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Kinderarmut und Bildungschancen

Am Donnerstag wurde in Berlin die 15. Shell Jugendstudie vorgestellt. Ihre Ergebnisse sind beunruhigend: Mehr als zwei Drittel aller Jugendlichen plagt die Sorge vor Arbeitslosigkeit.

Die meisten Kinder "wissen, dass es bei uns schwieriger ist Ausbildung, Beruf, Karriere, Partnerschaft und Kindererziehung unter einen Hut zu bringen", so Bundesfamilien-
ministerin Ursula von der Leyen. Das Bild von der eigenen Zukunft ist dabei stark von der Bildung abhängig: Gymnasiasten blicken im Schnitt deutlich optimistischer in die Zukunft als Hauptschüler.

Schlechte Bildungschancen stehen in engem Verhältnis zu materieller Armut. Und von Armut sind in Deutschland rund zehn Prozent aller Kinder betroffen - das sind 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland damit im Mittelfeld der wirtschaftlich am weitesten entwickelten Staaten - so das Ergebnis der UNICEF-Vergleichsstudie "Child Poverty in Rich Countries 2005". Den engen Zusammenhang zwischen Bildungsabschlüssen und sozialer Herkunft sprach auch Bundespräsident Horst Köhler in seiner Berliner Grundsatzrede an. Er forderte Chancengleichheit im Bildungssystem: "Bildungschancen sind Lebenschancen. Sie dürfen nicht von der Herkunft abhängen."

Der wissenschaftliche Leiter der Shell Jugendstudie, Klaus Hurrelmann, warnte in der "Zeit": "Armut macht die Menschen unsouverän." Oftmals wüchsen Kinder "an der Grenze der Verwahrlosung" auf. Auf zehn bis 15 Prozent schätzt Hurrelmann die Zahl der schwer belasteten jungen Leute. Die latenten Ängste der Jugendlichen führen häufig zu extremer Leistungsorientierung. Der erhöhte Druck vermehrt zu gesundheitlichen Problemen. Das betrifft vor allem die ständig wachsende Gruppe von Jugendlichen, die von relativer Armut betroffen sind.

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