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6.11.2014

Finanzierung

Die Renten werden aus Beiträgen der Arbeitnehmer, der Arbeitgeber und durch Bundeszuschüsse im Umlageverfahren finanziert. Wovon hängen die Beitragseinnahmen ab und wie wird der Generationenvertrag umgesetzt?

Die Daten der Rentenstatistik zeigen, dass der Rentenanspruch einer Frau umso niedriger ist, je mehr Kinder sie erzogen hat. @ picture-alliance / Josef Wildgruber



Beiträge sind die wichtigste Einnahmenquelle



Die Beiträge zur Rentenversicherung werden paritätisch − jeweils zur Hälfte − von Versicherten und Arbeitnehmern geleistet. Monatlich werden von den Entgelten die Beiträge entsprechend dem gesetzlich festgelegten Beitragssatz (2014: 18,9 %) bis zur Beitragsbemessungsgrenze (2014: 5.950 EUR im Monat, West) erhoben und von den Arbeitgebern überwiesen.

Der Beitragssatz ist in den neuen Bundesländern gleich, die Bemessungsgrenze jedoch niedriger (2014: 5.000 EUR im Monat, Ost) weil dort die Einkommen auch niedriger sind.

Beiträge werden auch von den Lohnersatzleistungen wie z. B. Arbeitslosengeld, Krankengeld erhoben. Auch im Fall von Elternzeit oder Pflege werden vom Bund bzw. von der Pflegeversicherung Beiträge gezahlt. Damit wird für den Einzelnen Vorsorge für seine spätere Rente getroffen.

Allerdings werden bei Bezug von Arbeitslosengeld I seitens der Bundesagentur für Arbeit nur geringe und bei ALG-II-Bezug inzwischen keine Beiträge mehr von der Bundesagentur geleistet, so dass Versicherte mit langer Arbeitslosigkeit besonders stark von Altersarmut gefährdet sein können.

Aus Sicht der Finanzierung der Rentenversicherung hängen die Beitragseinnahmen insbesondere: Unmittelbar einsichtig ist, dass damit eine enge Koppelung der Beitragseinnahmen und damit auch der Finanzlage der Rentenversicherung an die Beschäftigungslage und die Einkommensentwicklung vorliegt.

Bundeszuschüsse und Bundesgarantie



Neben den Beiträgen finanziert sich die Gesetzliche Rentenversicherung durch Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt, die aus dem allgemeinen Steueraufkommen getragen werden. Damit sollen einerseits die der Rentenversicherung übertragenen Ausgleiche für allgemeine gesellschaftlichen Aufgaben (z. B. Kindererziehung, Wehrpflicht / Zivildienst, Kosten im Rahmen der deutschen Einheit) finanziert werden und darüber hinaus der Verantwortung des Staates Rechnung getragen werden.

Ein Staatszuschuss wurde seit Gründung der Rentenversicherung stets gewährt. Die Höhe der Bundeszuschüsse war jedoch in den letzten Jahrzehnten sehr unterschiedlich und deren Bestimmungsregel wurde mehrfach geändert. Davon unberührt ist, dass der Bund im Falle kurzfristiger Liquiditätsengpässe mit zinslosen Darlehen die Rentenzahlungen sichert.

Ausgaben der Rentenversicherung



Das Volumen der Gesamtausgaben der Rentenversicherung im Jahr 2012 betrug rund 255 Milliarden Euro. Darunter waren die Rentenausgaben mit rund 245 Milliarden Euro einschließlich der Beiträge und Zuschüsse zur Krankenversicherung der Rentner der Hauptausgabeposten (rund 96 %). Rund 5,7 Milliarden Euro wurden für Rehabilitation und lediglich 3,6 Milliarden Euro für Verwaltungs- und Verfahrenskosten (rund 1,4 %) aufgewendet.

Umlageverfahren: Garantie und Sicherheit über Generationen



Die Finanzierung der Rentenversicherung erfolgt im Umlageverfahren und wird damit vom Generationenvertrag getragen. Jeder Versicherte und sein Arbeitgeber tragen mit ihren Beiträgen dazu bei, die laufenden Renten zu finanzieren.

Als Gegenleistung werden dem Versicherten in seinem Versicherungskonto Anwartschaften dokumentiert. Diese drücken einen − gemessen am Durchschnittsentgelt − relativen Beitrag aus, der im Rentenfall ebenfalls relativ berücksichtigt wird. Die heutigen Beitragszahler können damit erwarten, dass die zukünftigen Versicherten ihre Rente zahlen.

Dieser Generationenvertrag kann nicht exakt zwischen den Generationen schriftlich vereinbart werden, er findet jedoch eine Umsetzung in den Regelungen des Rentenrechts.

Gerhard Bäcker, Ernst Kistler, Uwe G. Rehfeld

Gerhard Bäcker

Gerhard Bäcker, Prof. Dr., geboren 1947 in Wülfrath ist Senior Professor im Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen. Bis zur Emeritierung Inhaber des Lehrstuhls "Soziologie des Sozialstaates" in der Fakultät für Gesellschaftswissenschaften der Universität Duisburg-Essen. Forschungsschwerpunkte: Theorie und Empirie des Wohlfahrtsstaates in Deutschland und im internationalen Vergleich, Ökonomische Grundlagen und Finanzierung des Sozialstaates, Systeme der sozialen Sicherung, insbesondere Alterssicherung, Arbeitsmarkt und Arbeitsmarktpolitik, Lebenslagen- und Armutsforschung.


Ernst Kistler

Ernst Kistler, Prof. Dr., geboren 1952 in Windach/Ammersee ist Direktor des Internationalen Instituts für Empirische Sozialökonomie, INIFES gGmbH in Stadtbergen bei Augsburg. Forschungsschwerpunkte: Sozial- und Arbeitsmarktberichterstattung, Demografie, Sozialpolitik, Armutsforschung.


Uwe G. Rehfeld Zur Person

Uwe G. Rehfeld

Uwe G. Rehfeld, Dipl.-Volkswirt, geb. 1945 in Freital/Dresden war nach Studium mit Schwerpunkten Finanzwissenschaft, Sozialpolitik und Statistik langjähriger Leiter der Statistik der Rentenversicherung - zunächst beim Verband und bis zum Ruhestand bei der Deutschen Rentenversicherung Bund. Dort leitete er den Geschäftsbereich Volkswirtschaftliche Grundfragen der Sozialpolitik dem auch das Statistische Berichtswesen, Forschungsnetzwerk Alterssicherung(FNA) und das Forschungsdatenzentrum zugeordnet waren. Er leitete eine Reihe wichtiger empirischer Projekte zur sozialen Sicherung, war Mitglied mehrerer nationaler und internationaler Gremien und langjährig Dozent an Fachhochschulen.
Arbeits- und Publikationsthemen: Grundsatzfragen und Empirie zur Renten- und Sozialpolitik, Förderung der Forschung zur Alterssicherung.


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