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Weltmarkt der Spiele

Am Donnerstag wurde in Leipzig die Games Convention eröffnet, Europas größte Messe für Computerspiele. Deutschland hat sich mittlerweile zu einem ernstzunehmenden Ort auf der Weltkarte der Milliardenbranche gemausert.

Mehr als 28.000 Besucher strömten laut Angabe der Leipziger Messe allein am ersten Tag in die Hallen, in denen 368 Aussteller aus 25 Ländern auf sie warten. Bis zum Ende der Messe am Sonntag sollen es insgesamt 110.000 werden.

Das Wachstum von "Europas Leitmesse für interaktive Unterhaltung" ist symptomatisch für den anhaltenden Boom der Branche: Rund 22,5 Milliarden Euro wurden 2005 laut einer Studie von PriceWaterhouseCoopers mit Videospielen weltweit umgesetzt. 2010 sollen es 39 Milliarden sein. In Deutschland stieg der Umsatz von Computer- und Videospielen im ersten Halbjahr 2006 von 466 auf 469 Mio. Euro, so der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e.V. In Zukunft sollen Frauen und Mädchen mit Hilfe von Handyspielen die Umsätze weiter steigern, und noch einen anderen Markt hat sich die Branche ausgeguckt: die Bildung. "Serious Games", ernste Spiele, sollen in Schulen und Unternehmen für Lehre und Ausbildung eingesetzt werden. Hält der Boom der Branche an, werden Computerspiele in absehbarer Zeit mehr Geld umsetzen als die Musikindustrie – auch in Deutschland.

Dass dabei ausgerechnet eine deutsche Stadt wie Leipzig zur Hauptstadt der Spiele werden würde, hätte vor fünf Jahren wohl kaum jemand vermutet. Während anderswo auch Frauen und ältere Menschen den Joystick für sich entdeckt haben, spielen hierzulande nach wie vor hauptsächlich junge Männer an Computern. Wird in Großbritannien unbekümmert von "Spielkultur" gesprochen, sind Computerspiele in Deutschland stigmatisiert. Die öffentliche Debatte kreist weiterhin um die Streitfrage, ob Computerspiele gewalttätig machen. Zudem bevorzugten deutsche Spieler und Entwickler bislang komplexe Aufbau-, Wirtschafts- und Management-Simulationen. "German Games" waren zu kompliziert für den weltweiten Massenmarkt.

Das scheint sich nun zu ändern: Der deutsche Entwickler Crytek, der schon 2004 mit dem Egoshooter "Far Cry" einen internationalen Erfolg landete, präsentiert in Leipzig eine Vorschau auf sein neuestes Produkt "Crysis", das auf der jüngsten Electronic Entertainment Expo in Los Angeles bereits zahlreiche Preise einsammelte. Das Entwicklerstudio Piranha Bytes aus Essen ist mit einer Vorschau auf den dritten Teil seines Rollenspiels "Gothic" dabei. Zudem öffnete 2000 in Berlin die erste Schule für Spielentwicklung ihre Türen – die Games Academy. Mittlerweile ziehen Hochschulen in Magdeburg, Ilmenau und an anderen Orten nach.

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