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18.8.2014

Freie Organisationen und Institutionen

Was gibt es für Interessenverbände und welche Ziele verfolgen diese? Freie Verbände haben keinen sozialrechtlichen Auftrag zur Verabschiedung untergesetzlicher Normen. Sie fungieren lediglich als Interessenverband ihrer Mitglieder. Die Mitgliedschaft ist freiwillig.

Postkarten einer Anti-Alkohol-Kampagne der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung. Die BZgA soll als Brückeninstanz zwischen den Kooperationspartnern aus Praxis, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik dienen. (© picture-alliance/dpa)


Verband der Privaten Krankenversicherung

Im Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV-Verband) haben sich 42 private Krankenkassen zusammengeschlossen; 18 Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit (VVaG) und 24 Aktiengesellschaften (AG). Sitz des Verbandes ist Köln. Der Verband vertritt die Mehrzahl aller privaten Krankenkassen und deckte mit 8,89 Millionen Vollversicherten im Jahr 2013 über 99 Prozent dieses Marktes ab. Die Einnahmen der Mitgliedsunternehmen betrugen 2013 mehr als 35,8 Milliarden Euro. Zweck des PKV-Verbandes ist laut dessen Satzung die Vertretung und Förderung der Allgemeininteressen der privaten Krankenversicherung und seiner Mitgliedsunternehmen. Zentrale Forderung ist der Erhalt der Selbstständigkeit der privaten Krankenversicherung (PKV) neben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Kooperative Beziehungen unterhält der PKV-Verband mit den korporatistischen und freien Ärzteverbänden. Diese befürworten den Erhalt der PKV, weil die privaten Krankenkassen höhere Honorare zahlen als die gesetzlichen.
Obwohl der PKV-Verband ein freier Verband ist, wird auch er – wenn auch nur sehr bruchstückhaft – in die Verhandlungssysteme der Selbstverwaltung eingebunden, nämlich in die Beratungen über die Vergütung stationärer Leistungen. Im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) ist der PKV-Verband nicht vertreten. Die Mitgliedschaft im PKV-Verband ist für die Unternehmen freiwillig. Die Regulierung der Mitglieder fällt nur schwach aus. Seinen Mitgliedern bietet der Verband Beratung zum Beispiel bei Grundsatzfragen wie der Tarifgestaltung an. Als Verbandsorgan dient die Zeitschrift "PKV publik".

Medicproof

Medicproof GmbH ist ein Dienstleistungsunternehmen für die privaten Pflegepflichtversicherungen. Es führt Begutachtungen im Rahmen des Pflegeversicherungsgesetzes durch und stellt insbesondere den Umfang der Pflegebedürftigkeit von Antragstellerinnen und -stellern fest. Es bedient sich dabei eines bundesweiten Netzes freiberuflich tätiger Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte. Medicproof unterliegt bei seiner Begutachtungstätigkeit denselben gesetzlichen Bestimmungen wie der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK).

Wissenschaftliches Institut der PKV

Das Wissenschaftliche Institut der PKV (WIP) wurde Anfang 2005 vom Verband der Privaten Krankenversicherung gegründet. Die Aufgabe dieses privaten Instituts, das direkt beim PKV-Verband angesiedelt ist, soll es sein, Fragen der gesundheitlichen Versorgung und Aspekte im Spannungsfeld zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung wissenschaftlich zu analysieren. Hierzu erarbeitet das WIP im Rahmen von Projekten verschiedene Studien, die sich zum Beispiel mit dem Finanzierungsbeitrag privat versicherter Patientinnen und Patienten im Gesundheitswesen oder der Beitragssatzentwicklung in der GKV befassen.

Bundesverband Managed Care

Der Bundesverband Managed Care e. V. (BMC) verfolgt primär die Förderung der objektiven Information und Versachlichung der Diskussion über neue Versorgungsformen durch wissenschaftliche Arbeit, Bildungsmaßnahmen und Öffentlichkeitsarbeit. Der BMC hat seinen Sitz in Berlin und repräsentiert ein sehr breites Spektrum von Mitgliedern. Dieses umfasst vor allem Krankenkassen und Pharmaunternehmen, aber auch die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, den Hartmannbund und zahlreiche Einzelpersonen.

Hartmannbund

Der Hartmannbund – Verband der Ärzte Deutschlands e. V. ist der mitgliederstärkste freie Berufsverband für die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte. Er gilt vielen Beobachterinnen und Beobachtern als ein besonders rigider Vertreter ärztlicher Standesinteressen. Hauptziele sind der Schutz der Freiberuflichkeit der Niedergelassenen und die Abschaffung der Budgetierung der Honorare. Mit seiner Programmatik befindet er sich in Opposition zur Kostendämpfungspolitik der Bundesregierungen und zu den Regulierungsbestrebungen ("Managed Care") der gesetzlichen Krankenkassen. In den letzten Jahren äußerte der Hartmannbund zunehmend Kritik an den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVs), weil die in den Gesamtverträgen festgelegten Honorare als unzureichend betrachtet werden und viele Regulierungsmaßnahmen der KVs, zum Beispiel zum Qualitätsmanagement, als zu bürokratisch abgelehnt werden.
Organisatorisch gliedert sich der Hartmannbund in den Bundesverband und 17 Landesverbände, die wiederum in Bezirks- beziehungsweise Kreisvereine gegliedert sind. Im Jahr 2012 hatte er knapp 65.000 Mitglieder (Einzelmitglieder und korporative Mitglieder) und verfügte über ein Budget von 5,4 Millionen Euro. Die Mitgliederwerbung des Hartmannbundes schließt auch Medizinstudentinnen und -studenten sowie Krankenhausärztinnen und -ärzte ein. Durch seine Tochtergesellschaft Ärzte-Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft mbH vermittelt er als Mitgliederservice Versicherungs- und Kreditleistungen und bietet eigene Fortbildungsprogramme an. Als Verbandsorgan dient das "Hartmannbund-Magazin". Der Hartmannbund organisiert darüber hinaus Demonstrationen, ist auf den Ärztetagen präsent und transportiert seine Programmatik über seine Mitglieder in die Kassenärztlichen Vereinigungen. Er versendet Faltblätter und Praxisplakate an die Arztpraxen, um Ärztinnen und Ärzte sowie Patientinnen und Patienten politisch zu beeinflussen.

Der Hartmannbund wurde im Jahr 1900 in Leipzig als "Verband der Ärzte Deutschlands zur Wahrung ihrer wirtschaftlichen Interessen", kurz "Leipziger Verband", gegründet. Initiator war der Leipziger Arzt Hermann Hartmann, der eine Gewerkschaftsbewegung der Ärztinnen und Ärzte postulierte. Seit einigen Jahren schon hatten sich die Ärztinnen, Ärzte und Krankenkassen in heftigen honorarpolitischen Auseinandersetzungen befunden. Der Leipziger Verband rief die Ärztinnen und Ärzte gezielt zum Boykott einzelner Kassen auf. Aufgrund des raschen Mitgliederzulaufs im gesamten Deutschen Reich mussten die meisten Kassen Verträgen mit dem Hartmannbund zu dessen Konditionen zustimmen. Im Jahr 1924 wurde der Verband zu Ehren seines Gründers zum "Verband der Ärzte Deutschlands (Hartmannbund)" umbenannt.

Marburger Bund

Der Marburger Bund – Verband der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte Deutschlands e. V. (MB) ist der größte Interessenverband der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte in Deutschland. Er wurde 1947 in Marburg gegründet und hat heute seinen Sitz in Berlin. Neben dem Bundesverband bestehen 14 Landesverbände. Mit rund 115.000 Mitgliedern ist er die einzige tariffähige "Ärztegewerkschaft" in Deutschland und Europas größte Ärzteorganisation mit freiwilliger Mitgliedschaft. Der MB setzt sich für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern sowie für höhere Vergütungen ein. Im Jahr 2006 ist er als Träger eines ausgedehnten Streiks von Krankenhausärztinnen und -ärzten in Erscheinung getreten. Der MB bietet seinen Mitgliedern diverse Seminare, Rechtsschutz und vermittelt Versicherungen. Verbandsorgan ist die "Marburger Bund Zeitung".



NAV-Virchow-Bund

Der NAV-Virchow-Bund – Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands e. V. ist ein freier Ärzteverband, der die Interessen der niederlassungswilligen, niedergelassenen und ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte vertritt. Er wirkt darauf hin, "dass sich die Bundesregierung darauf beschränkt, Ordnungs- und Leistungsrahmen zu schaffen, die eine effiziente Umsetzung gesundheitspolitischer Ziele ermöglichen". Nach Auffassung des NAV-Virchow-Bundes darf es nicht Aufgabe des Staates sein, im Sinne eines zentralistisch gelenkten Gesundheitssystems bevormundend einzugreifen. Die Programmatik entspricht also weitgehend jener des Hartmannbundes. Der Verband unterhält 15 Landesverbände. Verbandsorgan ist die Monatszeitschrift "der niedergelassene arzt". Gegründet wurde der Verband 1949 als "Verband der niedergelassenen Nicht-Kassenärzte Deutschlands (NKV)". Als Zusammenschluss von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten ohne Kassenzulassung bestand sein Zweck darin, die Beschränkung der Zulassung politisch zu bekämpfen. Er strengte hierzu erfolgreich eine Verfassungsklage an, die im Jahre 1960 zur Liberalisierung der Bedarfsplanung führte. In der Folge wurde der NKV Mitte der 1950er-Jahre in "Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands (NAV)" umbenannt. Im Herbst 1990 fusionierte der Verband mit dem Rudolf-Virchow-Bund in der ehemaligen DDR. Seither besteht die Bezeichnung NAV-Virchow-Bund.

Gemeinschaft fachärztlicher Berufsverbände

Die Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände (GFB) ist die Dachorganisation der deutschen fachärztlichen Berufsverbände. Nach eigenen Angeben sind in ihr 26 fachärztliche Berufsverbände mit mehr als 158.000 Mitgliedern zusammengeschlossen. Damit ist die GFB der größte freie Arztverband in Deutschland. Sie vertritt sowohl angestellte Fachärztinnen und -ärzte, die im Krankenhaus tätig sind, als auch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte. Die GFB fungiert im Gesundheitswesen, gegenüber der Politik und in der Öffentlichkeit als Sachwalter fachärztlicher Interessen.

Deutscher Hausärzteverband

Veranstaltung des Bayerischen Hausärzteverbandes in Nürnberg. (© picture-alliance/dpa)

Der Deutsche Hausärzteverband e. V. ist ein Interessenverband der Hausärztinnen und -ärzte mit über 32.000 Mitgliedern. Er vertritt im Gesundheitswesen, gegenüber der Politik und in der Öffentlichkeit die beruflichen und wirtschaftlichen Interessen von Hausärztinnen und -ärzten und ist auf dem Gebiet der hausärztlichen Weiterbildung tätig. Zu seinen Zielen zählt unter anderem die Einführung einer eigenständigen Kompetenz zur Aushandlung von Verträgen mit den Krankenkassen.

Darüber hinaus hat der Hausärzteverband eine Hausärztliche Vertragsgemeinschaft (HÄVG) AG gegründet, die den Hausärzteverband und die ihm angeschlossenen Landesverbände beim Abschluss und bei der Umsetzung von hausarztbasierten Versorgungsverträgen mit Krankenkassen unterstützen soll.


MEDI

MEDI ist eine Arbeitsgemeinschaft freier Ärzteverbände. Sie wurde im Jahr 2003 gegründet und hat ihren Sitz in Stuttgart. Laut Geschäftsstelle bewegten sich die Haushaltsmittel im Jahr 2005 im unteren sechsstelligen Bereich. Die Mitglieder von MEDI sind gewerkschaftsähnliche Zusammenschlüsse von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, die sich den Kassen als Vertragspartner in den sogenannten neuen Versorgungsformen außerhalb des Kollektivvertragssystems anbieten. In den letzten Jahren hat sich in der politischen Programmatik von MEDI eine kritische Haltung gegenüber den Kassenärztlichen Vereinigungen manifestiert. Diese gelten als Instrumente der staatlichen Kostendämpfung und Verursacher von bürokratischen Belastungen für die Praxisinhaberinnen und -inhaber. Inzwischen rufen MEDI-Vertreterinnen und -Vertreter die Niedergelassenen zum kollektiven Verzicht auf die Kassenzulassung auf, wodurch der Sicherstellungsauftrag an die Kassen fallen würde und die Gesamtverträge der KVs obsolet würden.

Mitgliedsorganisationen sind die Vertragsärztliche Vereinigung Nordwürttemberg, die Vertragsärztliche Vereinigung Südwürttemberg, MEDI Baden-Württemberg, die Ärzteinitiative Berlin, die Arbeitsgemeinschaft MEDI Trier, die Vertragsärztliche Vereinigung Trier, der Landesverband Praxisnetze Westfalen-Lippe, MEDI Mecklenburg-Vorpommern, MEDI Pfalz, MEDI Hessen, Med Union Rheinland-Pfalz und die Nordbadische Ärzteinitiative. MEDI hat kein eigenes wissenschaftliches Institut, ist aber am Deutschen Institut für Gesundheitsrecht (DIGR) beteiligt, das im Jahr 2006 gegründet wurde. Als Verbandszeitschrift erscheint vierteljährlich "MEDI TIMES". Ein öffentlicher Jahresbericht wird nicht herausgegeben.

Vertragsärztliche Vereinigungen

Ähnliche Ärzteverbände wie die MEDI-Verbünde sind die Vertragsärztlichen Vereinigungen (VVs). Bisher existieren beispielsweise die VV-Bayern, die VV-Hessen, die VV-Niedersachsen, die VV-Nordrhein, die VV-Nordwürttemberg und die VV-Westfalen-Lippe. Die politischen Ziele der Vertragsärztlichen Vereinigungen stehen im Zusammenhang mit der Freiberuflichkeit der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte und mit der Abwehr von Autonomiebeschränkungen durch den Staat oder die Krankenkassen. So fordern ihre Vertreterinnen und Vertreter immer wieder die Abschaffung des Sachleistungsprinzips und die Einführung der Kostenerstattung, also direkte Vertragsbeziehungen zwischen den Patientinnen/Patienten und Ärztinnen/Ärzten ohne Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen.

Verein Demokratischer Ärztinnen und Ärzte

Der Verein Demokratischer Ärztinnen und Ärzte (VDÄÄ) versteht sich als eine kritische Opposition zur ärztlichen Standespolitik. Er wurde 1986 in Frankfurt am Main gegründet und hat seinen Sitz in Maintal/Hessen. Wichtige Eckpunkte seiner Programmatik sind das Festhalten am Solidarprinzip in der gesetzlichen Krankenversicherung und die Kritik an Privatisierungstendenzen im Gesundheitswesen. Der VDÄÄ nimmt zu zahlreichen Fragen der Gesundheitspolitik und der ärztlichen Berufspolitik Stellung. Durch die Kandidatur zu den Ärztekammerwahlen versucht er, Einfluss auf die gesundheitspolitischen Positionsbestimmungen der Ärzteschaft zu nehmen. Viermal im Jahr erscheint der VDÄÄ-Rundbrief als wichtigstes Publikationsorgan des Verbandes.

Freier Verband deutscher Zahnärzte

Der Freie Verband deutscher Zahnärzte e. V. wurde 1955 als "Notgemeinschaft Deutscher Zahnärzte" ins Leben gerufen. Er ist die Bundesorganisation von 17 Landesverbänden mit Sitz in Bonn. Politische Ziele sind die zahnärztliche Therapiefreiheit, die Offenheit moderner zahnärztlicher Methoden für alle Patientinnen und Patienten, Prophylaxeförderung, mehr Eigenverantwortung für Patientinnen und Patienten sowie Zahnärztinnen und -ärzte sowie eine solide Finanzierung der Zahnheilkunde. Verbandsorgan ist die Monatszeitschrift "Der Freie Zahnarzt".

Verband der leitenden Krankenhausärzte Deutschlands

Der Verband der Leitenden Krankenhausärzte Deutschlands e. V. (VLK) ist ein Interessenverband für Ärztinnen und Ärzte, die in Versorgungs- und Forschungseinrichtungen eine Abteilung leiten oder geleitet haben, insbesondere Oberärztinnen und -ärzte sowie Chefärztinnen und -ärzte in Krankenhäusern. Die Bundesorganisation in Düsseldorf vertritt 16 Landesverbände. Als Ziel seines Wirkens gibt der VLK die wirtschaftliche Sicherung der Krankenhäuser zur Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen für die qualifizierte Ausübung ärztlicher Tätigkeiten sowie die Bewahrung der ärztlichen Freiheit in Diagnostik und Therapie an. Der Verband wurde 1912 gegründet.

Verband Forschender Arzneimittelhersteller

Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller e. V. (vfa) vertritt die Interessen von 45 forschenden Arzneimittelherstellern und über 100 Tochterunternehmen. In ihm sind überwiegend sehr große, multinational agierende Pharmaunternehmen organisiert. Er hat seinen Sitz in Berlin. Die Mitglieder des vfa repräsentieren mehr als zwei Drittel des deutschen Arzneimittelmarktes und beschäftigen in Deutschland rund 80.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Politische Hauptziele des Verbandes sind günstige Produktions-, Vertriebs- und Forschungsbedingungen für seine Mitglieder. Der vfa ist eine Abspaltung vom Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI). Interessenkonflikte zwischen den großen Unternehmen mit hohen Forschungsaufwendungen und den kleineren Herstellern von Generika haben zu dieser Spaltung geführt.

Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie

Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) wurde 1951 gegründet. Er vertrat bis zur Abspaltung des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller die Pharmaunternehmen als maßgebender Dachverband. Seit 1994 fungiert er als Interessenverband vorwiegend mittelständischer Arzneimittelhersteller, unter denen sich viele Hersteller von Generika befinden. Seine rund 240 Mitglieder verfügen über etwa 70.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der BPI veröffentlicht seinen Haushalt nicht. Verbandszeitschrift ist der "Pharmareport" mit sechs Ausgaben im Jahr. Ein wissenschaftliches Institut besteht beim BPI nicht. Statistiken erscheinen jährlich in der Reihe "Pharma-Daten". Ein Jahresbericht wird herausgegeben.

Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller

Der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller e. V. (BAH) vertritt die Interessen von rund 467 Unternehmen aus der Arzneimittelindustrie. Dazu zählen rund 323 Arzneimittelhersteller und über 100 Apothekerinnen und Apotheker, Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, Verlage, Agenturen sowie Markt- und Meinungsforschungsinstitute aus dem Gesundheitsbereich. Der BAH wurde 1954 in Köln als "Interessenvertretung der Heilmittelwerbung" gegründet. Heute sitzt er in Bonn. Neben dem Bereich rezeptpflichtige Arzneimittel widmet er sich in besonderem Maße dem Thema Selbstmedikation. Seit 1988 gibt der BAH die Verbandszeitung "Das freie Medikament" heraus. Diese erscheint alle zwei Monate. An Journalistinnen, Journalisten und Redaktionen wendet sich das Blatt "Gesundheitskurier". Seit 2001 unterstützt der BAH den Studiengang "Consumer Health Care" an der Humboldt-Universität Berlin.



Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) ist die Spitzenorganisation der rund 61.000 Apothekerinnen und Apotheker in Deutschland. Sie hat ihren Sitz in Berlin. Mitglieder sind die 17 Landesapothekerkammern (LAKs) und 17 Apothekerverbände (AVs). Die Landesapothekerkammern sind in der Bundesapothekerkammer (BAK) und die Apothekerverbände im Deutschen Apothekerverband (DAV) zusammengeschlossen. Die ABDA, die BAK und der DAV haben eine gemeinsame Geschäftsführung. Die ABDA veranstaltet den jährlich stattfindenden Apothekertag. Sie ist Herausgeberin des wöchentlich erscheinenden Verbandsmagazins "Pharmazeutische Zeitung" sowie der "Neuen Apotheken Illustrierten", die im Abstand von zwei Wochen erscheint und sich an die Verbraucherinnen und Verbraucher wendet. Die ABDA veröffentlicht Jahresberichte, im Haushaltsjahr 2010 verfügte sie über Einnahmen in Höhe von 13,7 Millionen Euro.

Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung

Die Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e. V. (BVPG) geht auf eine Fusion der Bundesvereinigung für Gesundheit e. V. (BfGe) und des Deutschen Forums Prävention und Gesundheitsförderung (DFPG) im November 2007 zurück. Die BVPG wird institutionell durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) gefördert und finanziert sich darüber hinaus aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Derzeit sind 127 relevante Institutionen und Verbände aus Deutschland in der BVPG zusammengeschlossen. Das Hauptziel der Bundesvereinigung ist die Strukturerhaltung beziehungsweise -verbesserung bezüglich der Gesundheitsförderung und Prävention in Deutschland. Dabei sieht sich die BVPG als Brückeninstanz zwischen den Kooperationspartnern aus Praxis, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.

Die ehemalige Bundesvereinigung für Gesundheit (BfGe) in Bonn wurde 1954 gegründet. Das Spektrum der Mitglieder war breit gestreut und reichte von Spitzenverbänden der GKV über Ärztekammern, freie Ärzteverbände, Landesvereinigungen für Gesundheitsförderung bis zum Deutschen Olympischen Sportbund. Die Bundesvereinigung für Gesundheit setzte sich für den Strukturerhalt und die Strukturverbesserungen im Bereich der Gesundheitsförderung und der Prävention ein. Sie war 2005 vom Bundesministerium für Gesundheit mit der Leitung der Geschäftsstelle des Deutschen Forums Prävention und Gesundheitsförderung (DFPG) betraut worden.

Das DFPG ging auf eine Initiative der damaligen Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt im Jahr 2002 zurück. Es handelte sich um ein Aktionsbündnis von 71 Organisationen mit dem Ziel, gemeinsame Empfehlungen für Präventionsziele auszusprechen, Präventionskonzepte zu entwickeln, Forschungsvorhaben anzuregen und Kampagnen zu finanzieren. Hierzu wurden die drei Arbeitsgruppen "Gesunde Kindergärten und Schulen", "Betriebliche Gesundheitsförderung" und "Gesund altern" eingerichtet. Die Geschäftsstelle war bis zur Fusion bei der Bundesvereinigung für Gesundheit in Bonn angesiedelt.

Deutsche AIDS-Hilfe

Die Deutsche AIDS-Hilfe e. V. wurde 1983 in Berlin von schwulen Männern und einer Krankenschwester gegründet. Der Anlass waren befürchtete Repressionen gegen Homosexuelle. Ziel war die Aufklärung über HIV sowie die Unterstützung der Infizierten. Seit 1985 ist die Deutsche AIDS-Hilfe der Dachverband von bundesweit mittlerweile 120 regionalen AIDS-Hilfen und elf Landesverbänden. Die Deutsche AIDS-Hilfe verfügte im Jahr 2010 über ein Budget von knapp 6,7 Millionen Euro. Wichtigster Zuwendungsgeber war die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mit knapp 5,2 Millionen. Die Deutsche AIDS-Hilfe veranstaltet jährlich die Bundesversammlung "Positive Begegnungen – Konferenz zum Leben mit HIV und Aids". Ein Jahresbericht mit Angaben zum Haushalt erscheint regelmäßig.

Teilnehmer einer Angehörigen-Selbsthilfegruppe, deren demenzkranke Angehörige zu Hause betreut werden. Das Pflege-Ausrichtungsgesetz enthält eine Reihe von Leistungsverbesserungen für Demenzkranke. (© picture alliance / ZB)


Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen

Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e. V. (DAG SHG) besteht seit 1982 und hat ihren Vereinssitz in Gießen. Neben Einzelmitgliedern vertritt sie die Interessen der Selbsthilfekontaktstellen und Selbsthilfegruppen, die nicht in den Dachverbänden chronisch Kranker und Behinderter organisiert sind. Die DAG SHG ist vom Bundesministerium für Gesundheit als maßgebliche Organisation zur Wahrnehmung der Interessen von Patientinnen und Patienten anerkannt und entsendet Vertreterinnen und Vertreter in den Gemeinsamen Bundesausschuss.

Verbraucherzentrale Bundesverband

Der Verbraucherzentrale Bundesverband e. V. (vzbv) ist die Dachorganisation von 49 Verbraucherverbänden, 16 Verbraucherzentralen, 25 weiteren Verbänden und acht Fördermitgliedern, die zusammen mehr als 20 Millionen Einzelmitglieder vertreten. Der vzbv wurde im Jahr 2000 gegründet und hat seine Geschäftsstelle in Berlin. Er ist vom Bundesministerium für Gesundheit als maßgebliche Organisation zur Wahrnehmung der Interessen von Patientinnen und Patienten anerkannt und entsendet Vertreterinnen und Vertreter in den Gemeinsamen Bundesausschuss. Als Verbandszeitschrift erscheint alle zwei Monate die "verbraucher. politik. kompakt." (vpk).

Bundesarbeitsgemeinschaft der PatientInnenstellen und -Initiativen

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der PatientInnenstellen und -Initiativen (BAGP) besteht seit 1989 und hat ihre Geschäftstelle in München. Sie hat zwölf Mitgliedsorganisationen, die im Bereich Patientenberatung tätig sind. Die BAGP ist vom Bundesministerium für Gesundheit als eine von vier maßgebliche Organisation zur Wahrnehmung der Interessen von Patientinnen und Patienten anerkannt und entsendet Vertreterinnen und Vertreter in den Gemeinsamen Bundesausschuss.

Thomas Gerlinger, Michael Noweski

Thomas Gerlinger

Prof. Dr. Dr. Thomas Gerlinger ist Professor an der AG 1: Gesundheitssysteme, Gesundheitspolitik und Gesundheitssoziologie an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften Universität Bielefeld


Michael Noweski

Dr. Michael Noweski, Institut für Medizinische Soziologie am Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main


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