zurück 
7.5.2020

Rumänien: Die Angst vor Armut ist größer als die Angst vor dem Virus

Mit Rumänien trifft die Coronavirus-Pandemie eines der ärmsten Länder der EU. Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit und fehlende Aufträge machen den Menschen schwer zu schaffen. Hinzu kommt ein marodes Gesundheitssystem, dessen Beschäftigte zu großen Teilen bereits im Ausland arbeiten.

Mit Rumänien trifft die Coronavirus-Pandemie eines der ärmsten Länder der EU. Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit und fehlende Aufträge machen den Menschen schwer zu schaffen. Hinzu kommt ein marodes Gesundheitssystem, dessen Beschäftigte zu großen Teilen bereits im Ausland arbeiten. Im Podcast sprechen euro|topics-Korrespondent Alex Gröblacher aus Bukarest und europ|topics-Redakteurin Sophie Elmenthaler aus Berlin darüber, wie die Corona-Krise Rumänien zusetzt.


Der erste Fall einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus in Rumänien wurde am 26. Februar registriert – der Mann hatte sich offenbar von einem Italiener angesteckt. Aktuell melden die Behörden rund 13.800 Infizierte und 840 Tote. Zudem starben rund 75 rumänische Staatsangehörige im Ausland, die meisten in Großbritannien. In Rumänien wird vergleichsweise wenig getestet – 200.000 Personen seit Ausbruch der Krise. (Stand: 05.05.2020)

Präsident Klaus Johannis rief am 16. März den Notstand aus. Bei der Einreise von Personen aus Seuchen-Hotspots gelten besondere Isolations- und Quarantänevorschriften – auch weil etwa zwei Millionen Rumänen in Italien und Spanien leben und arbeiten und es einen regen Personenverkehr in beide Richtungen gibt. Während des Notstands wurden weitgreifende Ausgangssperren verhängt. Menschen dürfen ihre Wohnungen aus beruflichen Gründen nur verlassen, wenn sie eine Bescheinigung des Arbeitgebers haben. Selbst für Arztbesuche, kleinere Einkäufe, die Versorgung älterer Verwandten oder das Ausführen von Haustieren müssen sie eine selbst ausgefüllte Erklärung bei sich haben, in der der Zweck des Ausgangs und die Route angegeben werden. Gruppen von mehr als drei Personen sind verboten. Menschen über 65 dürfen nur zwischen 11 und 13 Uhr unterwegs sein. Die Regierung stellte kürzlich eine graduelle Lockerung ab dem 15. Mai in Aussicht.

Die Wirtschaft ist von den Maßnahmen gegen die Pandemie schwer getroffen worden. Mehr als eine Million Arbeitnehmer wurden in Kurzarbeit geschickt, rund 200.000 wurde gekündigt. Der Staat rechnet mit einem Gesamtverlust von rund 13 Milliarden Euro oder einem Minus von 1,9 Prozent der Wirtschaftsleistung. Der IWF ist noch pessimistischer und sieht den Einbruch bei 5 Prozent des BIP. Die Regierung hilft Unternehmen mit Steuererleichterungen, Kreditgarantien und übernimmt die Zahlung von Kurzarbeitergeld sowie die Unterstützungen für Selbstständige und bestimmte Berufe. Wer in finanziellen Schwierigkeiten ist, kann Ratenzahlungen für Kredite aussetzen. Etwa 150.000 Bankkunden haben das bisher beantragt.

Diese Anstrengung kostet rund 3 Prozent der Wirtschaftsleistung Rumäniens – laut Privatsektor viel zu wenig. Ein großer Unternehmerverband forderte in einem offenen Apell, die Regierung solle 15 Prozent des BIP für Maßnahmen zur Abfederung der Rezession ausgeben.

3. April 2020 in Bukarest: Der Lockdown sorgt auch hier für menschenleere Straßen. (© picture-alliance, AA)


Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.

Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln