Justiz. Nach wie vor kritisch wird jedoch die Menschenrechtslage bewertet. Human Rights Watch warf der chinesischen Führung vor, ihre Versprechen auf ganzer Linie gebrochen zu haben. "Die Pekinger Spiele haben eine Rückwärtsbewegung bei einigen fundamentalen Grundrechten ausgelöst", sagte Sophie Richardson, die Asienbeauftragte der Menschenrechtsorganisation. Auch Präsident George W. Bush hat am Donnerstag (07.08.2008) in Bangkok während einer Rede vor ausländischen Diplomaten die Situation in China kritisiert. Die USA seien "tief besorgt" über die Menschenrechtslage und die Religionsfreiheit in dem autoritären Staat.


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