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Rassismus in Deutschland

Eine rassistische Gewalttat in Deutschland sorgt für Schlagzeilen. Am Ostersonntag überfielen Unbekannte in Potsdam einen 37-jährigen Deutschen äthiopischer Herkunft und verletzten ihn lebensgefährlich.

Rassismus: Traumatische Erfahrung
Foto: Anissa Thompson

Zwei Männer oder ein Mann und eine Frau attackierten den Wasserbau-Ingenieur und Vater zweier Kinder am frühen Sonntagmorgen, als er an einer Straßenbahnhaltestelle wartete. Die Staatsanwaltschaft geht von einer rassistisch motivierten Tat aus, weil die Täter den Mann als "dreckigen Nigger" beschimpft hatten. Kurz vor dem Überfall hatte er seine Ehefrau angerufen und damit ihre Mailbox aktiviert, die das Gespräch der Täter teilweise aufzeichnete. Inzwischen hat eine zwölfköpfige Sonderkommission unter Leitung der Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Das Opfer liegt mit einem Schädel-Hirn-Trauma und Knochenbrüchen auf der Intensivstation und wurde in ein künstliches Koma versetzt. Sein Zustand ist nach Angaben des Krankenhauses derzeit stabil, aber weiterhin lebensbedrohlich. Am Montagabend demonstrierten in Potsdam etwa 350 Menschen gegen rechtsextremistische Gewalt.

In diesem Jahr kam es in Brandenburg bereits wiederholt zu Attacken gegen Ausländer. So verprügelten in Cottbus Rechtsradikale ausländische Studenten, in Rheinsberg demolierten Täter Läden von ausländischen Inhabern. Die Fälle illustrieren die nach wie vor hohe Zahl rechtsextremer Gewalttaten vor allem in den neuen Bundesländern. Allein in Brandenburg zählte das Potsdamer Innenministerium im vergangenen Jahr 97 Gewalttaten mit rechtsextremistischen Hintergrund. Zwar sank die Zahl im Vergleich zu 2004 leicht – damals erreichte sie den Höchststand von 105. Im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl liegt Brandenburg damit weiter auf einem traurigen Spitzenplatz. Nach Angaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz wurden im 2004 bundesweit 776 Gewalttaten mit rechtsextremen Motiven registriert. In den neuen Bundesländern kommen dabei mehr als drei mal so viele Gewalttaten auf 100.000 Einwohner wie in den westlichen, und nirgends so viele wie in Brandenburg.


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