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21.7.2021

Deutscher Arbeitsmarkt und Klimawandel

Auch der Arbeitsmarkt in Deutschland ist von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Er muss sich an veränderte politische Rahmenbedingungen zur Reduzierung von Treibhausgasen anpassen genauso wie an neue ökologische Rahmenbedingungen wie extreme Wettersituationen und Naturkatastrophen.

(© picture-alliance, picture alliance / Zoonar | elxeneize)


Ein sich änderndes Klima in der Welt hat direkte Auswirkungen auf die Lebensbedingungen der Menschen. Unsere Lebens- und Verhaltensweisen werden sich diesen neuen Rahmenbedingungen anpassen (müssen). Dies bedeutet, dass sich die zukünftig in Deutschland nachgefragten Produkte und Dienstleistungen im Vergleich zu heute verändern werden, was unmittelbare Auswirkungen auf die am Arbeitsmarkt nachgefragten Fähigkeiten und Fertigkeiten haben wird. Dabei sind zwei Entwicklungen zu berücksichtigen: Zum einen erhöht die globale Erderwärmung das Risiko von extremen Wettersituation und Naturkatastrophen. Hier müssen Anpassungsmaßnahmen ergriffen werden, wie z.B. der Bau von Dämmen oder Schutzmaßnahmen an Gebäuden vor Hitze, Starkregen und Hochwasser.[1] Zum anderen bedarf es einer Reduktion von Treibhausgasen, die als ursächlich für den Klimawandel angesehen werden. Die meisten Treibhausgase (THG) entstanden erst durch die industrielle Entwicklung, welche Deutschland zugleich Beschäftigung und Wohlstand gebracht hat. Die Herausforderung besteht nun darin, die THG-Emissionen zu reduzieren, dabei aber die Wirtschaftsleistung zu erhalten. Es ist Aufgabe der Politik hierfür ordnungsrechtliche Regelungen zu erarbeiten und wirtschaftliche Anreize zu setzen.

In diesem Text wird erläutert, welche politischen Rahmenbedingungen aus dem Klimawandel hervorgegangen sind, wie Beschäftigung und Klimawandel zusammenhängen und wie sich der Arbeitsmarkt im Zuge des Klimawandels entwickeln könnte.

Politische Rahmenbedingungen

Am 12. Dezember 2015 vereinbarten 195 Vertragsparteien der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen im Übereinkommen von Paris die globale Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius und möglichst auf 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen (BGBl. 2016 II S. 1082, 1083). In der Folge erarbeitete Deutschland, wie andere Länder auch, einen Klimaschutzplan 2050 (KSP 2050), um die Ziele der Pariser Klimakonferenz umzusetzen. Der am 14. November 2016 vom Bundeskabinett beschlossene KSP 2050 strebt an, die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2050 im Vergleich zu 1990 um 80 bis 95 Prozent zu vermindern. In einem Zwischenschritt sollen die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent gegenüber 1990 gesenkt werden. Der KSP 2050 gibt nur den Prozess zur Erreichung der nationalen Klimaziele vor, benennt jedoch keine Einzelmaßnahmen. Diese wurden am 9. Oktober 2019 vom Bundeskabinett im Klimaschutzprogramm 2030 (KSPr 2030) beschlossen. Das Bundes-Klimaschutzgesetz (KSG) vom 12. Dezember 2019, bildet schlussendlich die Grundlage zur Umsetzung der Ziele aus dem Pariser Abkommen, dem KSP 2050 und dem KSPr 2030. Es definiert eine Minderungsquote der Kohlendioxid (CO2)-Emissionen von 55 Prozent gegenüber dem Jahr 1990.

Am 24. März 2021 kam der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts zu dem Beschluss, dass Teile des KSG mit den Grundrechten unvereinbar sind. Denn um die Freiheiten künftiger Generationen zu schützen, muss der Übergang zur Klimaneutralität rechtzeitig eingeleitet werden. Der Gesetzgeber wurde deshalb verpflichtet, spätestens bis zum 31. Dezember 2022 die Fortschreibung der Minderungsziele für die Zeiträume ab dem Jahr 2031 zu regeln.

Ziel: Erreichen einer Netto-Treibhausgasneutralität bis 2045

Der Entwurf eines Ersten Gesetzes zur Änderung des Bundes-Klimaschutzgesetzes vom 11. Mai 2021 sieht deshalb vor, die THG-Emissionen bis zum Jahr 2030 nun um 65 Prozent und bis zum Jahr 2040 um mindestens 88 Prozent zu reduzieren. Bis zum Jahr 2045 sind die Treibhausgasemissionen so weit zu mindern, dass Netto-Treibhausgasneutralität erreicht wird. Als Netto-Treibhausgasneutralität wird nach KSG das Gleichgewicht zwischen den anthropogenen Emissionen von THG aus Quellen und dem Abbau solcher Gase durch Senken bezeichnet. Das „Klimaschutz-Sofortprogramm 2022“ der Bundesregierung vom 23. Juni 2021 ergänzt die 65 Maßnahmen des KSPr 2030 um weitere Punkte.

Sektorziele

Um die gesteckten Ziele zu erreichen, werden zum einen übergreifende Ziele und Maßnahmen definiert, zum anderen werden nach dem Quellprinzip der internationalen THG-Berichterstattung sechs Sektoren als THG-Emittenten definiert. Für diese werden jeweils Zielgrößen an zukünftigen Tonnen an CO2-Äquivalenten vorgegeben. Eine Tonne CO2-Äquivalent entspricht einer Tonne CO2 oder der Menge eines anderen THG, die in ihrem Potenzial zur Erwärmung der Atmosphäre einer Tonne CO2 entspricht. Die sechs Sektoren sind:
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