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Indien und Pakistan

Bei einem Anschlag auf einen Zug von Indien nach Pakistan in der Nacht zum Montag starben mindestens 68 Menschen. Ziel des Terrorakts war aber auch der Friedensprozess zwischen den beiden Atommächten.

Fernreisezug in Indien, Foto: Stefan Lampe

Unklar ist bislang, wer die Täter sind und welcher politischen Gruppierung sie angehören. Die indische Polizei veröffentlichte am Dienstag Phantomzeichnungen von zwei Verdächtigen. Sie sollen den Zug bereits vor dem ersten planmäßigen Halt in Attari wieder verlassen haben. Unter dem Vorwand, im falschen Zug zu sitzen, baten die beiden Männer einen Bahnangestellten aussteigen zu dürfen. Nach einem Disput verlangsamte der Zug seine Fahrt, so dass sie abspringen konnten. Etwa 15 bis 20 Minuten später explodierten die Brandsätze, die in Koffern versteckt waren. Die Explosionen wurden vermutlich durch Zeitzünder ausgelöst. Zwei Wagen brannten völlig aus. Offenbar sollten jedoch weit mehr Waggons in Flammen aufgehen: Nach dem Anschlag stellten die Behörden noch mehrere Liter brennbarer Materialien sicher. 68 der insgesamt 750 Passagiere verbrannten bei lebendigem Leibe. Die Opfer sind überwiegend Pakistanis.

Das Innenministerium in Neu-Delhi vermutet islamische Extremisten oder militante Hindus hinter dem Attentat. Der Anschlag ist höchst symbolisch. Er galt dem so genannten Freundschaftszug, dem "Samjhauta Express", der an das Shimla-Abkommen aus dem Jahre 1972 erinnert und das bis heute das wichtigste Bindeglied zwischen den beiden Staaten darstellt. Der Zug verkehrt zwischen der indischen Hauptstadt Delhi und dem pakistanischen Lahore. 2001 war die Strecke nach einem Anschlag auf das indische Parlament vorübergehend eingestellt worden. 2004 wurde der Betrieb dann wieder aufgenommen - als Zeichen für die zunehmende Dialogbereitschaft zwischen den beiden Atommächten. Seit der Unabhängigkeit von 1947 ist Kaschmir der zentrale Streitpunkt zwischen den beiden Staaten. Beide erheben Gebietsansprüche auf die Region.

Auch der Zeitpunkt des Anschlags ist alles andere als zufällig. Für den gestrigen Dienstag hatte sich der pakistanische Außenminister Khurshid Kasuri in Delhi angekündigt. Beim Treffen mit seinem indischen Amtskollegen Pranab Mukherjee sollte es um eine gemeinsame Anti-Terror-Initiative gehen. Denn der Anschlag in der Nacht zum Montag war bereits der zweite innerhalb der vergangenen zwölf Monate. Im Juli 2006 waren mehrere Bomben im Bahnnetz von Bombay explodiert. 186 Passagiere und Passanten kamen dabei ums Leben. Nach dem Attentat im Juli hatten beide Länder im Herbst erklärt, gemeinsam gegen den Terror vorgehen zu wollen.

Unmittelbar nach den Anschlägen verurteilten sowohl der pakistanische Präsident Pervez Musharraf als auch der indische Ministerpräsident Manmohan Singh den Terrorakt. Sie bekräftigten ihre Absicht, den Friedenprozess fortsetzen zu wollen.


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