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16.11.2016

Durchschnittliche Altersrenten, alte Bundesländer

Über die Höhe der Altersrenten wird in der Öffentlichkeit meist nur anhand von Durchschnitten diskutiert. Dabei unterscheiden sich die Durchschnittsrenten bereits erheblich, etwa nach Geschlecht und Rentenart.

Spaziergängerinnen in Hessen: In den alten Bundesländern erzielen Frauen drastisch niedrigere Renten als Männer, was vor allem an kürzeren Beitragszeiten und niedrigeren Löhnen liegt. (© picture-alliance/dpa, Uwe Zucchi)



Angesichts der großen Spannweite der Höhe der individuellen Renten und der Vielschichtigkeit ihrer Bestimmungsgründe ist es nur begrenzt aussagefähig, auf die Höhe von Durchschnittsrenten zu verweisen. Ein Mittelwert ebnet niedrige Renten und höhere Renten statistisch ein und sagt damit nur wenig aus. Der Ausweis von Durchschnittsrenten ist aber dann sinnvoll, wenn Entsprechende empirische Befunde sollen im Folgenden vorgestellt werden. Dabei geht es hier ausschließlich um die Alters-, Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenrenten in den alten Bundesländern. Daten für die neuen Bundesländer folgen (vgl. Renten in den neuen Bundesländern).

Unterscheidung nach Rentenarten und Geschlecht



…im Rentenbestand
Wichtige Hinweise auf die Unterschiede bei den Rentenhöhen lassen sich finden, wenn die Durchschnittsrenten aufgegliedert werden, und zwar nach Dargestellt wird in der Abbildung "Durchschnittliche Rentenhöhen Bestandsrenten nach Geschlecht" der Durchschnitt sämtlicher am 31.12.2014 gezahlten Altersrenten (Bestandsrenten). Die Zahlen zeigen eine Reihe von Unterschieden in den gruppenspezifischen Durchschnitten - die auch Hinweise für das Verständnis der Funktionsweise der Rentenversicherung geben − wie z. B.:

Durchschnittliche Rentenhöhen im Bestand nach Rentenart und Geschlecht 2014 (PDF-Icon Grafik zum Download 56 KB) (© bpb)

Durchschnittliche Rentenhöhen im Zugang nach Rentenart und Geschlecht 2014 (PDF-Icon Grafik zum Download 57 KB) (© bpb)



…im Rentenzugang
Da in die Durchschnittsberechnung der Bestandsrenten alle laufenden Renten eingehen und diese wiederum, so bei Rentnerinnen und Rentnern im hohen Lebensalter, die Berufs- und Einkommensposition bereits lang vergangener Jahrzehnte widerspiegeln, lassen sich die Veränderungen des (geschlechtsspezifischen) Erwerbsverhaltens sowie die Umbrüche auf dem Arbeitsmarkt in den letzten Jahren (Ausweitung von Langzeitarbeitslosigkeit, prekären Beschäftigungsverhältnissen und von Niedriglöhnen) mit diesen Daten nicht voll erfassen. Auch machen sich die Veränderungen des Rentenrechts − so vor allem die Rentenabschläge im Rentenbestand − zunächst nur begrenzt bemerkbar, da diese ja erst für vorgezogene Altersrenten gelten, die ab 1997 in Anspruch genommen worden sind. Deshalb bietet es sich an, auch auf die durchschnittliche Höhe der neu zugehenden Renten Bezug zu nehmen.

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Rentenzugang und Rentenbestand

Rentenzugänge (neue Renten) sind alle im Verlauf eines Jahres neu bewilligten Renten. Der Rentenbestand sind die zu einem bestimmten Zeitpunkt gezahlten Renten (z. B. dem 31.12). Beide sind über den aktuellen Rentenwert an die aktuelle Lohnentwicklung angebunden.

Zwischen beiden Größen besteht ein unmittelbarer Zusammenhang: In den Rentenbestand gehen jährlich neue Renten zu und fallen − vor allem wegen Todes - Renten weg. Fallen die Neurenten zunehmend niedriger aus wegen höherer Abschläge, veränderter Versicherungsbiografien (Niedriglohn, atypische Beschäftigung, Reduzierung beitragssteigender Anrechnungszeiten usw.) - so sinken verzögert auch die Zahlbeträge der Bestandsrenten.

Im Jahr 2014 wurden in den alten Bundesländern etwa 820 Tausend. Altersrenten neu bewilligt; 670 Tausend Renten sind − vor allem wegen Tod − entfallen. Bei einem Bestand an 14,4 Mio. verändern also die Rentenneuzugänge jährlich etwa 4,7 Prozent des Bestandes.

Die in der Abbildung "Durchschnittliche Rentenhöhen im Zugang nach Geschlecht" wiedergegebenen Zahlen zeigen, dass die neuen Renten zum Teil deutlich niedriger sind als die Bestandsrenten. Offensichtlich haben die Versicherten, die 2014 erstmals ihre Rente beziehen, in ihrer Erwerbsbiografie weniger Entgeltpunkte erworben als die "Altrentner" und/oder die Zusammensetzung der beiden Gruppen unterscheidet sich. Beides ist der Fall. Einerseits haben die Bestandsrentner (die im Schnitt älter sind und vereinfacht gesprochen ihre Erwerbstätigkeit in der Phase des "Wirtschaftswunders" begonnen haben), längere, nicht durch Arbeitslosigkeit unterbrochene und häufiger in Normalarbeitsverhältnissen verbrachte Erwerbsbiografien als die Neurentner. Auf der anderen Seite findet sich unter den Neurentenbeziehern z. B. ein höherer Frauenanteil mit deutlich mehr Teilzeit-Erwerbsbiografien. Im Unterschied zu den 1970er, 1980er und auch noch 1990er Jahren, in denen viele Frauen überhaupt keinen Anspruch auf eine Versichertenrente hatten, da sie zuvor überhaupt nicht versicherungspflichtig erwerbstätig waren, beziehen aktuell nahezu alle Frauen, die die Altersgrenzen erreichen, eigenständige Renten. Diese Renten sind allerdings weit überwiegend gering, wenn z.B. nur für eine kurze Zeit und/oder nur auf Teilzeitbasis gearbeitet worden ist oder wenn die Rentenansprüche allein durch die Kindererziehungszeiten entstanden sind. Dadurch wird bei den Frauen die durchschnittliche Rentenhöhe abgesenkt, während die früheren "Nullrenten" erst gar nicht in die Durchschnittsberechnung eingegangen sind.

Nicht zuletzt ist zu beachten, dass sich bei den Neurenten Reformmaßnahmen (die sich auf die Rentenberechnung, nicht auf die Rentenanpassung beziehen) unmittelbarer niederschlagen (so wurden bei einem Rentenbeginn vor 1992 bis zu 13 Jahre an Ausbildungszeiten (Schule und Studium) als Anrechnungszeiten nach dem 16. Lebensjahr anerkannt, seit 2009 ist dies nur noch eingeschränkt und nur noch bis zu maximal 3 Jahren der Fall), während diese Leistungseinschränkungen sich auf die Durchschnittswerte bei den Bestandsrenten erst über die Jahre auswirken. Das gilt insbesondere auch für die Einführung der versicherungsmathematischen Abschläge bei vorgezogenem Rentenbeginn (vgl. Altersrenten und Altersgrenzen), die einen Großteil der Altersrenten betreffen.

Zahlbeträge der durchschnittlichen Altersrenten im Rentenzugang 2000-2014



Zahlbeträge der durchschnittlichen Altersrenten im Rentenzugang, 2000 – 2014 (PDF-Icon Grafik zum Download 52 KB) (© bpb)

Verfolgt man die durchschnittliche Höhe der Altersrenten im Rentenzugang seit 2000, so zeigt sich (vgl. Abbildung "Zahlbeträge der durchschnittlichen Altersrenten beim Rentenzugang 2000-2014") − sowohl für Männer als auch für Frauen − zwischen 2000 und 2005 ein Rückgang. Seit 2011 steigen die Zahlbeträge bei den Männern wie bei den Frauen wieder an.

Die beschriebene Entwicklung der Zugangsrenten fällt noch deutlicher aus, wenn man berücksichtigt, dass die Berechnung der neuen Zugangsrenten auf einem aktuellen Rentenwert basiert, der höher ist als in den Jahren zuvor. Die in den vorvergangen Jahren neu bewilligten Renten liegen insofern − nach Maßgabe der Anpassungssätze − im Jahr 2014 deutlich höher als im Jahr des Zugangs.

Ein sehr viel stärkerer, seit 2000 kontinuierlich anhaltender Rückgang bei den durchschnittlichen Zugangsrenten lässt sich bei den Renten wegen Erwerbsminderung feststellen (vgl. Erwerbsminderungsrenten)

Durchschnittliche Höhe von Altersrenten im Jahr des Rentenzugangs 2000 – 2014 (PDF-Icon Grafik zum Download 64 KB) (© bpb)


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Autoren: Gerhard Bäcker, Ernst Kistler für bpb.de
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Gerhard Bäcker, Ernst Kistler

Gerhard Bäcker

Gerhard Bäcker, Prof. Dr., geboren 1947 in Wülfrath ist Senior Professor im Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen. Bis zur Emeritierung Inhaber des Lehrstuhls "Soziologie des Sozialstaates" in der Fakultät für Gesellschaftswissenschaften der Universität Duisburg-Essen. Forschungsschwerpunkte: Theorie und Empirie des Wohlfahrtsstaates in Deutschland und im internationalen Vergleich, Ökonomische Grundlagen und Finanzierung des Sozialstaates, Systeme der sozialen Sicherung, insbesondere Alterssicherung, Arbeitsmarkt und Arbeitsmarktpolitik, Lebenslagen- und Armutsforschung.


Ernst Kistler

Ernst Kistler, Prof. Dr., geboren 1952 in Windach/Ammersee ist Direktor des Internationalen Instituts für Empirische Sozialökonomie, INIFES gGmbH in Stadtbergen bei Augsburg. Forschungsschwerpunkte: Sozial- und Arbeitsmarktberichterstattung, Demografie, Sozialpolitik, Armutsforschung.


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